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Afghanistan: Politisches Chaos vor der Stichwahl

Es ist völlig unklar, wie es nach dem Rückzieher Abdullahs weitergehen kann. Die große Mehrheit der Afghanen äußert vor allem ein Bedürfnis nach Sicherheit. Demokratie ist durch ihr Unvermögen, Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten, in den Augen vieler Afghanen gründlich diskreditiert worden. Das Vertrauen der Bevölkerung in den afghanischen Staat, welches für einen Erfolg des Einsatzes von zentraler Bedeutung ist, dürfte einen absoluten Tiefpunkt erreicht haben.

Zu den potentiellen Folgen der aktuellen Situation hatten wir uns bereits geäußert. Der durch die Wahlen entstandene Schaden wäre auch dann enorm, wenn doch noch eine Koalitionsregierung gebildet werden sollte. Amerikanische Bekundungen, dass man die Legitimität des Systems nicht gefährdet sehe und auch die bevorstehende Entscheidung über strategische Fragen nicht betroffen sei, sind nicht glaubwürdig. Es könnte sein, dass das die gescheiterten Wahlen das Ende des seit 2001 verfolgten Ansatzes der Unterstützung einer Zentralregierung markieren. Entsprechende Überlegungen werden auf amerikanischer Seite diskutiert.

Ein Kommentar zu “Afghanistan: Politisches Chaos vor der Stichwahl”

  1. Crass Spektakel sagt:

    Ich sehe das ähnlich, Karsais Verhalten macht ihn beinahe untragbar als Ansprechpartner. Wenn es jemals eine konkrete Gefahr für die Gesamtmission gab, hier ist sie.

    Im Spiegel wurden einige interessante Punkte angesprochen, z.B. daß es keine Parteien sondern nur Personen in der afghanischen Politik gibt, daß zu lange an Karsai festgehalten wurde, daß Afghanistan falscherweise als Zentralstaat ausgerichtet wurde wo eine föderalistische Ordnung besser gepaßt hätte usw.

    Was kann man schon machen?

    Augen zu und durch, d.h. aus Karsai einen benevolenten Diktator machen und zu ihm stehen?

    Ihn ignorieren und dadurch seine Position schwächen – immerhin ist er ja “nur der Bürgermeister von Kabul” – und mehr lokale Entscheidungsträger direkt kontaktieren?

    Ihn komplett fallen lassen und darauf hoffen daß die Taliban ihn beseitigen wenn er den Schutz verliert?

    Egal wie oft man in der Klärgrube rührt, es stinkt immer.

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