Ein Bekannter schickte uns vor einigen Tagen aus Afghanistan das Photo eines T-Shirts mit der Aufschrift “Du sollst nicht stehlen” und der Abbildung zweier Tanklaster. Er hatte das T-Shirt im norwegischen PX im Camp Marmal erworben. Wir haben trotz des attraktiven Motivs darauf verzichtet, diese Form des humorvoll-selbstbewussten Umgangs mit dem Vorfall vom 04. September zu veröffentlichen, weil die in diesem Fall zu erwarteten Reflexe vorhersehbar gewesen wären.
So ist es dann auch gekommen: Die Bundeswehr hat das T-Shirt entdeckt und bezeichnet das Bibelzitat “Du sollst nicht stehlen” offiziell als “geschmacklos”. Der Feind könnte sich durch die Erinnerung an universelle moralische Grundsätze beleidigt fühlen, also verbietet man das T-Shirt und distanziert sich vorsorglich von dessen biblischer Botschaft. Zudem werden “disziplinare Maßnahmen” gegen Soldaten angekündigt, die möglicherweise an der Erstellung dieses beliebten T-Shirts (wir haben direkt mehrere bestellt) beteiligt waren. Man fragt sich, gegen welche Vorschriften hier verstoßen worden sein soll?
Die militärische Führung in Afghanistan spielt weiterhin Friedensarmee. Wenn man sich nicht gerade damit beschäftigt, Soldaten das Tragen praktischer Fleecejacken im afghanischen Winter zu verbieten, kümmert man sich um T-Shirts. Ernstere Probleme scheint man nicht zu haben. Wie die meisten Bundeswehr-”Skandale” ist auch dieser eine Lachnummer. Dank der typisch deutschen Kombination aus öffentlicher Hypermoral und Hypersensibilität der Bundeswehr sind weitere “Skandale” bereits vorprogrammiert.
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[...] Weblog Sicherheitspolitik. (28. November 2009). Neuer Bundeswehr-Skandal: „Du sollst nicht stehlen“. [...]