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Pakistan: Bevölkerung in Peschawar leugnet Verantwortung militanter Islamisten für Anschläge

Aktuelle Meldungen aus Peschawar unterstreichen die fortgesetzte problematische Einstellung relevanter Teile der pakistanischen Bevölkerung gegenüber militanten Islamisten. Nach den jüngsten Anschlägen mit über 100 Toten wendet sich die öffentliche Meinung im Nordwesten des Landes noch stärker gegen den Westen als gegen die verantwortlichen militanten Islamisten:

But most of the outrage expressed by survivors, witnesses, religious leaders and other residents this week was not directed at Islamist extremist groups, whom the government has blamed for the attack, but at the countries many Pakistanis see as their true enemies: India, Israel and the United States. In part, this reaction stems from a deep popular conviction that no Muslim could perpetrate such atrocities against other Muslims. The more egregious the attack, the stronger seems the tendency to deny a domestic cause and blame other, more remote culprits. Some religious and political groups are encouraging such responses, eager to whip up xenophobic sentiment for their own ends.

Es wäre falsch, die positive Grundhaltung großer Teile der pakistanischen Bevölkerung gegenüber dem Gegner auf Drohneneinsätze etc. zurückzuführen. Bereits vor Ausweitung der Drohneneinsätze erklärten 70% der Bevölkerung der “North West Frontier Province”, deren Hauptstadt Peschawar ist, in Umfragen ihre Sympathie für Osama Bin Laden. Das Problem ist struktureller Art und keine bloße Reaktion auf einzelne Maßnahmen der USA. Von einer Reduzierung oder einem Ende der Drohneneinsätze wäre keine relevante positive Reaktion aus der Bevölkerung zu erwarten. Eher noch würde die verbreitete Wahrnehmung der Schwäche des Westens dadurch bestärkt.

Bereits 2001 und unmittelbar danach brachte ein Großteil Pakistanis in Umfragen offen Sympathie für Al-Qaida und militante Islamisten zum Ausdruck, ohne dass die USA oder ein anderer westlicher Staat in irgendeiner Weise die Souveränität Pakistans beeinträchtigt hätten. Die Sympathie für Al-Qaida ging seitdem zurück, was teilweise eine Folge von Anschlägen innerhalb Pakistans ist, teilweise aber auch eine Folge der Enttäuschung darüber, dass AQ keine spektakulären Anschläge auf westliche Ziele mehr gelingen. Ähnliches ist in vielen arabischen Staaten zu beobachten, wo der Iran und die Hizbollah seit 2006 auf Kosten sunnitischer Extremisten als Herausforderer des Westens an Beliebtheit gewinnen, während andere Menschen sich aufgrund der mit Schwerpunkt gegen Muslime verübten Anschläge AQs und ähnlicher Akteure von diesen abwenden.

Auch wenn antiwestliche Grundhaltung in Pakistan weiter dominiert, so ist außerhalb des Nordwestens doch eine zunehmende Ablehnung militanter Islamisten zu beobachten, was vor allem auf die von ihnen verübten Anschläge zurückgeführt wird. Möglicherweise stellt das Beispiel Peschawars einen Extremfall dar.

Auf Drohneneinsätze haben militante Islamisten u.a. mit Anschlägen innerhalb Pakistans reagiert, um Druck zu deren Einstellung zu erzeugen. Im Großteil Pakistans haben diese Anschläge aber die Unterstützung für militante Islamisten reduziert. Die Drohneneinsätze haben somit positive indirekte Wirkung auf den Rückhalt militanter Islamisten. In Teilen des Nordwestens, wo die Bevölkerung offenbar anders reagiert, scheint es hingegen keinen Unterschied zu machen, ob militante Islamisten von externer Seite bekämpft werden oder nicht. Somit lässt sich aus der öffentlichen Meinung in Pakistan kein Argument für eine Einstellung oder Reduzierung von Drohneneinsätzen herleiten.

2 Kommentare zu “Pakistan: Bevölkerung in Peschawar leugnet Verantwortung militanter Islamisten für Anschläge”

  1. Weblog Sicherheitpolitik sagt:

    @Hohenstaufen:
    Danke für den Hinweis, sehr interessant.

  2. Hohenstaufen sagt:

    Todesangst im Lager der deutschen Dschihadisten ?
    Nach einer Meldung in der “Welt”, kommen deutsche Dschihadisten durch die pakistanische Militäroffensive massiv in Bedrängnis.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article5175591/Todesangst-im-Lager-der-deutschen-Dschihadisten.html

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