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Hinterhalt in Kunduz: Deutsche Soldaten als Opfer oder als Sieger?

Ein Leser bei Thomas Wiegold erwähnt, dass die Soldaten der Bundeswehr beim gestrigen Hinterhalt bei Kunduz sehr wahrscheinlich mehrere feindliche Kämpfer vernichteten. In den deutschen Medien findet dies bislang keine Erwähnung. Warum wird bei Meldungen über Vorfälle mit Bezug auf deutsche Soldaten immer der Opferaspekt in den Vordergrund gestellt und den beteiligten Soldaten damit eine zusätzliche Demütigung zugefügt? Warum wird nicht in den Vordergrund gestellt, dass die Soldaten des Jägerbataillon 292, die offenbar in den Hinterhalt gerieten, tapfer gekämpft haben und sich gegenüber dem Feind als stärker erwiesen haben? Wäre so eine Anerkennung für die Soldaten und ihre Angehörigen nicht wertvoller als jede routinemäßig geäußerte Trauer oder die übliche “tiefe Betroffenheit”?

12 Responses to “Hinterhalt in Kunduz: Deutsche Soldaten als Opfer oder als Sieger?”

  1. politisch inkorrekt sagt:

    Scheinbar wird was aus einer anderen Wahrnehmung.

    http://www.bild.de/BILD/politik/2009/05/02/taliban-anschlag/auf-bundeswehr-bei-kunduz-in-afghanistan-protokoll.html

    Wenn sich das so zugetragen hat, sollte er der Tapferkeitsmedaille post hum verliehen bekommen.

    pi

  2. SiPol-3 sagt:

    @politisch incorrekt:
    Ich verstehe Ihren Punkt. Als ehemaliger Infanterist habe ich aber den Eindruck, dass die Soldaten in dem Hinterhalt eine enorme taktische Leistung vollbracht haben. Wenn es sich tatsächlich um einen professionell geplanten Hinterhalt von bis zu mehreren Dutzend Kämpfern gehandelt hat, dann hätte es weitaus höhere Verluste auf deutscher Seite geben können. Ich meine, diese Leistungen könnten in der Öffentlichkeit stärker gewürdigt werden. In den Medien entsteht m.E. der Eindruck, als seien deutsche Soldaten hilflose Schießbudenfiguren und nicht Profis, die exzellente Arbeit leisten, wenn man sie lässt. Ich empfände es auch als Ehrung für den gefallenen Kamerade würdiger, die Leistungen in den Vordergrund zu stellen als das bloße Opfertum. Opfer sein kann jeder, einen gut vorbereiteten Hinterhalt abwehren jedoch können nur sehr wenige.

  3. politisch inkorrekt sagt:

    Da ich ja schon als Initiator dieses Threads diene möchte ich hier meinen Standpunkt wiedergeben.

    Der Tod von Aufständischen in einen von ihnen gestarteten Gefecht kann bei eigenen Gefallenen kein Sieg für uns sein. Der Gegner hatte die Initiative, die Überraschung und den Erfolg. Der Verlust einiger Aufständischer ist ohne weiteres wieder aufgefüllt.

    In einer Aufstandsbekämpfung sind Siege bspw. die Aushebung von “Terrorzellen”, die Ausschaltung von Schlüsselpersonal, die Unterbrechung der feindlichen Logistik usw. Durch Aufbau von Polizei, Militär, Justiz, Arbeitsplätze, Infrastruktur und Schulen wird dem Gegner die Grundlage seine Operationsführung genommen.

    Soldaten schaffen in einen solchen Szenario lediglich ein Zeitfenster. In diesen müssen die Feinde niedergehalten werden(Vernichtung wird durch die lokalen Sicherheitskräfte erreicht – siehe Irak) und die Strukturen entstehen, die die ausländische Präsenz überflüssig zu machen.

    Alles nachzulesen in der COIN-Vorschrift der Amis und natürlich gesunder Menschenverstand.

    Damit will ich nicht die Leistungen der Kameraden in dem Hinterhalt schmälern – schließlich hätte es noch schlimmer kommen können. Für mich ist der Verlust des Soldaten aber eine Niederlage und ein Sieg für den Feind.

    pi

  4. Benjamin sagt:

    Kann es eigentlich sein, dass nur in Kontinentaleuropa (speziell Deutschland), nicht aber in den USA und UK, eine post-heroische Gesellschaft besteht?

    Woran liegt das wohl? Meine Standard-Vermutung wäre: Seit dem 2. Weltkrieg tut man sich hier schwer mit “tapfer kämpfen”, “sich für eine gerechte Sache opfern” oder überhaupt mit der Vorstellung, man könne einen Krieg gewinnen.

    Auf der einen Seite hat das natürlich seine Vorzüge, weil es nicht zur Glorifizierung zweifelhafter Militäraktionen kommt. Andererseits geht offensichtlich aber eine deutliche Geringschätzung aller kriegerischen Auseinandersetzungen einher, unabhängig davon, ob sie nicht vielleicht ein sehr humanes Ergebnis haben könnten.
    Für die (auch potenziellen) Soldaten macht es das natürlich doppelt schwer: Das Leben riskieren, aber dafür keine gesellschaftliche Achtung erwarten zu können.

  5. Sven Ortmann sagt:

    Die “Opfer” Sprache stört mich schon lange – für mich sind tote deutsche Soldaten in Aghanistan nicht “Opfer”, sondern “Gefallene”.

    Wie kann man “Opfer” bei der modernen Bedeutung des Wortes sein, wenn man schwer bewaffnet und u.U. sogar in einem Panzerfahrzeug gestorben ist?

    Aber letztlich ist das Ganze eine Folge der falschen Politik. Wir haben eben nicht den V-Fall, andere Kriege sind verfassungsmäßig praktisch nicht vorgesehen und dementsprechend sind wir nicht im Krieg.
    Da muss das BMVg dann halt auch eine Polizeisprache nutzen und darf sich extrem glücklich schätzen, dass diese widersinnige Sprachregelung politisch günstigerweise von den Medien übernommen wurde.

    Den nötigen Rückhalt für ein Durchgreifen zwecks Erfolg hat die Truppe damit natürlich nicht, und so sind unsere Truppen da wie die meisten Europäer nur halbherzig und pro forma im Einsatz bis sich eine Regierung findet, die den Unsinn beendet.
    So baut man weder Reputation auf noch erreicht man die vorgeblichen Ziele. Die Politiker jedoch können so den Weg der geringsten Anstrengung, geringsten Willenskraftaufwendung und geringer Risiken gehen.

    P.S.: Wenn’s nach mir ginge hätten wir genau vier Mann in Afghanistan; zwei Militärbeobachter (HFw + Major bis Oberst) bei OEF-A und zwei (dito) bei ISAF – und die würden halbjährlich durch Neue ausgetauscht.

  6. SiPol-3 sagt:

    @xNWO:
    Sie scheinen nicht nahe genug am Geschehen zu sein, um solche Urteile fällen zu können.

  7. xNWO sagt:

    “zusätzliche Demütigung … tapfer gekämpft haben und sich gegenüber dem Feind als stärker erwiesen … so eine Anerkennung”

    Seltsam zurück gebliebene Sprache/ Denke. Gibt es sonst eigentlich nur noch in (schlechten) Arztfilmen.

  8. Brutus sagt:

    Wenn unsere Kräfte einen lokalen Erfolg (vulgo: “Sieg”) errungen haben, so freut mich dies. Dennoch bei feindlichen Kämpfern davon zu sprechen, sie seien “vernichtet” worden, halte ich für unglücklich.

  9. Kein Wunder, dass bei der Berichterstattung in den Mainstream-Medien die Akzeptanz der Bevölkerung für den Afghanistan-Einsatz immer mehr schwindet.

  10. califax sagt:

    Wie? Deutsche Soldaten TÖTEN Menschen?! Ausgerechnet DEUTSCHE SOldaten? Bei unserer Geschichte? Nein also da verbietet sich nun wirklich jedes Gerede vom Sieg. Es wäre ein Sieg gewesen, hätte man diesen Konflikt durch eine deeskalierende und vertrauenschaffende Dialogpolitik friedlich beigelegt.
    Aber einfach so auf Angreifer schießen? Als Deutscher?
    Nein, also das geht nun wirklich nicht.

    (P.S.: Fall jemand von der Truppe in Afghanistan mitliest: Danke, daß Ihr für uns den Kopf hinhaltet!)

  11. hah sagt:

    Die FAZ vom heutigen Tage spricht von Verlusten bei den Angreifern.
    Das scheint in der Tat eine neue Qualität der Berichterstattung zu sein. “Vermutlich habe auch die Seite der Angreifer „Verluste“ zu beklagen”

    Vielleicht ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer Berichterstattung, die Klartext redet. Die “Unsrigen” waren siegreich, den Angreifern sind Verluste zugefügt worden.

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  1. [...] “Ein Leser bei Thomas Wigold erwähnt, dass die Soldaten der Bundeswehr beim gestrigen Hinterhalt bei Kunduz sehr wahrscheinlich mehrere feindliche Kämpfer vernichteten. In den deutschen Medien findet dies bislang keine Erwähnung. Warum wird bei Meldungen über Vorfälle mit Bezug auf deutsche Soldaten immer der Opferaspekt in den Vordergrund gestellt und den beteiligten Soldaten damit eine zusätzliche Demütigung zugefügt? […] Wäre so eine Anerkennung für die Soldaten und ihre Angehörigen nicht wertvoller als jede routinemäßig geäußerte Trauer oder die übliche “tiefe Betroffenheit”?” Quelle [...]


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