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International Crisis Group: "Bedeutende Zugeständnisse"

Die Berichte der “International Crisis Group” (ICG) sind stets eine lesenswerte Lektüre, wenn man an fundierten Analysen und einer kompetenten Aufbereitung der Lage interessiert ist. Nur sehr selten finden sich qualitativ mangelhafte Produkte, z.B. eine offenbar unter wesentlicher Mitwirkung von Werner Schiffauer entstandene Studie über Islamismus in Deutschland.

Die politischen Empfehlungen der ICG wirken jedoch stets ähnlich und laufen auf das heraus, was aktuell für Somalia empfohlen wird:

Die internationale Gemeinschaft muss die Friedensgespräche neu antreiben und den Militanten die Hand reichen. Bedeutende Zugeständnisse sind nötig, um sie zu überzeugen.

Meist sollen Probleme durch “bedeutende Zugeständnisse” der eigenen Seite und irgendwelche Gespräche gelöst werden. Gerade im Fall Somalias muß man sich aber doch fragen: Warum? Das Ergebnis wäre ein von talibanähnlichen Islamisten mit Verbindungen zum Netzwerk der Al-Qaida beherrschter Staat, an dem niemand ein Interesse haben kann.

Mit etwas Kreativität lassen sich durchaus Alternativen zu “bedeutenden Zugeständnissen” finden. Ob die Shabaab z.B. Hungerrevolten nach Einstellung jeglicher humanitäter Hilfe in von ihnen kontrollierten Gebieten überleben würden? Und vielleicht finden sich ja pragmatische Führer in den unteren Rängen, die nach “kinetic targeting” zum Zuge kommen könnten? Gibt es ethnische Spannungen, die man zur Schwächung der Shabaab und nachhaltigen Destabilisierung der Lage im Fall einer Machtergreifung nutzen kann? Wie können die Fähigkeiten der Shabaab so reduziert werden, dass die Kräfteverhältnisse sie zu Konzessionen zwingen? Die ICG diskutiert solche Fragen leider grundsätzlich nicht und schafft damit den Eindruck, als gäbe es keine Alternativen zu “bedeutenden Zugeständnissen”. Wer Politik jedoch darauf reduziert, in Konflikten stets nett zu allen Beteiligten sein zu wollen, der hat tatsächlich keine Alternative.

2 Responses to “International Crisis Group: "Bedeutende Zugeständnisse"”

  1. kürassier sagt:

    Nein, in Somalia gibt es keine ethnischen Spannungen. Somalia ist ethnisch betrachtet homogen und galt vor dem Zerfall sogar als einzig wahrer national Staat in Afrika. Seit dem Zerfall haben aber die Clans an erheblicher Bedeutung gewonnen, als Alternative zu staatlichen Strukturen. Hier gibt es sehr wohl rivalisierende Interessen zwischen den großen Clans. Kommt es aber zum Schwur, sprich zu einer Einmischung von Außen, sind sich alle schnell einig in ihrem Nationalstolz. Schwierig also.

  2. Peter sagt:

    In Deutschland herrscht einfach eine Runder-Tisch Mentalität. Das Ziel ist schon vor Verhandlungsbeginn ein Kompromiss. Vermutlich hat seit Adenauer kein deutscher Politiker mehr genau seinen Willen durchgesetzt. Allerdings sind die heutigen politischen Strategen auch noch so dumm das öffentlich auch noch zu sagen.

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