In Helmand eingesetzte amerikanische Marines haben praktische Lehren aus ihrem Einsatz in einer höchst eindrucksvollen Präsentation zusammengefasst (“COIN in Helmand Province, After the Clear – Thoughts and Tips on Non Kinetic Actions”). Die Präsentation bildet die Bedingungen des Kampfes in Afghanistan ab und formuliert anhand graphischer Beispiele Schlußfolgerungen für das eigene Handeln, die auf ganz Afghanistan übertragbar sind.
Eine interessante Präsentation zur Ausbildung der ANA für COIN wurde ebenfalls veröffentlicht.
Für die Bundeswehr ist die Präsentation nur von begrenzter unmittelbarer Relevanz, weil sie in Afghanistan nicht Counterinsurgency im Sinne von dauerhafter Präsenz in der Bevölkerung betreibt. Dennoch wird das Thema auch in Deutschland verfolgt, und für diejenigen deutschen Kräfte, welche in der Bevölkerung präsent sind oder eng mit afghanischen Sicherheitskräften zusammenarbeiten, ist eine direkte Relevanz gegeben.



Lieber Betreiber des Weblogs Sicherheitspolitik,
warum liest man in diesem Weblog eigentlich immer nur von Afghanistan und Pakistan? Wird es nicht langsam Zeit, sich auch mal mit anderen Hotspots der Welt zu beschäftigen? Warum befassen Sie sich nicht einmal mit dem schwelenden Konflikt zwischen Schweden und Dänemark, von dem eingeweihte Experten erwarten, dass er zu einem Flächenbrand zu werden droht. Dänische Sicherheitsexperten haben nämlich herausgefunden, dass die schönen Gegenstände bei IKEA immere schwedische Namen, die häßlichen aber mit dänischen. Hier ist viel Konfliktpotential für die Welt zu erwarten.
Ihr Karteikartenfetischist
@politisch inkorrekt:
Natürlich ist COIN ein Thema ein Thema in der Bundeswehr, und ich wollte keinesfalls die laufenden Anstrengungen schmälern.
Ich bezog mich auf den konkreten Einsatz in Afghanistan, und dort betreibt die Bundeswehr definitiv nicht Counterinsurgency im Sinne von Präsenz in der Bevölkerung. Das würde “bevölkerungszentriert” doch bedeuten. Die Masse der Soldaten konzentriert sich auf die wenigen Lager und verlässt diese auch nicht. “Combat Outposts” oder ähnliche dauerhafte Präsenz in der Bevölkerung und in der Fläche gab es nur in Ausnahmefällen und nicht dann auch nicht dauerhaft. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, aber was derzeit stattfindet, ist nicht COIN im Sinne der Definition des Konzepts.
Was die verlinkte Präsentation zeigt, beruht auf tatsächlicher Umsetzung dieses Konzepts: Eigene Soldaten leben mit afghanischen Sicherheitskräften in der Bevölkerung und bauen langfristig Vertrauen auf und verweigern den Aufständischen Zugriff auf die Bevölkerung und Bewegungsfreiheit. Das würde mit der Bundeswehr schon deshalb nicht gehen, weil die Masse der Soldaten nicht länger als vier Monate im Einsatz ist, viel zu wenig, um sich mit einem Raum und der Bevölkerung vertraut zu machen.
“Für die Bundeswehr ist die Präsentation nur von begrenzter unmittelbarer Relevanz, weil sie den Counterinsurgency (”Kampf gegen irreguläre Kräfte”) auf Weisung der Politik nicht betreiben darf.”
Mit Verlaub, das ist alles falsch.
Zum einen hat die Bundeswehr mit der LLBrig 31 einen Großverband der speziell “Operationen gegen irreguläre Kräfte” (OpiK) ausbildet und zum anderen läuft gerade die Mitzeichnungsrunde für eine Vorschrift “Aufstandsbekämpfung”.
COIN ist nicht “Kampf gegen irreguläre Kräfte” sondern “Aufstandsbekämpfung” und sieht einen umfassenderen Ansatz als die bloße Vernichtung des Feindes vor.
Laut Mandat darf die Bundeswehr zwar keine Terroristen jagen (das war OEF), jedoch ist COIN sowieso bevölkerungszentriert und da sind wir trotz zu starker Zurückhaltung doch ganz ordentlich dabei.
pi
Deutschland und COIN.. Der kluge Bundeswehrverband lehnt jetzt eine Truppenaufstockung ab. Völlig zurecht. Nur weil der Kommandeur vor Ort zu dem Schluss kommt, dass mit dem jetzigen Kräfteansatz nichts zu gewinnen ist, muss man darauf noch laaange nicht reagieren. (Ja, das ist Sarkasmus).
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,659124,00.html
“verlässt ein Großteil der deutschen Soldaten die Lager im Norden Afghanistans nicht.”
Den Satz muss man sich schon fast einrahmen. In der Praxis verlassen grob 10% der Soldaten überhaupt die Lager vor ihrer Rückreise. Gerade deshalb ist ja die reine Kopfzählerei auch so irreführend. Wir müssen aber auch so ehrlich sein, dass nach Jahren fleißigen Abrüstens eben auch nicht mehr Kämpfer zur Verfügung stehen.
Ich habe es mir nochmal durchgelesen und den Text ein wenig geändert.
@Karteikartenfetischist
Anregungen des Referats FA 33 sind uns stets besonders willkommen. Wir prüfen Ihre Anregung gewissenhaft und hoffen, unseren persönlichen Schwerpunkt wie besprochen demnächst auf eine andere Region dieser Welt legen zu können.