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Friedensforschung: Studie zur Inneren Führung

Die “Innere Führung” entspricht dem, was in der zivilen Wirtschaft eine Unternehmensphilosophie wäre. Die “Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung” (HSFK) hat eine Studie aktuellen Herausforderungen für die Innere Führung gewidmet, die einige interessante Gedanken enthält.

Wir hätten uns ein stärkeres Eingehen auf Kritik an dieser Philosophie gewünscht. Unserer Ansicht nach ist diese Philosophie in ihrem Kern eine Reaktion auf Probleme von Reichswehr und Wehrmacht in den 20er, 30er und 40er Jahren. Mit der zu erwartenden Aussetzung der Wehrpflicht und den Herausforderungen der Einsätze sind große Teile der Inneren Führung endgültig nicht mehr zeitgemäß. Andere Aspekte der Inneren Führung sind hingegen selbstverständlich geworden.

Die Studie geht auch nicht auf dringend zu beantwortende Fragen des soldatischen Selbstverständnisses ein. Der Bundeswehr fehlt eine Kultur, wie sie in den Streitkräften Frankreichs, Großbritanniens oder der USA vorhanden ist. Eine solche Kultur hilft Soldaten existenzielle Fragen zu beantworten und stellt eine wichtige immaterielle Motivation zum Dienst auch unter schwierigsten Bedingungen dar.

Materielle Anreize oder abstrakter Verfassungspatriotismus sind als Motivatoren nicht sehr relevant, wo Gefahr für das eigene Leben die Norm ist. Die Empfänger des Ehrenkreuzes für Tapferkeit bekamen weder mehr Sold für ihre Leistungen, noch dachten sie im Moment ihres herausragenden Einsatzes an die FDGO. Die Fallschirmjägertruppe hat sich selbst eine Kultur geschaffen, die manchmal im Konflikt zur Inneren Führung stehen mag, ihre Soldaten aber zu solchen besonderen Leistungen motivieren kann.

Sehr negativ bewerten die Forderung der Studie,

die Vereinbarkeit von Dienst und Familie durch einen zurückhaltenden Streitkräfteeinsatz im Ausland […] zu verbessern [...].

Der Einsatz von Streitkräften (bzw. Krieg) sollte nicht primär von der Vereinbarkeit von Dienst und Familie abhängig gemacht werden, sondern höheren Kriterien folgen.

Ansonsten werden interessante Fragen auf konstruktive Art und Weise angesprochen.

9 Responses to “Friedensforschung: Studie zur Inneren Führung”

  1. Eldorado sagt:

    Zu 1. wüsste ich gern mal die Begründung des Vorredners…

    zu 2. sei eingeräumt, dass es – wenn es denn unmittelbar um den
    Kampf geht – die Motivation wohl tatsächlich woanders zu verorten
    ist. Die aufgeworfene Frage, warum jemand in den Dienst eintritt
    führt dann aber wieder genau hin zu übergeordneteren Motiven (es
    sei denn, man attestiert allen Dienenden Söldnertum, was wiederum
    in Anbetracht des Soldes fraglich und insbesondere hinsichtlich
    der Wehrdienstleistenden beleidigend wäre).

    zu 3. sei angemerkt,
    - dass eine grundsätzliche Billigung wohl kaum als “Abschmettern”
    zu bezeichnen ist (auch wenn es sich so manche wünschen) und
    - dass die Präambel des GG explizit den Europabezug anführt

    zu 6. sei angenmerkt,
    - dass die InFü, wie der Vorredner andeutet,diesen Aspekt wenn wohl
    eher integriert, grundsätzlich aber andere Belange behandelt.

    • Eldorado sagt:

      Meine letzter Kommentar bezieht sich auf den Vorvorherigen.
      Ansonsten stimme ich prinzipiell dem vorherigen Post Georgs zu.

  2. Georg sagt:

    Einige Punkte von “Ungenannt” möchte ich doch deutlich anders beanworten als “GB”

    1. Die innere Führung regelt die Einbindung des Soldaten in die zivile Gesellschaft. Da der Wehrpflichtige der geborene Verteidiger seines Vaterlandes ist, kann er aus guten Grunde für manche Auslandseinsätze nicht mehr herangeszogen werden. Folgedessen möchten manche einige Standards der inneren Führung, also der Einbindung des Soldaten in die zivile Gesellschaft beschränken Stichworte sind, Einschränkung kommunales Ehrenamt, Einschränkung Mitbestimmung, Personalrat an Schulen und Ämtern (sind organisiert wie zivile Bundes(ober-)behörden usw.

    2. Die “immaterielle Motivation” von deutschen Soldaten kann nur die uneingeschränkte Anerkennung ihrer Leistungen und erbrachten Opfer durch die Bevölkerung sein (wie in USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien usw. üblich).

    3. siehe “GB”, es gibt keine langfristige europäische Perspektive, Armeen werden immer national bleiben – kein Soldat stirbt für Europa !

    4. Existenzielle Fragen werden im Lebenskundlichen Unterricht (LKU) mit den Standortpfarrern behandelt. Innere Führung regelt den Rechtsstatus und das Selbstverständnis des Soldaten. Es gibt auch ein Menschenbild für Vorgesetzte und Untergebene vor und regelt in welcher Geisteshaltung man sich gegenseitig begegnet und behandelt. Dabei steht der Mensch im Soldaten im Vordergrund und nicht die Funktion oder die Stellung in der Hierarchie.

    5.6. Tapferes Handeln gehört zum soldatischen Selbstverständnis. Es begründet sich nicht aus der Konzeption der Inneren Führung (dann hätten es andere demokratische Armeen, wie US-Army, usw. nicht), sondern gehört zum Wesenselement jeder Armee. Es ist natürlich im Eid und in der Gelöbnisformel enthalten und ist in der Grundpflicht des Soldaten zum “treuen Dienen” enthalten.

    Das Selbstverständnis der Fallschirmjäger unterscheidet sich nicht vom Konzept der inneren Führung. Auch sie fühlen sich als Bürger dieses Staates mit allen Rechten und Pflichten. Vielleicht legen sie nicht soviel Wert auf die Mitbestimmung durch einen Personalrat bei den Entscheidungen, aber auf die Institution der Vertrauensperson möchten sie sicherlich auch nicht verzichten. Allerdings können sich die meisten Fallschirmjäger wahrscheinlich nicht vorstellen, dass sie Teilzeit arbeiten um damit ihre Kinder zu hause erziehen und versorgen zu können. Gewisse Dienstposten gibt es nur ganz oder gar nicht. Das mag für einen weiblichen Santiätsfeldwebel, die an einem Bundeswehrkrankenhaus ihren Dienst versieht und Kinder hat, anders ausschauen. Dies ist jedoch kein Bruch in dem Konzept der Inneren Führung.

    Das Grundsätzliche Problem von jedem Soldaten, der in den Einsatz geht ist jedoch die Anerkennung durch Staat und Gesellschaft. Hier liegt bei uns Einiges im argen ! Jüngstes Beispiel ist die Meldung über die Verweigerung von Lebens- und Unfallversicherung für Angehörige verwundeter und gefallenener Kameraden !
    Siehe:
    http://www.focus.de/politik/deutschland/bundeswehr-aerger-um-versicherungsschutz-fuer-soldaten_aid_415671.html

  3. GD sagt:

    Das Problem mit der Inneren Führung liegt darin, dass sie nicht mehr als eine leere Worthülse ist. Überall wird sie den Soldaten als absolut genial Errungenschaft gepriesen, die sich andere Armeen zum Vorbild nehmen. Welche bedeutenden Armeen das sein sollen, wird aber nie gesagt. Stattdessen werden dann so Länder wie Lettland o. ä. genannt.
    Desweiteren ist sie eine Theorie, die eigentlich der Geist der Armee sein soll. Wenn man sich aber mal die Mühe macht nachzufragen, inwieweit dieser Geist verbreitet ist, stellt man fest das 70% der Offiziere weder den wesentlichen Inhalt noch ihren eigentlichen Sinn richtig wiedergeben können. Die Prozentzahlen zu Unteroffizieren und Mannschaften erspare ich mir hier zu nennen.
    Eigentlich stellt sich bei einem nicht vorhandenen Geist die Frage nach dem Aussehen dessen nicht mehr. Trotzdem will ich anmerken, dass die Innere Führung dem Soldaten weder Hilfestellung für den täglichen Dienst, noch Halt im Sinne der Wertevermittlung bieten kann. Vielmehr wird sie im Sinne des vorherschenden Zeitgeistes dazu benutzt Werte aus der Kuschelpädagogik in die Armee zu transferieren. Problem ist nur, das gerade diese Auslegung der Einsatz- oder Kriegsrealität total widerspricht. Folglich ist sie in der Friedenausbildung an den Heimatstandorten eine Belastung.
    Zusammengefaßt: Das Beste wäre es den Begriff Innere Führung komplett zu streichen. Da dieser Begriff aber ein Politikum ist, das zum Erfolg verdammt ist, kann man nur hoffen, dass sich der Zeitgeist und damit eine Umdeutung des Inhalt einhergeht.

    • Georg sagt:

      Nun will ich mal die neu geschaffene Möglichkeit der direkten Antwort auf einem Beitrag nutzen und mich auf die Verschachtelung der Beiträge einlassen.

      Die “leere Worthülse” Innere Führung, die sie oftmals zurecht anmahnen, liegt daran begründet, dass die Innere Führung von Vorgesetzten und Untergebenen oftmals zu wenig “gelebt” wird. Es ist richtig, sie ist der “Geist” der Armee und den muss man persönlich durch Vorleben und Vorbild erfahren und in diesem Sinne an die nächste Generation, oftmals die eigenen Untergebenen weitergeben.

      Natürlich gibt die Innere Führung dem Soldaten Halt und Hilfestellung im täglichen Dienst. Man muss die Werte des Grundgesetze vorleben und da tuen sich manche Vorgesetzte so unendlich schwer. Wenn das Menschenbild des Grundgesetzes der freie, erwachsene, mündige Bürger, der “Aner” ist, dann muss der Umgang mit den Soldaten diesem Bild entsprechen. Wenn es heißt handeln aus Einsicht, dann muss der Vorgesetzte überzeugen und nicht nur Führen durch Befehl und Gehorsam. Dies ist anstrengend und fordernd, auch für manchen General, aber noch fordernder für die Politik. Parteitaktische Folgebereitschaft zählt in der Bw nicht. Pseudowissenschaftliche Managementerkenntnisse wie Lean Management, Outsourcen von Unterstützungsleistungen, Wertschöpfungsketten usw. überzeugen Soldaten nicht, sondern bringen nur Geld in die Kassen von bundeswehrnahen Beraterfirmen und einige Versorgungsdienstposten für ausgediente Politiker.

      Nicht der Begriff “Innere Führung” muss gestrichen werden, sondern die Geisteshaltung, die den “Geist” der Armee zu einem willfährigen und unkritischen Instrument der Exekutive umfunktionieren will !

      Dabei war der Begriff der “Inneren Führung” bei seiner Einführung durch Graf Baudissin ebenfalls umstritten wie heute. Die “Innere Führung” bedeutet ein ständiges Ringen um den Geist und das Selbstverständnis der Bundeswehr und der darin dienenden Soldaten. Deshalb gab es zu allerzeit Veröffentlichungen zu diesem Thema.

      Die “Gemeinschaft Katholischer Soldaten” hat bereits 2001, also vor ISAF, vor der letzten Umstrukturierung der Bw, vor der generellen Öffnung aller Laufbahnen für Frauen, auf die sich abzeichnenden Probleme hingewiesen. Interessant ist nach 8 Jahren Abstand, die Erklärung “Innere Führung heute und morgen – Herausforderungen und Chancen” nochmals zu lesen und zu vergleichen wie sich manche Probleme in den Vordergrund geschoben haben (z.B. Beratungresistenz von manchen Vorgesetzten, Entwicklung PTBS usw.). Vielleicht hilft diese Erklärung (sie ist nur 4 Seiten lang) die Innere Führung für den Leser besser zu verstehen.

      http://www.kath-soldaten.de/html/innere_fuhrung__.html

  4. GB sagt:

    @Ungennant:

    1. “Staatsbürger in Uniform” ( welche Uniform, Müllabfuhr? )vs,. “Soldat sui generis” ( Der natürlich auch Staatsbürger ist, was sonst! )

    2. “demokratischer Wertekanon”? dafür sterben und töten genauso wenig wie für den “faschistischen Wertekanon”! Ein Soldat KÄMPFT für den Kameraden neben ihm, seinen direkten Vorgesetzten und seine Untergebenen. Die Frage ist warum MELDET er sich zum Dienst und von wem möchten wir das er sich meldet. ( Stichwort weniger Auslandsdienst inkl. Bier, Studium mit Bezügen, Zivile Aus- und Weiterbildung. Ach so ein bissel marschieren müsst ihr noch, aber nur noch 20km. )

    3. “Europäische Perspektive”? Gerade vom BVerfG abgeschmettert, mit dem Grundgesetz unvereinbar.

    4. “Existentielle Fragen”? :-) Haben Sie das Pamphlet schon mal gelesen? Eben weil es so ein Kauderwelsch ist kann dem “normalen Soldaten” ( = nicht Mitglied im AKDS/Zentrum InFü ) dieses Konzept nicht nähergebracht werden. Es windet sich vor einer klaren Definition und kann deshalb zur Begründung von so gut wie jeder Maßnahme herangezogen werden. ( Kein Sport für den Soldaten bei schlechter Leistung )

    5. siehe 1.

    6. Nein, wenn überhaupt propagiert die InFü etwas, was es schon immer gegeben hat, sie begründet es nicht ( wie z.B. Tradition/Gemeinschaft ).

  5. Ich finde auch, dass die Telearbeit ausgebaut werden sollte und halte deshalb die Anschaffung moderner Drohnen für absolut zielführend ;-)

  6. Ungenannt sagt:

    Die Diskussion um die Innere Führung einschließlich kritischer Reflexion ist notwendig und ein Aspekt, der Teil der Anlage der Konzeption ist.
    Häufig reduziert sich die Debatte jedoch auf Aussagen, die über die Oberflächlichkeit von Appellen (“InFü ist überholt/ muss geändert werden; InFü muss erhalten bleiben!”) nicht hinaus.
    Wenn ich o.g. Beitrag lese, stelle ich mir daher einige Fragen:
    1. Welche Teile der InFü sind angesichts des Aussetzens der Wehrpflicht und der Einsätze nicht mehr zeitgemäß? Was sind Alternativen?
    2. Was sollte die immaterielle Motivation für deutsche Soldaten sein, die über den demokratischen Wertekanon hinaus geht? 3. Wie verträgt sich ein ausschließlich national/ patriotisch ausgerichtetes Berufsverständnis mit der langfristig europäischen Perspektive?
    4. Ist InFü nicht darauf ausgelegt, existentielle Fragen zu beantworten? 5. Worin unterscheidet sich das Selbstverständnis der Fallschirmjäger kategorisch von der InFü? 6. Ist tapferes Handelns aus kameradschaftlichen Gründen heraus nicht auch ein Teil von InFü?
    Der Fragenkatalog lässt sich fortsetzen, spannend werden die Antworten!

  7. Der Klaus sagt:

    Wie jegliche Tradition und somit Kultur in der Truppe mit Füssen getreten wird sieht man schon am Voodoohaften abändern von Kasernennamen und Batallionswappen. Als ob damit Adolf nachträglich verhindert werden könnte schnüffeln die Truppengutmenschen Wolfsangeln, Mölders, Palmen, oder auch dem Windhund Sascha hinterher. Das meiste davon war seit Jahrzehnten bestandteil von Wappen oder Kasernennamen bis den Gutmenschen in der Politik ein Furz querstand. Da kann man einfach nicht erwarten das da irgendeine Form der Identifizierung stattfindet wenn ein vorüber gehender Zeitgeist alles wieder ausradieren könnte und wahrscheinlich auch wird.

    Zusätzlich wird in Deutschland ja alles Soldatische und typische Soldatische Tugenden ja kriminalisiert und verteufelt. Ich wurde damals (mitte 90er) selbst als im Wald rumlaufender Mörder bezeichnet mit den Worten “Na, wie ist es den so als potenzieller Mörder im Wald rumzulaufen.” Naja, wie das eben so ist. Das sich junge Soldaten mit diesem Land identifizieren wird Ihnen immer schwerer gemacht, je tiefer der Zeitgeist in das denken einsickert. Ich persöhnlich empfinde es für Soldaten, und überhaupt jeden denkenden Menschen, als entwürdigend, ständig hinter der politischen korrektheit hinterherzuhecheln.

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