Die USA weiten zusammen mit afghanischen Stellen die u.a. im Rahmen des “Afghan Public Protection Program” (AP3) in Wardak erprobte Aufstellung von Milizen offenbar auf das gesamte Land auf. Dies geschieht im Rahmmen der “Community Defense Initiative” (CDI).
Interessant ist, dass die CDI offenbar mit materieller Unterstützung (in Form des Baus von Straßen, Aufbaus von Gesundheitsversorgung etc.) für kooperative lokale Führer verknüpft werden soll. Hilfsorganisationen weigern sich bislang, ihr Vorgehen mit Sicherheitsakteuren entsprechend zu koordinieren. Man hält es für unethisch, Hilfe so zu verwenden, dass sie zur Stabilisierung des Landes beiträgt.
Milizen hatten zuletzt z.B. in der Provinz Kunduz einige Erfolge erzielt. Sie sind auch in anderen Landesteilen zeitweise oder dauerhaft aktiv und handeln z.T. koordiniert mit afghanischen oder internationalen Sicherheitskräften.
Sie bieten das Potential, lokal begrenzt ein Minimum an Sicherheit zu schaffen. In ihrer Aufstellungsphase sind sie und ihre Führer allerdings in hohem Maße verwundbar für Angriffe der Aufständischen. Im Nordwesten Pakistans wurden zahlreiche Initiativen zum Widerstand gegen die Taliban durch Anschläge beendet. Zudem bergen Milizen das Risiko, bei einem schwachen Staat und ohne Präsenz internationaler Kräfte außer Kontrolle zu geraten und entweder die Bevölkerung so zu behandeln wie afghanische Warlords mit ihren Milizen es taten (und damit Unterstützung für die Taliban generierten) oder sich gegenseitig zu bekämpfen. In der Bevölkerung wird die Idee der Unterstützung von Milizen daher häufig skeptisch gesehen, und ohne effektive Maßnahmen zu deren Kontrolle ist ein Erfolg dieser Maßnahme fraglich.



Ein bisschen Differenzierung tut manchmal not… die Verbände, die seit 2001 abgewickelt wurden, sind zunächst einmal die seit 1992 institutionalisierten Großverbände der damaligen afghanischen Armee, die wiederum von Mujahiddin-Kommandeuren und -Strukturen der 80er dominiert wurden. Hinter dem DDR-Programm (Disarmament, Demobilization, Reintegration) standen wie immer mehrere Ideen; die m.E. sicherheitspolitisch brauchbarste war die, die großen Meta-Kommandeure zu ent-offizialisieren und ihnen symbolisch ein paar verrostete Waffen abzunehmen, um der neu eingesetzten Regierung Freiraum für den eigenen Aufwuchs zu bieten.
Mittlerweile wissen wir, inwieweit die Regierung Karzai diesen Freiraum nutzen bzw. eben nicht nutzen konnte; gezielt örtliche Formationen aufzustellen, die ihren Bereich gegen Aufständische sichern ist per se kein schlechter Gedanke und wird es auch nicht dadurch, dass man seit 2001 Großverbände “geDiDiaRt” hat, wie man in Afghanistan sagt.
Problematisch wird es, wenn man Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von “Milizen” nicht bedenkt: für Offensivaktionen in Bereiche anderer Solidargruppen sind sie grundsäztlich nicht zu gebrauchen. Insofern kann eine “Miliz” aus Qal’a-ye Zal uns nicht in Char Darra helfen – aber sie kann eben ihr Heimatgebiet halten, Einsickern und Ausweichen von INS verhindern und – bald ist Weihnachten – als Vorbild und Inspiration für entsprechende Kandidaten in Char Darra dienen. Das wird in den seltensten Fällen ganz ohne Machtmissbrauch gegenüber Teilen der Bevölkerung ablaufen, es lässt sich aber kaum per Ferndiagnose behaupten, dass wir uns damit grundsätzlich mehr Probleme einfangen, als wenn wir den Taliban weiterhin das Gebiet überlassen (”Smile and Wave”).
Da hat man in den letzten Jahren $250 Millionen ausgegeben um Milizen die nach 2001 entstanden waren zu entwaffnen um jetzt noch mehr Geld auszugeben um solche wieder zu bewaffnen.
Sobald solche Milizen erfolgreich gegen die Taliban sind werden sie aufmüpfig gegenüber den Besatzern sein und selbst die Bevölkerung terrorisieren.
Man hat den Eindruck das die Amis keine Ahnung haben was sie machen und sich tatsächlich so verhalten wie Churchill das behauptet hat:
“America will always do the right thing, but only after exhausting all other options.”
Wenn es nur nicht so viele Optionen gäbe …