Franz Feyder und Alexander Richter (zuletzt bekannt geworden durch die Asgaard-Geschichte) beschäftigen sich für die NDR-Reihe “Streitkräfte und Strategien” erneut mit dem Thema Somalia. Diesmal geht es um die mutmaßlichen Hintergründe der Piraterie dort und Optionen zu ihrer Bekämpfung.
Die Autoren zitieren einige akademische Stimmen, welche die Ursache der Piraterie in illegaler Fischerei sehen, und erwecken den Eindruck, dass die Bekämpfung illegaler Fischerei ein potentieller Weg zur Eindämmung der Piraterie sei. Wir halten dies jedoch für sehr unwahrscheinlich.
Allgemein halten wir die akademische Diskussion über Lösungen des Piratenproblems für sehr unbefriedigend (siehe auch hier). Auch das neue Vorhaben “Piraterie und maritimer Terrorismus als Herausforderungen für die Seehandelssicherheit” beschränkt seine Untersuchungen eindimensional auf zivile Optionen.
Die Piraterie am Horn von Afrika wird nicht von frustrierten Fischern betrieben, sondern von Banden der organisierten Kriminalität. Auch bei einer Eindämmung der illegalen Fischerei gäbe es für diese Banden keinerlei Anreiz, im Bereich Fischerei aktiv zu werden, da mit Piraterie wesentlich größere Profite ohne großes Risiko zu erzielen sind. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden daher sehr wahrscheinlich wirkungslos bleiben.
Auch der bebauptete Zusammenhang zwischen illegaler Fischerei und Piraterie hat nicht den romantischen Robin-Hood-Charakter, dem ihm manche Akademiker gerne unterstellen. Solche gesichtswahrenden Geschichten werden von westlichen Aktivisten leider oft gerne geglaubt. Viel plausibler und von Piraten teils selbst bestätigt ist die Annahme, dass die Piraterie von Banden ausgeht, welche ursprünglich Schutzgelder von Fischereischiffen erpressen wollten und dann entdeckten, dass Geiselnahme noch profitabler ist.
Aus der Afghanistan-Erfahrung sollte die sicherheitspolitische Diskussion in Deutschland gelernt haben, dass man sich leicht damit überfordern kann, wenn man zur Lösung überschaubarer sicherheitspolitischer Probleme die strukturellen Probleme unterentwickelter Gesellschaften beheben will.
Im Zusammenhang mit diesen Forderungen fällt häufig der Begriff der “Ursachenbekämpfung”. Die reale Ursache des Piratenproblems ist jedoch die Wahrnehmung, dass Piraterie maximale Profite bei geringem Risiko verspricht. Ein naheliegender Weg, das Problem der Piraterie zu erledigen, ist daher die Erhöhung des Risikos für Leib, Leben, Freiheit und Eigentum der Piraten. Ist das Risiko hoch genug, ändert sich die Entscheidungsgrundlage und Piraterie wird eingestellt.
Dass diese Logik in der Praxis funktioniert, zeigen einige Präzedenzfälle:
The French response to Somali piracy is now so well known that “in Puntland they talk about avoiding ‘the French option’,” says John S. Burnett, author of the prescient 2002 study of modern piracy, “Dangerous Waters.” “They know French commandos will come after them,” says Burnett, “and some of these French guys are really tough mothers.”
Wie kinetische Optionen zur Bekämpfung der Piraten aussehen könnten, hat “Information Dissemination” vor einiger Zeit beschrieben. Angesichts des immer noch vergleichsweise geringen Schadens, der durch Piraterie erzeugt wird, werden solche Optionen jedoch wohl mittelfristig nicht zur Anwendung kommen. Frühere Anzeichen von Entschlossenheit in der deutschen Diskussion stellten sich als leere Worte heraus, und die Sicherstellung des Wohlergehens der Piraten bildet weiterhin den Schwerpunkt der deutschen Pirateriebekämpfung.
Nachtrag: Wa die Piraterieabwehr angeht scheinen private Sicherheitskräfte effektiver zu sein als staatliche Marinekräfte.
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