Zum aktuellen Vorfall bei Kunduz einige Fragen von unserer Seite:
1. Warum wird bei Meldungen über Gefallene stets nur der Opferaspekt in den Vordergrund gestellt? Warum demütigt und beleidigt die politische Führung die Gefallenen, indem sie sie als wehrlose Opfer darstellt und über sie spricht, als wären sie bei einem Unfall passiv gestorben? Warum wird nicht in den Vordergrund gestellt, dass die Soldaten, die in den Hinterhalt gerieten, tapfer gekämpft haben und einer Übermacht von 200 feindlichen Kämpfern standhielten? Wäre so eine Anerkennung für die Soldaten und ihre Angehörigen nicht wertvoller als jede routinemäßig geäußerte oberflächliche Trauer oder die übliche “tiefe Betroffenheit”?
2. Statt “tiefer Betroffenheit” , “Entsetzen” und “Bestürzung” würden wir uns von der politischen Führung feste Entschlossenheit oder ein anderes Zeichen von Stärke wünschen. Wie will die Bundesregierung mit demonstrativem Defätismus Vertrauen und Rückhalt unter deutschen Soldaten, deutschen Wählern und afghanischen Verbündeten gewinnen?
3. Wer trägt die Verantwortung dafür, dass der Feind 200 Kämpfer nahe Kunduz konzentrieren konnte? Warum verfügt die Bundeswehr immer noch nicht über Mandat und Fähigkeiten (ausreichend Infanterie, Artillerie, Kampfhubschrauber), um entsprechend zu handeln? Warum wurde gegen die beachtliche Konzentration feindlicher Kämpfer offenbar kein Luftangriff befohlen?
4. Warum ist die Bundeswehr noch immer nicht in der Fläche bzw. in der Bevölkerung des Distrikts Chahar Darreh präsent, um Feindpräsenz dort zu unterbinden (Höhe 431 ist das Gegenteil von Präsenz in der Fläche)?
5. Warum empören sich Politik und Gesellschaft über Oberst Klein, der unter schwierigen Bedrohungen entschlossen handelte, aber nicht über jene, die durch die Anordnung von Passivität dem Feind Aktionen wie die von heute ermöglichten?
6. Der Verteidigungsminister behauptet, der Tod der Gefallenen belege die Notwendigkeit des deutschen Einsatzes und impliziert damit, dass die Politik der Bundesregierung richtig sei. Diese Instrumentalisierung der Gefallenen lehnen wir ab. Hat der Minster es nötig, sich bzw. die strategische Konzeptlosigkeit der Bundesregierung hinter den Gefallenen zu verstecken?
7. Renate Künast und Jürgen Trittin (Bündnis90/Die Grünen) versuchen ebenfalls, die Gefallenen für ihre Forderung nach einer “Abzugsperspektive für Afghanistan” zu instrumentalisieren. Meinen die Grünen, dass der Tod einer relativ geringen Zahl von Soldaten ein ausreichender Grund für den Abbruch eines militärischen Einsatzes ist? Falls ja: Wie will man unter diesen Bedingungen jemals einen Einsatz erfolgreich zu Ende bringen?
8. Welchen Sinn hat der Tod deutscher Soldaten angesichts einer deutschen Strategie, von der keine uns bekannte Person mit Kenntnis der Lage vor Ort erwartet, dass sie zur Bewältigung der Herausforderungen einen Beitrag leisten wird?
9. Würde die deutsche Öffentlichkeit den Tod einer noch größeren Zahl deutscher Soldaten und vieler Afghananen (nicht alle davon als Aufständische identifizierbar) verkraften, wenn das Vorgehen der Bundeswehr einiges Tages doch noch an den Erfordernissen der Lage ausgerichet würde? Und welche deutschen Interessen würden den für einen erfolgreichen Abschluss des Einsatzes erforderlichen Aufwand rechtfertigen?
10. Wird die Friedensbewegung wie angekündigt den Tod der Gefallenen feiern?
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