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US/ANSF-Operation in Kunduz: “Amerikaner schrecken vor gezielten Tötungen nicht zurück”

Matthias Gebauer ist es positiv anzurechnen, dass er bei “Spiegel Online” über das Vorgehen amerikanischer Spezialkräfte und afghanischer Sicherheitskräfte in der Provinz Kunduz (u.a. in Chahar Darreh) berichtet, die in den letzten Tagen Dutzende Aufständische getötet haben. Darunter war auch Qari Bashir, ein wichtiger Bandenführer der Taliban.

Was Gebauer positives leitet, kompensiert er leider durch seine fragwürdigen Bewertungen (nach jedem noch so mangelhaft ausgeführten Anschlag in Kabul erweckt z.B. er den Eindruck, die Stadt würde überrannt) und wenig sachkundige Äußerungen. So schreibt er diesmal:

Im Gegensatz zu den Deutschen schrecken die Amerikaner dabei vor gezielten Tötungen von Verdächtigen nicht zurück und gehen rigoros bei ihren Einsätzen vor.

Der Begriff der “gezielten Tötung” erzeugt bei Laien (zu denen man offenbar auch Gebauer rechnen muß) häufig intuitive Ablehnung, weil er Tatsachen klar zum Ausdruck bringt, die manche lieber verdrängen möchten. Es ist ja nicht so, dass bei konventionellem militärischen Vorgehen keine Menschen getötet werden, aber die Erinnerung daran, dass im Krieg der Tod des Gegners bewusst in Kauf genommen wird, ist manchen dann doch zu deutlich. In Gebauers Fall führen solche Gefühle leider immer wieder dazu, dass er unprofessionell berichtet und den Eindruck erweckt, als sei das Vorgehen irgendwie illegitim. Warum sollte man sonst davor “zurückschrecken”?

Das Vorgehen gegen militärische Ziele im Rahmen gezielter Tötungen ist rechtlich und auch ansonsten jedoch völlig unproblematisch. Das gezielt gegen militärische Ziele vorgegangen wird, sollte selbstverständlich sein. Dass Einzelpersonen militärische Ziele sind, ergibt sich aus der Kriegführung des Gegners. Auch von Medien wie “Spiegel Online” sollten acht Jahre nach Beginn des Einsatzes mit dieser Form der Kriegführung vertraut sein.

Militärisches Vorgehen soll von der Politik definierte Ziele erreichen und dazu bestimmte Wirkung erzielen. Üblicherweise besteht diese Wirkung darin, die Fähigkeiten eines Gegners so zu reduzieren, dass dieser den Kampf nicht mehr oder nur unter für ihn nicht mehr tragbarem Aufwand fortsetzen kann . In konventionellen Szenaren geschieht das durch gezielte Bekämpfung von Hauptquartieren, Brücken und anderen physischen Objekten, an denen der Gegner verwundbar ist.

In irregulären Szenaren, in denen man netzwerkartig strukturierte Gegnern gegenübersteht, sind diese Verwundbarkeiten meist nicht physische Obkekte, sondern Knotenpunkte in Netzwerken, d.h. Einzelpersonen. Abnormal ist nicht die Bekämpfung solcher Ziele, wie Gebauer impliziert, sondern eher die Tatsache, dass die Bundeswehr dies nicht tut. Der unsachgemäßen Interpretation des Völkerrechts durch die Bundesregierung nach handelt es sich nämlich nicht um militärische Ziele, sondern um zivile Straftäter, gegen die nur in Selbstverteidigung (mittlerweile im erweiterten Sinne) Gewalt eingesetzt werden darf. Den Bedingungen vor Ort entspricht diese Interpretation natürlich in keinster Weise. Streng genommen müssten nach dieser Sicht z.B. alle beim Tanklaster-Vorfall getöteten Aufständischen als zivile Opfer deklariert werden.

Es ist diese Sicht und die daraus folgende Passivität, die wir für absurd halten und vor der man im Gebauerschen Sinne zurückschrecken sollte, weil sie dazu geführt hat, dass die Situation in der Provinz Kunduz zunehmend außer Kontrolle geriet. Die Ansicht, dass bewaffnet kämpfende Aufständische militärische Ziele sind und entsprechend zu bekämpfen sind, halten wir hingegen für vernünftig, angemessen und absolut unterstützenswert. Wir würden uns wünschen, dass die Bundeswehr selbst diese Aufgabe durchführen dürfte anstatt sich darauf verlassen zu müssen, dass andere dies tun.

10 Kommentare zu “US/ANSF-Operation in Kunduz: “Amerikaner schrecken vor gezielten Tötungen nicht zurück””

  1. Weblog Sicherheitpolitik sagt:

    @b
    Die von Ihnen angeführten Beispiele zeigen doch, dass das Problem antiwestlicher Einstellungen struktureller Art ist: Die pakistanische Bevölkerung wurde nicht prowestlicher, weil man den populären Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan durch militante Islamisten offen unterstützte. Islamisten wurden nicht dadurch gemäßigt, dass man sich auf die Seite der bosnischen Muslime und der muslimischen Kosovaren stellte. Die Anhänger der Hamas bzw. die Hamas wurden nicht Israel-freundlicher, weil man die Hamas zeitweise geduldet oder sogar gefördert hat. Antiwestliche Einstellungen gewannen weiter an Rückhalt, während man zugunsten von Muslimen auf dem Balkan intervenierte, hunderttausende Muslime in Somalia vor dem Hungertod rettete, erfolgreich Druck auf Israel zum Beginn des Osloprozesses ausübte etc.

    Ich glaube auch nicht, dass die Unterstützung militanter Islamisten gegen die Sowjetunion ein strategischer Fehler war. Die Nebenwirkungen sind immer noch vergleichsweise gering im Vergleich zu dem, was ein sowjetischer Erfolg in Afghanistan bedeutet hätte. Es ist ja auch nicht so, dass es ohne diese Unterstützung heute kein Islamismusproblem geben würde. Diese Entwicklung begann schon wesentlich früher, und Afghanistan war nur ein Schauplatz von vielen, an dem das Erstarken der islamistischen Bewegung stattfand.

    Was Baitullah Mehsud anging: Soweit ich weiss, versprach sich von dessen Tötung niemand ein Ende der Aufstandsbewegung. Ich kenne niemanden der meint, dass diese ein Problem einzelner Personen sei. Ob sein Nachfolger (Hakimullah Mehsud) effektiver ist, bezweifele ich. Es gab einigen Streit um die Nachfolge, und die TTP-Allianz erscheint momentan relativ schwach zu sein. Einige ihrer Führer scheinen in der momentanen Offensive mit den Pakistanis zusammenzuarbeiten.

    Ich bin zudem pessimistisch, was die langfristige Gestaltungsfähigkeit der eigenen Politik angeht. Politik ist immer kurzfristig. Die beste Lösung für Afghanistan, die in 20 Jahren greift, bringt nichts, weil der, der sie anwenden muß, innerhalb einer Legislaturperiode Erfolg haben muß. Das ist ein Problem demokratischer Staaten. Davon abgesehen kann momentan niemand mit Gewissheit prognostizieren, welche langfristigen Folgen eigenes Vorgehen hat.

    Ihre Theorie “Wer innerhalb einer fremden Gesellschaft als Aussenstehender Gewalt anwendet mag kurzfristig gelobt werden und angesehen sein. Die Wirkung über die nächste Generation hinweg ist jedoch typischerweise die entgegengesetzte” stimmt manchmal, aber manchmal auch nicht. 1945 setzten die Amerikaner Atomwaffen gegen die japanische Zivilbevölkerung ein und vernichteten zusammen mit ihren Verbündeten deutsche Bevölkerungszentren und betrieben ethnische Säuberungen an der Grenze vom Völkermord im Osten. Warum wurden Deutsche und Japaner danach mehrheitlich Pazifisten, wenn Gewalt langfristig Ablehnung provoziert?

  2. b sagt:

    @WebSiPol

    Meine Kritik ist das solches Denken “dass die Unterstützung militanter Islamisten in Pakistan keine Korrelation zum Vorgehen der USA dort aufweist.” zwar kurzfristig z.B. durch Umfragen belegbar ist aber die langfristigen Wirkungen der Aktionen der USA völlig falsch einschätzt.

    Sicherlich war man in den späten 80ern in der Lage durch Umfragen und Untersuchungen nachzuweisen das die massive Unterstützung militanter religiös-fundamentalistisch anti-Sowjetischer Kräfte in Afghanistan keine anti-amerikanischen Strebungen verstärken würde. Dann kam 9/11 …

    Sicher war man sich das der Tod von Baitullah Meshud den Mesud Aufstand in Pakistan niederschlagen würde – bis sein Nachfolger sich als effektiver herausstellte.

    Israel war sich sicher das die Förderung der religiös orientierten Palestinenser in der Hamas den Einfluß und die Bedrohung durch die PLO verringern würde. Das ist auch gelungen – nur ist Hamas jetzt ein kompetenterer Gegner als die PLO. (Ähnlich Hezbollah im Lebanon.)

    Die tollen taktischen Vorteile mancher Aktionen die sich auch kurzfristig irgendwie plausibel machen lassen werden langfristig häufig zu strategischen Nachteilen.

    Wer innerhalb einer fremden Gesellschaft als Aussenstehender Gewalt anwendet mag kurzfristig gelobt werden und angesehen sein. Die Wirkung über die nächste Generation hinweg ist jedoch typischerweise die entgegengesetzte.

  3. Weblog Sicherheitpolitik sagt:

    @b
    Ich habe gerade etwas dazu geschrieben. Es ist demoskopisch ziemlich solide belegt, dass die Unterstützung militanter Islamisten in Pakistan keine Korrelation zum Vorgehen der USA dort aufweist. Im Gegenteil: Die Unterstützung der strukturell antiwestlich eingestellten Bevölkerung für militante Islamisten ist seit Ausweitung der Luftangriffe in Pakistan eher zurückgegangen. Das ist keine Folge der Luftangriffe, aber diese standen dem offensichtlich auch nicht im Weg.

    Auch in Afghanistan sind die Folgen von Luftangriffen für die Unterstützung in der Bevölkerung vermutlich nicht so problematisch, wie z.T. behauptet wird. Die Masse der Menschen bringt andere Sorgen zum Ausdruck. Luftangriffe bzw. zivile Kollateralschäden sind ein Vorwurf unter vielen, und nicht einmal der wichtigste. Sie verblassen in ihrer negativen Wirkung hinter enttäuschten Hoffnungen bzw. Sicherheit, Schaffung von Stabilität und Verbesserung der materiellen Situation etc. Die Luftangriffe in Kunduz im September hatten z.B. überhaupt keine feststellbaren negativen Folgen auf die öffentliche Meinung. Im Gegenteil, viele Menschen dort waren so besorgt über die Verschlechterung der Bedrohungslage, dass sie die Luftangriffe begrüßten. Das wäre natürlich anders gewesen wenn man eine der sprichwörtlichen Hochzeitsgesellschaften getroffen hätte, aber das solche Fehler zu vermeiden sind (was zunehmend auch gelingt) steht außer Frage.

    Die aktuellen Probleme in Afghanistan auf Luftangriffe zurückzuführen halte ich für falsch. Richtig wäre es zu sagen, dass eine Abstützung auf Luftangriffe in COIN-Szenaren kontraproduktiv ist und keinen Ersatz für Präsenz in der Fläche bzw. Präsenz in der Bevölkerung darstellt. Man gewinnt die Unterstützung der Bevölkerung nicht mit Luftangriffen, aber die Tatsache dass Luftangriffe in diesem Umfang nötig wurden zeigt, dass schon vorher etwas schiefgelaufen ist.

    Diese Unterstützung der Bevölkerung braucht man aber ohnehin nur in COIN-Szenaren. Es ist möglicherweise ein Fehler, in strukturell antiwestlich eingestellten Regionen überhaupt COIN durchzuführen. Von gebildeten Afghanen bekomme ich häufig zu hören, dass sie sowieso gegen die USA sind, weil diese von Juden gesteuert würden und überhaupt total unmoralisch seien und die Moral des Islams zersetzen wollten, mit allerlei Verschwörungen Krieg gegen den Islam führen etc. Deutsche werden nur tendenziell positiver wahrgenommen, was mir in Gesprächen mit deren vermuteter Einstellung gegenüber Juden und Briten sowie mit der gemeinsamen arischen Herkunft begründet wird. Würden Afghanen mehr über das Deutschland der Gegenwart wissen (ich bin noch gespannt was sie von unserem neuen Außenminister halten), wären wir deutlich unbeliebter.

    Das Vorgehen unmittelbar nach 9/11 war vielen Afghanen übrigens in ihrer kulturellen Logik als Rache sehr nachvollziehbar. Die USA wurden gedemütigt und mussten ihre Ehre gewaltsam wieder herstellen. COIN ist vielen Afghanen viel weniger verständlich. Die Tatsache, dass wir nicht einfach den Gegner mit unseren überlegenen Fähigkeiten vernichten, führt zu zahlreichen Verschwörungstheorien. Die Masse der Afghanen glaubt, dass wir den Kampf absichtlich ineffektiv führen, um dauerhafte Präsenz zu rechtfertigen, weil von Afghanistan aus Zentralasien kontrolliert werden soll etc.

    Ich glaube, dass COIN gelingen kann, wenn man einen starken afghanischen Partner hat als deren kulturell zurückhaltender und nur vorübergehend präsenter Partner man wahrgenommen wird, aber das Problem militanter Islamisten in Pakistan löst man mit erfolgreicher COIN in Afghanistan auch nicht. COIN in Pakistan ist keine Option, und in Somalia etc. ebenfalls nicht. Ich persönlich glaube, dass das, was General Reinhardt als “hirnverbrannt” dargestellt hat, die Zukunft der Bekämpfung militanter Islamisten darstellt, und nicht bevölkerungsfreundliche COIN-Ansätze.

  4. b sagt:

    @WebSi –

    Sie sagen :

    “Die Gewinnung der Unterstützung der Bevölkerung ist ja kein Selbstzweck. Im Nordwesten Pakistan ist die Gewinnung dieser Unterstützung in der aktuellen Strategie nicht erforderlich. Es geht hier nicht um Countrinsurgency bzw. Stärkung konkurrierender Akteure, sondern nur um Schwächung des Gegners durch Vernichtung. Kollateralschäden fallen daher tatsächlich nicht ins Gewicht bzw. scheinen sogar einen positiven Anreiz darzustellen, um durch Kooperation von den Ziellisten zu gelangen.”

    Genau das ist es was Afghanistan die jetzige Situation hervorgebracht hat und was Gen. Reinhardt richtigerweise kritisiert.

    Nach ihrer Argumentation kommt es nicht darauf an ob man diese oder jenen Hochzeitsgesellschft zerbombt – Hauptsache man schwächt den Gegener. Genau so haben die Amis von 2002 bis 2009 in Afghanistan (und bis 2008 im Irak) gehandelt.

    Dann haben sie plötzlich festgestellt das das langfristig nicht der richtige Weg ist und (Vietnam Ära) COIN wiederentdeckt.

    Der in 2002 zwölfjährige afghanische Junge ist jetzt neunzehn und hat seine prägenden Lebenseindrücke gewonnen durch Erlebnisse und Berichte von zerbombten Hochzeiten, wildgewordenenen schießwütigen HMMVEE Konvois und Folterungen in Baghram. Das der heute jeden ‘westlichen’ Soldaten bekämpfen will wundert mich kein bischen.

    Aber wenn man mit dem begrenzten gedanklichen Horizont von “aktueller Strategie” (es ist übrigens Taktik über die wir hier reden, nicht um Strategie) herumläuft wundert man sich vielleicht schon.

    Was wird denn das Ergebnis der heutigen Dronenangriffe in Westpakistan, die im Ergebnis nachweislich mehr Unbeteiligte treffen als Gegner, sein – sagen wir mal in zehn Jahren. Sympathie für die USA? Gute Handelsbeziehungen? Reicher Kulturaustausch? Oder eine Containerladung mit reichlicher Explosivwirkung im New Yorker Hafen?

    Baithullah Mehsud hat man getroffen. Sein Nachfolger hat sich als kompetenter herausgestellt. (Die darwinistische Lehre beweist sich immer wieder – siehe Israels zu kurz gedachte Unterstützung für Hamas als Gegengewicht zur PLO …)

    Die Kurzfristigkeit mit der Amerikaner agieren ist immer wieder erstaunlich für mich, aber ich habe mich daran gewöhnt da ich seit 30 Jahren fast täglich eng mit Amerikanern zusammenarbeite.

    Das historisch hoffentlich einigermaßen gut gebildete Deutsche so denken ist erschreckend.

  5. Stefan sagt:

    “Interessant bleibt die Effektivität mit der die Amis so schnell so viele Gegner in Kunduz finden”

    Auch die Bundeswehr ist dazu in der Lage die Drahtzieher und Schlüsselfiguren in der Aufstandsbewegung zu lokalisieren. Da gibt es genug Berichte, dass die Personen und zum Teil deren Aufenthaltsort bekannt sind.

    Dann aber darauf zu handeln und etwas gegen diese Leute zu unternehmen ist etwas anderes. Es gab ein paar Aktionen, aber das scheinen die Ausnahmen zu sein.

  6. Weblog Sicherheitpolitik sagt:

    @b
    “Es wird häufig nicht einmal versucht Verdächtige festzunehmen sondern wer auf der “To-Kill” Liste steht wird eben umgebracht. Ob es dabei zu Kollateralschäden kommt fällt kaum ins Gewicht.”

    Ihre Beobachtung trifft vollkommen zu. Die Gewinnung der Unterstützung der Bevölkerung ist ja kein Selbstzweck. Im Nordwesten Pakistan ist die Gewinnung dieser Unterstützung in der aktuellen Strategie nicht erforderlich. Es geht hier nicht um Countrinsurgency bzw. Stärkung konkurrierender Akteure, sondern nur um Schwächung des Gegners durch Vernichtung. Kollateralschäden fallen daher tatsächlich nicht ins Gewicht bzw. scheinen sogar einen positiven Anreiz darzustellen, um durch Kooperation von den Ziellisten zu gelangen.

    Ein Beobachter der Situation wies zudem einmal darauf hin, dass Drohneneinsätze den Vorteil hätten, dass feindliche Kämpfer hier keine Gelegenheit hätten, sich ggf. zu ergeben und dann ein rechtliches Problem darzustellen. Für in Pakistan getötete feindliche Kämpfer interessiert sich niemand mehr, während das Problem bekannt ist das auftaucht, wenn man sie gefangennimmt und dann bei fragwürdigem Gewinn an Erkenntnissen festhält. Die Aufregung um Guantanamo dürfte den Anreiz zur Einbringung von Gefangenen eher reduziert haben.

  7. Brutus sagt:

    Ich finde es “ärgerlich”, daß die Amerikaner uns in unserem AO in die Suppe spucken. Zudem: deren Aktionen muß sich auch die Bw zurechnen lassen.

  8. b sagt:

    @Peter – Gebauer berichtet aus Kabul, nicht aus Berlin … der hat den Wandel durchaus wahrgenommen.

    @WebSi – “Üblicherweise besteht diese Wirkung darin, die Fähigkeiten eines Gegners so zu reduzieren, dass dieser den Kampf nicht mehr oder nur unter für ihn nicht mehr tragbarem Aufwand fortsetzen kann .”

    Das ist korrekt, aber es fehlt der Zusatz das dieses möglichts so auszuführen ist das der geringst mögliche Schaden verursacht wird.

    Die Amerikaner, insbesondere die Special Ops und Dronentruppen halten sich nicht daran. Es wird häufig nicht einmal versucht Verdächtige festzunehmen sondern wer auf der “To-Kill” Liste steht wird eben umgebracht. Ob es dabei zu Kollateralschäden kommt fällt kaum ins Gewicht.

    Das man damit die Bevölkerung nicht gewinnt sollte klar sein.

  9. politisch inkorrekt sagt:

    Interessant bleibt die Effektivität mit der die Amis so schnell so viele Gegner in Kunduz finden und ausschalten können.
    Ich erinnere mich an Berichte, dass die Bundeswehr teilweise nur noch im Kp-Rahmen mit CAS auf Anfrage in verschiedene Gebiete in Kunduz geht. Viele tote Taliban kamen dabei aber kaum heraus.

    Jetzt starten die Amis eine Offensive(womöglich die SOF, die kürzlich in MeS stationiert wurden – nicht mehr als 300Mann) und sind so erfolgreich?! Da müssen gewaltige Aufklärungsergebnisse vorliegen um so effektiv zu sein. Ohne eine, zumindest indirekte, Mithilfe der Deutschen(ELOKA, BND, Drohnen,…die gesamte J2 Leiste) kann ich mir diesen Erfolg nicht erklären – die kochen schließlich auch nur mit Wasser.

    pi

  10. Peter sagt:

    Matthias Gebauer gehört zu der Mehrheit der Journalisten, die immer noch in den Kategorien der Kalten Krieges denken. Der Wandel in der Welt wird von diesen zwar wahrgenommen, aber nicht verinnerlicht und führte auch nicht zu einer geistigen Anpassung. Dass deutsche Soldaten mittlerweile schießen und töten müssen, haben sie seelisch noch nicht verkraftet. Da haben sie einfach gedankliche Barrieren. Verschärfend kommt hinzu, dass Afghanisten nun mal eben über 5000 km von Berlin entfernt ist. Dadurch fehlt jeglicher persönliche Bezug und auch ein adäquate Vorstellung von den tatsächlichen Verhältnissen und den daraus resultierenden Erfordernissen.

    Wir sollten Matthias Gebauer also keinen Vorwurf machen, weil er die gezielte Eliminierung eines Feindes nicht verstehen kann, weil ihm die seelischen und geistigen Voraussetzungen dazu fehlen. Die wenigsten Journalisten werden in der Lage sein ihre einmal zugelegten Denkmuster verlassen zu können. Solche Berichterstattung wird uns also noch lange begleiten.

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