Kategorie | Beiträge

Afghanistan: Neue Strategie von Bundesregierung und Bundeswehr

Afghanistan: Neue Strategie von Bundesregierung und Bundeswehr

Beim Spiegel ist erneut ein sehr lesenswerter Beitrag über die Lage im Norden Afghanistans und die Reaktion von Bundesregierung und Bundeswehr erschienen.

Wir haben nur eine englische Version des Texts gefunden (danke an “politisch inkorrekt” für den Hinweis):

  • Die Bundesregierung verfolge eine neue Strategie in Afghanistan: Druck auf die Regierung zum Vorgehen gegen Kollaborateure und korrupte Elemente sowie Verfolgung von Aufständischen unter Umgehung unzuverlässiger afghanischer Sicherheitskräfte.
  • Der Leiter des afghanischen Nachrichtendienstes NDS in Kunduz, General Abdulmajid Azimi, erklärt, dass im Raum Kunduz die Tötung oder Gefangennahme von einer Gruppe von zehn Führern der Aufständischen die Aufstandsbewegung dort entscheidend schwächen würde.
  • Die Bundeswehr darf entsprechende Operationen nicht durchführen, sondern nur afghanische Sicherheitskräfte bei solchen Operationen unterstützen. Korrupte Elemente in den Sicherheitskräften warnen die Ziele solcher Operationen jedoch häufig, oder festgenommene Aufständische werden nach Einflußnahme korrupter Elemente in afghanischer Regierung und Verwaltung nach erfolgter Festnahme häufig wieder freigelassen. Der Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammed Omar,  kollaboriere beispielsweise mit den Aufständischen. Teile der Polizei würden mit den Taliban sympathisieren.
  • Im Fall der Festnahme Abdul Razeqs in Badakhshan habe das KSK diesen nicht lokalen Sicherheitskräften übergeben, sondern ihn direkt an den NDS überstellt.
  • Der Führer der Aufständischen in der Provinz Kunduz, das JPEL-Ziel Mullah Salam, sei nach Kandahar ausgewichen. Er werde von Mullah Shamsullah vertreten. Im Interview mit dem “Spiegel” äußerte Shamsullah Furcht vor Gefangennahme oder Tötung. Die Aufständischen im Raum Kunduz würden unter starkem Druck ihrer Anführer der Quetta-Shura stehen, ihre Aktivitäten zu eskalieren.

Wir hoffen, solche kompetent recherchierten und objektiven Beiträge in Zukunft häufiger lesen zu dürfen.

Die beschriebene Strategie wird zunächst vermutlich nur bedingt erfolgreich sein. Ähnliche Ansätze, die unter größerem Ressourceneinsatz und weniger politischen Auflagen von Verbündeten in anderen Landesteilen durchgeführt wurden, zeigten nur punktuell und temporär Wirkung. Eine nachhaltige Schwächung der Aufstandsbewegung würde eine umfassende Counterinsurgency-Strategie mit Präsenz in der Bevölkerung an den Schwerpunkten der Aufständischen voraussetzen. Tötung und Gefangennahme von Anführern der Aufständischen ist in der Regel nur erfolgreich, wo sie zur Unterstützung einer solcher Strategie eingesetzt wird. Das beschriebene Vorgehen von Bundesregierung und Bundeswehr ist aber immerhin ein Anfang und mündet am Ende vielleicht in einer sinnvollen Strategie.

One Response to “Afghanistan: Neue Strategie von Bundesregierung und Bundeswehr”

  1. Die Bevölkerung wird nicht gewonnen. Die amerikanische Besatzungsmentalität verhindert Fortschritte. Die Taliban beeinflussen die Bevölkerung, dass es nur einen Feind gibt. Da helfen die deutschen Sozialpädagogen leider auch nicht. Es gibt nur eins. KSK da lassen und reguläre Truppen abziehen. Die sind nur ein Ziel, mehr nicht.

Trackbacks/Pingbacks


Leave a Reply