Zu den umstrittenen Fragen bei der Diskussion um das iranische Nuklearprogramm gehört, ob eine Entwicklung nuklearer Sprengköpfe stattfindet. Zweifelsfrei belegt ist bislang nur die zum Bau von Sprengköpfen erforderliche Uranreicherung sowie die Entwicklung von Trägersystemen, deren Bestückung mit konventionellen Wurflasten keinen Sinn machen würde.
Nun liegen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, die in Fragen des iranischen Nuklearprogramms einer öffentlichen Dramatisierung bislang gänzlich unverdächtig war, offenbar Belege für die Entwicklung nuklearer Sprengköpfe durch den Iran vor.
Dies ergänzt frühere Meldungen über laufende Arbeiten an der Entwicklung von Sprengköpfen sowie unter Berufung auf den BND erfolgte Meldungen über die Möglichkeit der Entwicklung nuklearer Fähigkeiten durch den Iran bis Anfang 2010. Bruno Schirra hatte in einem vielbachteten Artikel ebenfalls auf Zweifel des BND an der Unterbrechung der Sprengkopfentwicklung hingewiesen. Auch britische Behörden hatten dieser Annahme öffentlich widersprochen.
Angesichts des Scheiterns der Verhandlungen mit dem Iran (angebliche Zusagen zur Bereitschaft zur Urananreicherung außerhalb des Irans stellten sich als neue Verzögerungstaktik heraus) und der neuen Entwicklungen bzgl. der Entwicklung von Sprengköpfen werden strategische Alternativen zum Verhandlungsprozess zunehmend relevant.



Neue Hinweise auf Entwicklung nuklearer Sprengköpfe
Zitat von -bsagt
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Wenn wir da strategische Rohstoffinteressen haben warum machen wir nicht einen Deal mit den Iranern statt mit den Saudis? Die Nabucco Pipeline ist ohne iranisches Gas ohnehin sinnlos. Wenn unsere Politik in wirklichem europäischen und deutschem Interesse handeln würde, dann wäre eine ökonomische Allianz mit Iran ein weit besserer Deal als die weitere Unterstützung der saudischen Radikalen.-
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Da stimme ich ihnen zu.
Wie lange geht die Diskussion darüber schon?
Drohung- Gegendrohung- Fristen setzen- so geht das Spielchen weiter. Und der Iran geht unbeirrt seinen Weg
Was hat man erreicht? Nichts.
Warum? Weil man auf diese Art nichts erreichen kann.
Der Iran wird seine Interessen weiter verfolgen, egal was der Westen dazu sagt. Wir sind nicht die Machthaber der Welt.
Wir sollten endlich begreifen, dass wir mit ihm
1. auf gleicher Augenhöhe verhandeln
2. dass wir nicht um jeden Preis das Recht haben, uns in die inneren Angelegenheiten eines Landes einzumischen- weil wir damit Energie-Interessen verfolgen.
Dafür gibt es Verhandlungen-Verträge im gegenseitigen Interesse. Handel bringt Veränderung und nicht Krieg.
Handel ist Aufbau-Entwicklung-Krieg ist Zerstörung.
Ausserdem- wir bekommen doch unser Öl, sie können es doch nicht saufen.
Der Iran ist ein wichtiger strategischer Punkt für die USA , das weiß er auch, er wird irgendwann genauso aufrüsten wie der Westen. Was wir haben, will er auch. Wer sollte es ihm verwehren? Zudem er pausenlos bedroht wird- genau vom Westen.
Niemand wird ihn daran hindern. Vielleicht ist dann Ruhe, wenn der Westen seine Angriffstrategie verwerfen muß, weil er den Rückschlag befürchten muß..
Es ist offensichtlich, man will den Iran beherrschen, das wird aber nicht gelingen.
Damit sollten sie sich abfinden und mit ihm Handel betreiben, wie mit allen anderen auch. Alles andere ist kontraproduktiv.
@WebPolSi –
“Die Absichten des Irans sind eindeutig: Er strebt die Hegemonie über die Golfregion an. Daraus ergibt sich eine Bedrohung für strategische Rohstoffinteressen u.a. auch Deutschlands. Eine iranische Kontrolle des Erdölpreises nach Errichtung eines iranisch-geführten Kartells würde auch unsere Energiepreise betreffen und damit potentiell unsere wirtschaftlichen Interessen bedrohen.”
Wo bitte finden sich diese unterstellten Absichten Ìrans Hegemonie in der Golfregion anzustreben? Haben sie eventuell einen Link dazu?
Die Iraner sind Realisten und wissen das das aus ethnischen, religiösen wie auch geographischen Gründen unmöglich ist.
Das sie als größtes Volk in der Gegend mit hohem wirtschaftlichen Potential entsprechend anerkannt werden möchten ist klar. Da sind wir Deutschen aber keinen Deut anders.
Es gibt übrigens bereits ein Erölkartell. Da braucht Iran gar kein neues zu errichten. Das heutige heisst OPEC und ist unter der Führung streng wahabitischer Saudis. Haben wir uns je daran gestört? Oder an den nuklearfähigen saudischen DF-21 Mittelstreckentraketen oder an deren Finanzierung der “islamischen Bombe” in Pakistan?
Wenn wir da strategische Rohstoffinteressen haben warum machen wir nicht einen Deal mit den Iranern statt mit den Saudis? Die Nabucco Pipeline ist ohne iranisches Gas ohnehin sinnlos. Wenn unsere Politik in wirklichem europäischen und deutschem Interesse handeln würde, dann wäre eine ökonomische Allianz mit Iran ein weit besserer Deal als die weitere Unterstützung der saudischen Radikalen.
@b
Ihre Erklärung des Verhaltens der syrischen Regierung überzeugt mich nicht. Es weicht gravierend vom sonst gezeigen Verhalten ab, tatsächliche oder angebliche Vorfälle zu nutzen, um damit den internationalen Druck auf Israel zu verstärken. Die Gelegenheit wäre außergewöhnlich gewesen, und man hätte sogar physische Beweise präsentieren können. Anstatt diese zu nutzen, hat man sie sogar mit einigem Aufwand vernichtet, wie u.a. aus den Satellitenphotos der Anlage hervorgeht.
Zur Aufrechterhaltung der eigenen Glaubwürdigkeit hätte die syrische Führung mindestens symbolisch handeln müssen und durchaus Möglichkeiten gehabt, Druck auf Israel z.B. durch Vorfälle aus dem Südlibanon oder Westjordanland/Gazastreifen heraus auszuüben. Das Ausbleiben der wahrscheinlichsten Reaktion deutet m.E. eindeutig auf außergewöhnliche Umstände hin.
Zur Bedrohung durch den Iran: Bedrohung ist das Produkt von Absichten und Fähigkeiten. Die Absichten des Irans sind eindeutig: Er strebt die Hegemonie über die Golfregion an. Daraus ergibt sich eine Bedrohung für strategische Rohstoffinteressen u.a. auch Deutschlands. Eine iranische Kontrolle des Erdölpreises nach Errichtung eines iranisch-geführten Kartells würde auch unsere Energiepreise betreffen und damit potentiell unsere wirtschaftlichen Interessen bedrohen.
@WebSiPol –
“Mir fehlt das Wissen, um ihre technischen Argumente bewerten zu können.”
Ich bin gerne bereit Fragen dazu zu beantworten und auf die entsprechenden Quellen zu verweisen.
U.a. hilft es IAEA Berichte lesen
Mai 2008
/quote/
20. Concerning the alleged work to design and build an EBW detonator and a suitable detonator firing unit, Iran acknowledged that it had conducted simultaneous testing with two to three EBW
detonators with a time precision of about one microsecond. Iran said, however, that this was intended for civil and conventional military applications.
/endquote/
“Wie ist Ihre These mit dem Verhalten der syrischen Regierung nach dem Luftangriff in Einklang zu bringen?”
Was hätten die Syrer denn konkret machen sollen? Israel hat ja nie zugegeben dort gebombt zu haben und die ganze “Reaktor”-geschichte kam erst ein halbes Jahr später durch U.S. Berichte ans Tageslicht. Ich denke Syrien hat sich klug verhalten garnichts zu tun. Ein weiterer Konflikt mit Israel würde dem Land nichts nützen.
@AD –
“Dahinter steckt wohl dieselbe Logik, wie hinter der Behauptung, der auf Öl schwimmende Iran brauche Atomkraftwerke für seine Energiesicherung.”
Tja – warum hat Maggie Thatcher eifrig Atomkraftwerke gebaut und gleichzeitig das schöne Nordseeöl und Gas an das Ausland verkauft? War es denn nötig das GB Atomkraftwerke baut während es auf so viel Öl- und Gasreserven sass?
Aber vielleicht war das ja eine langfristige souveräne Entscheidung Großbritaniens die in vollem Bewustsein der Endlichkeit der natürlichen Öl-/Gas-Reserven getroffen wurde. Der Aufbau einer Atomarindustrie dauert ca. 20-30 Jahre. Da muss man schon langfristig herangehen.
Gleiches gilt für die USA und die Sowjetunion die beide ebenfalls ausreichend Öl- und Gasreserven haben um auf Atomkraft verzichten zu können. Welche Überlegungen stehen denn bei denen dahinter weiterhin Atomkraftwerke zu bauen?
Nächste Frage: Warum soll der Iran nicht aus ähnlichen Gründen eine ähnliche Entscheidung wie England, die USA und die Sowjetunion treffen?
Als Mitglied der Non-Proliferation-Treaty hat Iran das ausdrückliche unveräußerliche Recht Atomkraft für zivile Zwecke einzusetzen. Wenn es die souveräne Entscheidung trifft das zu tun, sind die anderen Mitgleider des NPT verpflichte dem Land dabei zu helfen.
“Wie naiv sind unsere Politiker eigentlich?”
Ich frage mich für wie naiv die uns halten dass die uns den Iran als “Gefahr” verkaufen wollen …
@ Weblog SiPo
Warum gibt Syrien den Angriff der Israelis auf den unfertigen Reaktor nicht zu, bzw. beschuldigt Israel nicht für die Tat ?
Ohne es zu wissen, nehme ich an, dass es international nicht so gut ankommt, wenn man zugeben muss an einem geheimen Plutoniumreaktor gearbeitet zu haben. Dies könnte internationale Isolationsmaßnahmen zur Folge haben, die Syrien nicht unbedingt haben will.
Bekanntermaßen kann für eine “schmutzige Bombe” auch einfach angereichertes nukleares Material verwendet werden, dass durch konventionellen Sprengstoff in der Atmosphäre verteilt wird. Vermutlich richtet eine “schmutzige Bombe”, z.B. in der Innenstadt einer Finanzmetropole, einen fast genauso großen Schaden als eine funktionsfähige nukleare Bombe an. Wenn z.B. die Frankfurter Innenstadt mit einer schmutzigen Bomben mit 1 kg Plutonium kontaminiert wird, ist Frankfurt für die nächsten 1000 Jahre unbewohnbar. Den volkswirtschaftliche Schaden kann man ausrechnen.
Plutonium ist darüber hinaus nicht nur radioaktiv, sondern auch toxisch. Die tötliche Dosis für den Menschen liegt bei 1 Milligramm. 1 kg Plutonium bedeutet also 1 Mio. tödliche Dosen !
“Zweifelsfrei belegt ist bislang nur die zum Bau von Sprengköpfen erforderliche Uranreicherung sowie die Entwicklung von Trägersystemen, deren Bestückung mit konventionellen Wurflasten keinen Sinn machen würde.”
Dahinter steckt wohl dieselbe Logik, wie hinter der Behauptung, der auf Öl schwimmende Iran brauche Atomkraftwerke für seine Energiesicherung.
Wie naiv sind unsere Politiker eigentlich?
@b
Mir fehlt das Wissen, um ihre technischen Argumente bewerten zu können.
Was aber den syrischen Reaktor angeht: Wie ist Ihre These mit dem Verhalten der syrischen Regierung nach dem Luftangriff in Einklang zu bringen? Wenn es sich nicht um einen Reaktor bzw. nur um einen alten Rohbau gehandelt haben sollte, dann hätte sich der Vorfall doch angeboten, um Israel international bloßzustellen. Es fand aber praktisch keine öffentliche Reaktion der syrischen Seite statt. Stärkt dies nicht die Glaubwürdigkeit der Behauptungen, die u.a. im Spiegel-Artikel wiedergegeben werden?
“Aber hat die iranische Seite die Experimente mit “two-point implosions” nicht bestätigt? ”
Nein – zumindest ist mir nichts dahingehendes bekannt und ich bin ziemlich in dem Thema drin.
Die iranische Seite hat Experimente mit einer zeitgenauen synchronisierten Zündung von mehreren Sprengladungen bestätigt.
Solche synchronisierten Zündungen werden bei einigen Typen von Plutoniumwaffen eingesetzt um einen kugelförmigen Körper gleichmäßig zu implodieren.
Solche synchronisierten Zündungen werden aber überall auf der Welt auch bei geologischen seismo-akustischen Messungen angewandt um zeitlich genau abgestimmte Stoßwellen in die Erdoberfläche zu schicken und aus den Echoes die genauen Lokation von Lagerstätten von Bodenschätzen (Öl, Gas) abzuleiten.
Die iranische Seite hat gesagt das es um die zweite Anwendung geht. Das IAEA hat das geprüft, für plausibel erklärt und als nicht problematisch zu den Akten gelegt.
Ob in Syrien ein Reaktor stand und falls ja in welchem Zusatnd der war ist noch ungewiss. Zwar hat man dort angeblich einige angereicherte Uran Partikel gefunden, andererseits hat man aber kein Graphit gefunden. Da es sich bei dem angeblichen Reaktor um eine graphitmoderierten MADOX Reaktor handeln soll der mit natürlichem Uran betrieben wird ist das ganze noch ein ziemliches Rätsel. Ein Fund von künstlich modfiziertem Uran ohne jedoch Graphit und natürliches Uran zu finden ist im Zusammenhang mit einem solchen Reaktor völlig unplausibel. (Merkwürdigerweise sind auch in Ägypten jüngst ähnlich angreichte Uranpartikel gefunden worden. Das hat die Presse allerdings weitestgehend unterschlagen.)
Falls das in Syrien wirklich ein Reaktorbau war, dann war es wohl die Ruine eines unfertigen alten Projekts das niemals seine Grundladung Uran und Graphit erhalten hat, nie operationsfähig war und von den Syrern aufgegeben war.
@b
Nach den Erfahrungen des amerikanischen Umgangs mit Informationen zum irakischen “Atomprogramm” ist Skepsis sicherlich angebracht. Aber hat die iranische Seite die Experimente mit “two-point implosions” nicht bestätigt? Auch für die versuchte Herstellung von Plutonium im zerstörten syrischen Reaktor gibt es zumindest deutliche Anhaltspunkte. Dass dort ein Reaktor gebaut wurde, ist von einigen unabhängigen Experten doch bestätigt worden, und auch die Angaben zur syrisch-iranischen Zusammenarbeit sind doch nicht unplausibel.
Ich bin mir aber völlig darüber im Klaren, dass man auf der Grundlage offener Quellen keine abschließende Bewertung in dieser Frage treffen kann.
“Nun liegen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, die in Fragen des iranischen Nuklearprogramms einer öffentlichen Dramatisierung bislang gänzlich unverdächtig war, offenbar Belege für die Entwicklung nuklearer Sprengköpfe durch den Iran vor.”
Die Aussage ist falsch.
Es gibt eine interne Sammlung der IAEA mit dem Titel “Possible Military Dimensions of Iran’s Nuclear Program” über unbestätigte(!) Berichte über angebliche iranische Experimente z.B. auch die im Guardian erwähnten “two-point implosions”. Das interne IAEA Dossier enthält auch die Anschuldigen die in Zusammenhang mit dem “Laptop of death” erhoben werden. Diese Laptop wurde angeblich einem iranischen Wissenschaftler geklaut stammt aber wohl eher von der MEK, einem anti-iranischen Kult. Er enhält eine Sammlung unzusammenhängender Berichte die von der IAEA zu einem großen Teil als gefälscht angesehen werden.
Die Sammlung ist keine Sammlung von “Belegen” sondern eine Sammlung der ZWEIFELHAFTEN Anschuldigungen gegen den Iran.
Der Guardian Autor tut auch so als ob “two-point implosions” ein streng geheimes Verfahren sei. Das ist Unsinn. Es gibt sogar Wikipedia Artikel darüber. “Two-point implosions” werden allerdings nur bei Plutonium Bomben angewannt. Da Iran nach allgemeiner Auffassung sowohl der IAEA als auch der ‘westlichen’ Geheimdienste gar kein Plutoniumprogram hat würden die angeblichen Experimente überhaupt keinen Sinn machen.
Dieser angeblich neue Fund in dem Dossier ist auch nicht neu. Sowohl AP als auch die NYT hatten breits darüber berichtet. Es scheint der Guardian muss Auflage machen und hat das ganze daher etwas reisserischer verpackt.
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