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Iran: Bevorstehende israelische Luftangriffe?

Jeffrey Goldberg hat für das Hochwert-Magazin “The Atlantic” einen Beitrag verfasst, der auf der Grundlage  zahlreicher Interviews mit relevanten Personen zu der Schlussfolgerung kommt, dass israelische Luftangriffe gegen das iranische Nuklearprogramm mittelfristig auch ohne amerikanische Unterstützung wahrscheinlich seien.

Während aus einer interessenorientierten deutschen Perspektive vor allem die Frage der iranische Hegemonie über die erdölfördernde Golfregion und die kurz- bis mittelfristigen Folgen potentiellen israelischen Handelns für die Stabilität der Region relevant sind, sehen die Israelis angesichts der weltanschaulichen Ausrichtung der iranischen Führung in Kombination mit nuklearen Fähigkeiten ihre nationale Existenz bedroht. Die Israelis sind übrigens im Nahen Osten nicht alleine, was Sorgen bzgl. des iranischen Nuklearprogramms angeht. Praktisch alle Regierungen der arabischen Halbinsel nehmen das iranische Nuklearprogramm als Bedrohung wahr.

Dass der Iran nukleare Fähigkeiten entwickelt, ist wahrscheinlich. Die iranische Führung hätte nur Vorteile dadurch: Nach dem ersten Test nuklearer Waffen wäre man vor Interventionen sicher und würde vermutlich auch eine Welle patriotischer Begeisterung im Inland erzeugen. Angesichts der innenpolitischen Herausforderungen, denen die iranische Führung gegenübeht, ist eine Betonung externer Konflikte bei gleichzeitiger Nutzung von Symbolen nationaler Stärke ohnehin wahrscheinlich.

Gleichzeitig ist unwahrscheinlich, dass die Obama-Administration gegen das iranische Nuklearprogramm vorgehen wird. Alle politischen Initiativen der USA deuten das Gegenteil an. Tatsächlich würde ein militärisches Vorgehen vermutlich die relativ starke Opposition schwächen, die allerdings in ihren öffentlichen Äußerungen das Nuklearprogramm nicht in Frage stellt.

Insgesamt gehen wir deshalb davon aus, dass ein israelischer Alleingang gegen das iranische Nuklearprogramm tatsächlich nicht auszuschließen ist und aus deutscher Sicht vorwiegend negative Folgen wie steigende Erdölpreise und eine Eskalation auch im Westen und Norden Afghanistans hätte. Falls die Israelis allerdings erfolgreich sind, würde dem mittel- bis langfristig möglicherweise als positive Wirkung gegenüberstehen, dass eine auf die Machtverschiebung durch Nuklearwaffen gestützte iranische Hegemonie über die Golfregion (inklusive iranischer Kontrolle des Erdölpreises) verhindert oder verzögert werden könnte.

Auch die Entwicklung im Libanon ist in diesem Zusammenhang relevant. Es ist nicht auszuschließen, dass die Hizbollah aufgrund zunehmenden Drucks bzgl. der Tötung Rafiq Hariris kurzfristig ihr Vorgehen gegenüber Israel eskaliert, was die israelische Seite wahrscheinlich mit Vorgehen gegen Fähigkeiten der Hizbollah im Libanon beantworten würde. Ein ausgedehnter Konflikt zwischen Israel und der Hizbollah könnte dabei den Interessen der iranischen Führung, die weiterhin eng mit der Hizbollah kooperiert, entgegenkommen.

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