09. September 2009. Schlagwörter: Afghanistan, Andrew Bacevich, Bret Stephens, George Will, Ralph Peters
Einsatzkritiker wie Andrew Bacevich, George Will oder auch Ralph Peters kritisieren den Einsatz anders als die Friedensbewegung in Deutschland nicht auf der Grundlage von Wunschdenken, Illusionen oder fehlgeleiteter Ideologie. Ihre Kritik beruht auf soliden strategischen Argumenten, und sie schlagen meist auch sinnvolle Alternativen zum Kampf gegen die reale Bedrohung durch militant-islamistische Netzwerke vor. Wenig eingegangen wird von diesen Kritikern jedoch auf die möglichen Folgen eines vorzeitigen Rückzugs.
Bret Stephens geht im “Wall Street Journal” auf die unzureichend thematisierten Folgen eines vorzeitigen Rückzugs ein.
Als Risiken benennt er:
- Der sowjetische Rückzug ermutigte militante Islamisten zu der Vorstellung, sie hätten alleine eine Supermacht besiegt und könnten nun auch den Westen besiegen. Eine wahrgenommene Niederlage des Westens in Afghanistan würde militante Islamisten ähnlich stärken wie es die sowjetische Niederlage tat.
- Ein vorzeitiger Rückzug würde die politische Glaubwürdigkeit des Westens gefährden und die Wahrnehmung bestätigen, dass der Westen trotz technologischer Überlegenheit psychologisch nicht durchhaltefähig genug ist, um sich durchzusetzen. Dies würde Herausforderer ermutigen.
- Verbündete des Westens würden an Vertrauen verlieren, wenn die afghanischen Verbündeten zu früh sich selbst überlassen würden.
Auch wenn die strategische Logik hinter dem Afghanistaneinsatz zweifelhaft war, so besteht derzeit keine sinnvolle Alternative als ihn soweit zu einem Erfolg zu machen, dass dem Gegner die Erklärung eines eigenen Sieges verwehrt bleibt. Im Irak ist dies den USA trotz einer weitaus schwierigeren Lage gelungen, und die richtige Strategie und die notwendigen Mittel vorausgesetzt kann es sehr wahrscheinlich auch in Afghanistan gelingen.
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01. September 2009. Schlagwörter: Afghanistan, Andrew Bacevich, Ralph Peters
In seinem unverwechselbaren Stil kritisiert Ralph Peters den Einsatz in Afghanistan im “Joint Forces Quarterly” und schlägt Alternativen vor:
Afghanistan doesn’t matter. Afghanistan’s just a worthless piece of dirt. Al Qaeda matters. [...] Even a perfect success in Kabul (which we shall not achieve) influences nothing beyond the country’s largely imaginary borders. [...] Even if we could [...] reduce state corruption to a manageable level, if we built thousands of miles of roads, eliminated opium growing, and persuaded Afghans that women are fully human, it would have no effect on al Qaeda.
Hinter der Polemik verbirgt sich eine der stärksten strategischen Kritiken am Einsatz bislang. Peters argumentiert stellenweise ähnlich wie Andrew Bacevich, ohne dessen argumentative Schwächen (z.B. Rückgriff auf die kaum haltbare “Graveyard-of-Empires”-Theorie) aufzuweisen. Bacevich ging in seiner Kritik bislang zudem nicht so weit, wirkliche Alternativen vorzuschlagen.
Peters schlägt statt Nation-Building und Counterinsurgency einen gegnerzentrischen Ansatz vor, der sich darauf beschränkt, mit begrenztem Kräfteansatz das Land für die Taliban unregierbar zu machen, “striking fiercely whenever they come out in the open to exercise control of the population.” Dies würde ausreichen um zu verhindern, dass von Afghanistan erneut Bedrohungen wie vor 9/11 ausgehen. Alles andere sei nicht relevant. Das eigentliche Problem im Zusammenhang mit AQAM sei Pakistan, und der Afghanistaneinsatz gebe der dortigen Regierung ein Druckmittel in die Hand, das angemessene Maßnahmen in dieser Richtung bisher verhindert habe.
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26. August 2009. Schlagwörter: Afghanistan, Andrew Bacevich, Bernard Finel, David Kilcullen, Exit-Strategie, Stephen Biddle, Wilfried von Bredow
In den USA findet eine strategische Diskussion über die Perspektiven des Afghanistan-Einsatzes statt, die den Namen verdient und in der sich die Kritiker des Einsatzes nicht auf friedensbewegte Platitüden oder (mit Ausnahme von Andrew Bacevich) falsche historische Analogien beschränken.
Stephen Biddle hat den unserer Ansicht nach bislang besten Beitrag der Diskussion verfasst. Er kommt trotz zahlreicher begründeter Bedenken zu einer Entscheidung für den Einsatz:
The strategic case for waging war is stronger than that for disengaging, but not by much: The war is a close call on the merits. The stakes for the United States are largely indirect; it will be an expensive war to wage; like most wars, its outcome is uncertain; even success is unlikely to yield a modern, prosperous Switzerland of the Hindu Kush; and as a counterinsurgency campaign its conduct is likely to increase losses and violence in the short term in exchange for a chance at stability in the longer term.
Andrew Bacevich ist ebenfalls ein interessanter amerikanischer Kritiker des Einsatzes, der leider zuweilen das wenig belastbare “Graveyard-of-Empires”-Argument überstrapaziert. Er argumentiert (wie in diesem aktuellen Beitrag), dass der Einsatz einen grundsätzlichen strategischen Fehler darstellt. Die USA hätten auch dann nichts gewonnen, wenn sie sich durchsetzten, sondern gingen in jedem Fall geschwächt aus dem Konflikt hervor. Bacevich erklärt allerdings nicht, wie man den Schaden begrenzen könnte, der mit einem Ende des Einsatzes zum aktuellen Zeitpunkt verbunden wäre. Bacevichs Kritik ist in unseren Augen daher eher relevant für die Entscheidung über künftige Einsätze dieser Art und stimmt in diesem Punkt mit seinem Diskussionsgegner David Kilcullen (einem führenden COIN-Theoretiker und Praktiker) überein:
The big lesson out of all this stuff is: don’t do it again.
Bernard Finel stellt bei “Foreign Policy” zehn Fragen (z.T. rhetorischer Art), welche die strategische Diskussion über den Einsatz beantworten müsste. Eine Auwahl:
Why does the possibility that al Qaeda might establish a sanctuary in Afghanistan justify a multi-year commitment of American forces, while the reality of an al Qaeda sanctuary in Pakistan justifies nothing more than financial support to the Pakistani government and occasional Predator strikes?
And if the goal [der neuen Strategie] is simply to dampen the insurgency to create space for a political process to occur, why is there any reason to assume that the Afghan government would be able to utilize this space more effectively than from early 2002 to early 2005 when there was only limited Taliban activity in the country?
How will the Afghan government pay for all these commitments [Aufbau der ANA etc.] in the future? Will the United States be required to continue to fund Afghan government operations to the tune of several billion dollars annually indefinitely?
Der Politikwissenschaftler Wilfried von Bredow hat erklärt, warum trotz aller begründeten Bedenken ein Ende des Einsatzes kurzfristig nicht sinnvoll wäre:
Vielleicht hätten die Staaten des Westens nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht die Entscheidung treffen sollen, in Afghanistan einzugreifen. Darüber lässt sich streiten. Aber nun, da sie einmal getroffen ist, kann man die Entscheidung nicht einfach wieder rückgängig machen.
Die deutsche Diskussion über “Exit-Strategien” weist gravierende Schwächen auf, die wir bereits erwähnt haben. Eine der größten Schwächen ist, dass sie im Wesentlichen populistisch motiviert ist und daher nicht die zahlreichen problematischen Folgen eines raschen Abzugs und die zu deren Kontrolle erforderlichen unpopulären Maßnahmen anspricht.
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21. Juli 2009. Schlagwörter: Afghanistan, Andrew Bacevich, Counterinsurgency, David Kilcullen
Vor dem Hintergrund der steigenden Verluste in Afghanistan zeigt CNN ein Streitgespräch zwischen David Kilcullen, einem der führenden Counterinsurgency-Experten, und Andrew Bacevich, einem der führenden Kritiker von Counterinsurgency.
Embedded video from <a href=”http://www.cnn.com/video” mce_href=”http://www.cnn.com/video”>CNN Video</a>
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09. Juli 2009. Schlagwörter: Andrew Bacevich, Counterinsurgency
Andrew Bacevich ist der interessanteste amerikanische Kritiker der Counterinsurgency-Diskussion. Er stellt (wie in diesem aktuellen Beitrag) in erster Linie nicht die taktischen und operativen Thesen der Diskussion in Frage sondern behauptet, dass die falsche Diskussion geführt werde. Die Probleme im Irak oder in Afghanistan seien nicht taktischer und operativer Art, sondern lägen im Bereich Strategie: Das Problem sei, dass man überhaupt “Regime Change” versucht habe. Die USA hätten auch dann nichts gewonnen, wenn sie sich in beiden Situationen durchsetzten, sondern gingen in jedem Fall geschwächt aus den Konflikten hervor. Anstatt taktische und operative Fehler zu korrigieren, solle man daher die strategischen Fehler korrigeren, die der Entscheidung zu den Einsätzen zugrunde lag.
Wir stimmen mit der Kritik an militärisch unterstütztem “Regime Change” weitgehend überein. Gerade im Fall Afghanistans zeichnet sich ab, dass es bessere Lösungen für das zugrundeliegende Problem gegeben hätte. Dennoch können die begonnenen Einsatz nicht so ohne weiteres abgebrochen werden, wenn man nicht noch größere Probleme provizieren will. Bacevich wirft der COIN-Diskussion letzlich vor, dass sie Kriege gewinnen wolle, die man erst gar nicht führen solle. Dieser Ansatz ist hilfreich bei der Beantwortung der Frage, wie man auf strategischer Ebene künftig verfahren sollte (etwa im Fall Somalias), aber zur Bewältigung aktueller Herausforderungen trägt er nicht bei.
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07. März 2009. Schlagwörter: Andrew Bacevich, Counterinsurgency, David Kilcullen, Jay Nordlinger
David Kilcullen ist vermutlich der wichtigsten Forscher zum Thema “Counterinsurgency” (auf Deutsch nur unvollkommen mit “Kampf gegen irreguläre Kräfte” übersetzbar) der Gegenwart. Seine Beiträge beruhen auf praktischen Erfahrungen und haben sich auch in der Praxis bewährt, etwa im Irak. Wir haben seine Thesen hier schön öfter diskutiert.
Sein neues Buch, “The Accidental Guerilla”, ist vor wenigen Tagen neu erschienen. Leider ist es bei uns noch nicht angekommen, weshalb wir uns auch noch nicht zum Buch selbst äußern können. Aufgrund Kilcullens Bedeutung für das Thema wagen wir die Empfehlung, dass man das Buch gelesen haben sollte.
In den USA ist die Diskussion bereits in vollem Gange: Andrew Bacevich, ein führender konservativer Kritiker der Einsätze im Irak und Afghanistan, war einer der ersten Rezensenten. Er kritisiert Kilcullen vor allem weil er meint, dass dieser die Möglichkeiten militärischer Interventionen überschätze.
Auch Jay Nordlinger vom “New Criterion” hat das Buch bereits rezensiert (leider nur für Abonnenten zugänglich).
Kilcullen hat auf einige seiner Kritiker geantwortet und betont, dass er keinesfalls die Möglichkeiten militärischen Handelns überschätze. Ein Auszug aus seinem Buch:
[C]ounterinsurgency in general is a game we need to avoid wherever possible. If we we are forced to intervene, we now (through much hard experience) have a reasonably sound idea of how to do so. But we should avoid such interventions wherever possible, simply because the costs are so high and the benefits so doubtful.
Sobald das Buch bei uns ankommt, werden wir es vor dem Hintergrund des Afghanistan-Einsatzes ebenfalls rezensieren.
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