Hinter der Sorge europäischer Regierungen über das geringe Aufkommen von Spenden für die von Hochwasser betroffenen Regionen in Pakisan verbirgt sich das sicherheitspolitische Interesse an der Stabilisierung der immer noch als Partner wahrgenommenen pakistanischen Regierung bzw. die Befürchtung, dass erfolgreiche Mobilisierung der Bevölkerung durch islamistische Hilfe diese zusätzlich destabilisieren könnte.
Das Verhalten der Bevölkerungsmehrheit in Pakistan steht bei vielen Menschen in Europa jedoch offenbar der Entwicklung von Empathie und Spendenbereitschaft im Wege. Deniz Yücel erkärt in der “taz”, warum das pakistanische Volk kein Sympathieträger ist:
Geschieht irgendwo in der Welt irgendetwas, durch das sich Muslime beleidigt fühlen (und das ist eine ganze Menge), strömen als Erstes in Islamabad, Karatschi oder Rawalpindi bärtige Männer und ganzkörperverschleierte Frauen auf die Straßen, verbrennen Fahnen und wünschen lauthals irgendwem den Tod. Dass sie an ihren Füßen häufig kaum mehr als ein Paar Sandalen aus Autoreifen tragen, scheint diese Leute weniger zu stören als die Veröffentlichung irgendwelcher Karikaturen in einem 5.000 Kilometer entfernten Land. Unter den dauerbeleidigten Leberwürsten, als die sich die Muslime so gerne präsentieren, sind die Pakistanis die Ultras.
Auch die sicherheitspolitische Logik hinter der Hilfe für Pakistan überzeugt uns nur eingeschränkt. Das Land wäre ohne westliche Hilfe bereits seit langem nicht mehr lebensfähig und erhielt auch nach früheren Naturkatastrophen wiederholt Hilfe in großem Umfang, ohne dass dies prowestliche Einstellungen in der Bevölkerung oder die Kooperationsbereitschaft der Regierung nachhaltig gefördert hätte. Hilfsorganisationen sorgen zudem dafür, dass Hilfe möglichst nicht als westlich wahrgenommen wird. Zur Dauerinstitution gewordene Hilfe hat darüberhinaus Korruption in der Regierung eher gefördert und vorhandene Anreize für verantwortliche Regierungsförderung verringert.
Die Flutkatastrophe würde jedoch die Gelegenheit bieten, die Stützung der Regierung an politische Konditionen zu binden. Sollte die Situation tatsächlich kritisch für die Regierung sein, so würde sich dies in einer gewissen Konzessionsbereitschaft äußern.
Letzte Kommentare