Die Entscheidung des Nobelpreiskomittees zur Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama prämiert Substanzlosigkeit und ignoriert sicherheitspolitische Realitäten. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen, die Obama zu bewältigen hat, sind keine Folge mangelnder freundlicher Worte, sondern Resultat realer Interessengegensätze.
Obamas Rhetorik mag bei Intellektuellen in Oslo gut ankommen, ist aber von den Herausforderern der USA als Zeichen von Schwäche verstanden worden und hat sowohl die iranische als auch die nordkoreanische Führung weniger konzessionsbereit gemacht. Die Konzessionen gegenüber Russland haben auf russischer Seite nicht das von manchen erhoffte Entgegenkommen bewirkt, und die syrische Führung hat die Schwäche Obamas genutzt, um ihre Unterstützung für Aufständische im Irak auszuweiten. Auch andere Herausforderer der USA von Chavez bis Ghaddafi nehmen die Schwäche Osamas als Chance wahr.
Im Fall Afghanistans hat die ständige Beschwörung von Verhandlungen mit “moderaten Taliban” bei gleichzeitiger Inkonsistenz in strategischen Fragen lokale Verbündete verunsichert und die Aufständischen moralisch gestärkt. Die angestrebte Einbindung konzessionsbereiter Aufständischer wird dadurch zusätzlich erschwert.
Man könnte die Liste mit Beispiel fortsetzen, in denen Obamas Politik kontraproduktiv war. Die richtigen Entscheidungen Obamas, etwa stärkerer Druck auf die pakistanische Regierung und die Ausweitung der Bekämpfung von Zielen im Nordwesten Pakistans, erwähnt das Nobelpreiskomittee ausgerechnet nicht. Es macht mit seiner Entscheidung deutlich, in welchem Ausmaß es weltfremdem Wunschdenken verhaftet ist.