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Pakistan: Greift die Dynamik des Scheiterns militanter Islamisten?

Pakistan: Greift die Dynamik des Scheiterns militanter Islamisten?

Militante Islamisten waren bislang weltweit nicht dabei erfolgreich, sich dauerhaft an der Macht zu behaupten oder diese mit militanten Mitteln zu erlangen. In Pakistan haben militante Islamisten möglicherweise den Punkt überschritten, an dem ihr Verhalten potentielle Unterstützer abschreckt und somit die Massenbasis zerstört, die sie für eine Machtergreifung benötigen würden.

Ein Interview mit Maulvi Nazir (ein Führer der pakistanischen Taliban) zeigt, dass diese ähnliche Schwächen zeigen wie andere gescheiterte militante Bewegungen vor ihnen. Erfolgreiche Aufstandsbewegungen erklären die Gesellschaft nicht zum Feind, wie Nazir es tut:

Maulvi Nazir said Pakistan is run by an infidel government equivalent to Christian and Jewish governments, corroborating his claim by quoting a verse from the Quran that forbids Muslims from allying themselves with Christians and Jews. In typical Salafi fashion, Maulvi Nazir considers democracy a defective and mundane system devised by Western infidels. “Any system resulting from counting the votes of Shiites, Christians and alcoholic electors is a blasphemous and defunct system.”

Militante Islamisten verlieren nach Machtgewinnen häufig an Unterstützung in ihren Zielgruppen, da die Umsetzung vor allem salafistischer und deobandistischer Vorstellungen mit großen Härten für die Bevölkerung verbunden ist:

  • Ayman al-Zawahiri stellte vier Jahre nach dem Sturz der Taliban fest, dass diese sich durch ihr extremes Handeln von der afghanischen Bevölkerung und international isoliert hätten.
  • In Algerien gelang es islamistischen Kräften nicht, das hohe Maß an Unterstützung durch die Bevölkerung nach ihrem Wahlsieg und dem anschließenden Militärputsch 1992 zu einem Machtgewinn zu nutzen. Die Art des Vorgehens der GIA gegen Staat und Bevölkerung Algeriens nach dem Militärputsch motivierte große Teile der Bevölkerung zu einer Abwendung von islamistischen Kräften.
  • Im Irak wendeten sich 2006 und 2007 nationalistische Teile der Aufstandsbewegung von militanten Islamisten der irakischen Al-Qaida ab. Sprecher der Aufständischen äußerten, Al-Qaida habe zahlreiche Geistliche, Kämpfer und Zivilisten getötet. Al-Qaida habe „tyrannisch“ geherrscht und Verstöße gegen islamisches Recht wie z.B. Rauchen durch Amputation von Fingern bestraft.
  • In Ägypten scheiterten militante Islamisten Mitte der 90er Jahre, nachdem sie den Staat durch Angriffe auf Ziele der wirtschaftlich bedeutenden Tourismusindustrie schwächen wollten. Die Angriffe trafen die Lebensgrundlage zahlreicher Ägypter und führten zur Abwendung der Sympathisanten und schließlich zur Niederlage der militanten Kräfte.

Die FAZ berichtete am Wochenende über Indikatoren für zunehmende Ablehnung der militanten Islamisten in der pakistanischen Bevölkerung, ebenso die “Washington Post”. Die Offensive gegen militante Islamisten werde verbreitet begrüßt.

Die strategische Kultur Pakistans setzt einer Massenablehnung der militanten Islamisten jedoch enorme Hindernisse entgegen: Obwohl vergangenes Jahr rund 1.400 Pakistanis bei Anschlägen militanter Islamisten sterben, militante Islamisten fast einen Krieg mit Indien provozierten, Anarchie über immer weitere Teile des Landes bringen und die Bevölkerung in den von ihnen kontrollierten Gebieten brutal einschüchtern, betrachten immer noch 84% der Bevölkerung laut einer neuen Umfrage die USA im Vergleich mit militanten Islamisten als größere Bedrohung.

Es bleibt daher abzuwarten, wie nachhaltig die neue Ablehnung der Islamisten ist. Möglicherweise wird die pakistanische Öffentlichkeit noch mehr Opfer erleiden müssen, bis der Lernprozess greift. Dauert der Lernprozess zu lange, könnte nach einem Erstarken der militanten Kräfte in Sindh und Punjab ein Bürgerkrieg die Folge sein.

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