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Afghanistan: Präsenz der Aufständischen und Vertrauensverlust der Bevölkerung in der Provinz Balkh

Brigadegeneral Hans-Georg Schmidt (“Base Commander” in Mazar-e-Sharif, nicht der Kommandeur des PRT wie irrtümlich zuerst von uns behauptet) äußerte sich gegenüber der BBC zur Präsenz der Aufständischen in der Fläche der Provinz Balkh:

“In a major city like Mazar-e-Sharif, the local government is working well, but as soon as you get out into the countryside, smaller villages are all threatened by Taliban,” he says. “There are pockets of insurgents around Kunduz and elsewhere, and in those areas, in particular the Americans suffered heavy casualties over the past few weeks. But also in the west, the Swedish PRT is under constant attack from insurgents.”

Die Provinz im Norden Afghanistans mit ihrer Hauptstadt Mazar-e-Sharif gilt als eine der erfolgreichsten und stabilsten des ganzen Landes. Selbst hier gelingt es ISAF und afghanischen Sicherheitskräften bislang aber offenbar nicht, in der Fläche ausreichend präsent zu sein, um Aktivitäte der Aufständischen zu unterbinden.

Der Beitrag beschreibt, wie die Bevölkerung in Folge mangelnder Sicherheit zunehmend das Vertrauen in ISAF und afghanische Regierung verliere:

She says many Afghans are losing faith in Nato, their government, and their future. “Security is not good here,” she says. “America and other foreign troops have been here for nine years. Why we don’t have peace and security? I believe, in my life, there will be no peace or social justice. What I want is a better life for my children.” [...] The over-riding impression from a tour aimed at seeing progress was the impression that many Afghans are sitting on the fence, increasingly unwilling to throw in their lot with the government that Nato forces are in Afghanistan to support.

Die Kontrolle der Bevölkerung wäre in erster Linie durch die Schaffung von Sicherheit durch Präsenz von Sicherheitskräften realisierbar gewesen. Einige politische Führungen, auch die deutsche, haben dies bis heute entweder nicht verstanden und wollen die damit verbundenen Risiken nicht eingehen. Der Öffentlichkeit gegenüber wird der gescheiterte Ansatz der militärischen Passivität weiterhin als erfolgreicher “ziviler” Ansatz dargestellt.

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Afghanistan: Desinformation deutscher Medien bzgl. der Petraeus-Weisung

Uns fällt auf, dass beinahe alle von uns beobachteten Medien eine falsche und irreführende Übersetzung eines Satzes von General Petraeus aus der neuen COIN-Direktive verwenden (“Rammt Eure Zähne ins Fleisch der Taliban…” etc.) Warum? Sind im Sommerloch in allen Redaktionen nur Praktikanten eingesetzt, die es nicht besser wissen? Oder bedient man sich gängiger Stereotypen vom in “Wildwest-Manier” agierenden Amerikaner, um Schlagzeilen zu produzieren? Der Begriff der “Desinformation” erscheint uns angesichts des Verhaltens des Großteils der Medien in jedem Fall als angemessen.

Dabei verbergen sich in den Äußerungen von General Petraeus auch ernsthafte Nachrichten, die man den Lesern aber offenbar nicht zumuten will. Im ehemaligen Land der Dichter und Denker gibt es offenbar keine relevante Zielgruppe mehr für derart komplexe Themen. Vielleicht haben auch die meisten Journalisten nicht verstanden, was die neue COIN-Weisung tatsächlich bedeutet. Wer seriöse Berichterstattung zu dem Thema sucht, wird in Deutschland nicht fündig werden. Falls wir uns in diesem Punkt irren sollten, bitten wir um Korrektur und ggf. Quellenhinweise.

Den Höhepunkt der Desinformation bzgl. der Petraeus-Weisung erreichte heute die Nachrichtenagentur ddp:

«Rammt eure Zähne gemeinsam mit den afghanischen Verbündeten ins Fleisch der Taliban und lasst nicht mehr los». ISAF-Offiziere in Kabul sprachen von «Wildwestmanieren». Eine solche Sprache hätten sie «noch nie gehört, auch nicht unter der Hand in Offizierskreisen».

Wir vermuten, dass Herr S. der Verfasser dieser Sätze ist. Er übernimmt nicht nur die falsche Übersetzung, sondern zitiert auch angebliche “Militär- und Geheimdienstkreise” mit einer Bewertung, von der er mit Sicherheit weiß, dass sie nicht ernst gemeint sein kann bzw. nicht wahr ist. So naiv kann Herr S. nicht sein, dass er nicht wüsste, welche Sprache “unter der Hand” zuweilen gesprochen wird. Im Übrigen verstehen die genannten Kreise in der Regel die englische Sprache und neigen auch nicht zu Empörungsgehabe bei der Ansprache normaler militärischer Sachverhalte.

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USA: Ausbleibender Erfolg der neuen Afghanistan-Strategie gefährdet innenpolitische Durchhaltefähigkeit

In den USA ist der innenpolitische Rückhalt für den Afghanistan-Einsatz zunehmend gefährdet. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte die ohnehin innenpolitisch unter Druck stehende Regierung den Einsatz wohl nur noch für sehr begrenzte Zeit aufrechterhalten. Diese Sorge wurde bereits bei der Erarbeitung der neuen Strategie 2009 geäußert und führte dazu, dass  man sich trotz der daraus entstehenden kontraproduktiven Wirkung auf einen frühzeitigen Beginn der Rückverlegung festlegte.

Die neue Strategie sollte u.a. rasch sichtbare Erfolge beim Halten und Stabilisieren von Räumen an den Schwerpunkten der Aufstandsbewegung erzielen, um auf afghanischer Seite die Bereitschaft zur Unterstützung der Regierung sowie zum Widerstand gegen die Aufständischen zu stärken. Einige erwarteten auch, dass diese Erfolge den innenpolitischen Rückhalt in den Bevölkerungen der USA und anderer NATO-Staaten lange genug sicherstellen hätten können, um den Einsatz noch zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

Das Musterprojekt der Umsetzung der neuen Strategie jedoch, die Umsetzung von “Shape-Clear-Hold-Build” im Raum Marjah in der Provinz Helmand (“Operation Moshtarak”), war jedoch wenig erfolgreich:

“Marjah, the focus of a much-hyped battle just a few short months ago, said to herald “the turning point of the war,” is now a dangerous and volatile place. [...] [S]erious cracks in the arrangement became too apparent to hide. The “government in a box” promised by Gen. Stan McChrystal, the former commander of U.S. and NATO troops in Afghanistan, did not bring the stability and peace it was supposed to. Instead, district governor Haji Mohammad Zahir could not establish rapport with the local population and was quietly removed in mid-July. The Taliban, far from “melting away” as expected, stood their ground and began to mount terror operations against the local population.

Die für den Raum Kandahar geplante Folgeoperation wird daher wahrscheinlich nicht in der geplanten Form stattfinden, was die gesamte Strategie in Frage stellt. Zudem ist nicht mehr erkennbar, wie der Trend der sinkenden Unterstützung des Einsatzes in den USA angesichts dieser Entwicklung mittelfristig noch aufgehalten werden kann. Geht die Entwicklung so weiter, dann wird diese Unterstützung vermutlich noch dieses Jahr ein kritisches Minimum unterschreiten. Die ohnehin innenpolitisch unter Druck stehende amerikanische Regierung wird ihr Engagement in der aktuellen Form dann nicht mehr lange aufrechterhalten können.

Im Raum Kandahar wird in den kommenden Monaten daher möglicherweise die Entscheidung über die Zukunft des Einsatzes herbeigeführt werden:

Securing the city is considered pivotal if the NATO-led coalition is to reverse the Taliban momentum in their southern stronghold. Failure would be a grave – if not fatal – blow to the entire NATO-led mission in Afghanistan. Without measurable progress in the coming months, political support for the conflict may collapse.

Wir sind aufgrund der ausbleibenden Erfolge der neuen Strategie seit einigen Monaten der Ansicht, dass ein Erfolg des Einsatzes in seiner jetzigen Form nicht mehr wahrscheinlich ist.

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Afghanistan: Counterterrorism vs. Counterinsurgency

Vorgehensweisen des “Counterterrorism” (CT) haben ihre Wirksamkeit zur Bekämpfung militanter Netzwerke in Afghanistan und Pakistan mehrfach unter Beweis gestellt, während “Counterinsurgency” (COIN) als operativer Ansatz im Rahmen einer Strategie des Nation-Building bislang keine überzeugenden Resultate in Afghanistan gezeigt hat.

Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, ob man in Afghanistan mit großem Aufwand und ungewissem Ausgang “Counterinsurgency” betreiben muss, wenn bewährte und weniger aufwendige Methoden ausreichen, um die geforderte Wirkung (nämlich Unterbindung der Präsenz internationaler militanter Netzwerke) zu erzielen. Die Diskussion über “Nachsorgeoperationen” geht in diese Richtung.

Ob der verstärkte Einsatz von “Counterterrorism”-Vorgehensweisen (“kinetic targeting”) durch die USA in Afghanistan ähnliche Gründe hat, ist noch unklar. Möglicherweise versuchen die USA, CT zur Unterstützung des COIN-Ansatzes einzusetzen, um Aufständische so unter Druck zu setzen, dass sie zu Verhandlungen bereit werden.

Frühere Versuche dieser Art waren allerdings wenig erfolgreich, auch wenn es Beispiele dafür gibt, dass nachhaltiger Druck durch CT-Maßnahmen strategische Wirkung zeigen kann. Die Hamas stellte als Reaktion auf israelische Tötung zahlreicher hochrangiger Führer z.B. Selbstmordanschläge dauerhaft ein. Ähnliche Wirkung in Afghanistan würde aber voraussetzen, dass die USA dauerhaft militärisch in der Region vorgehen und z.B. Führungsziele der Aufständischen auch an Orten wie Quetta und Karachi in Pakistan bekämpfen, was aus politischen Gründen eher unwahrscheinlich ist.

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Afghanistan: Kontrolle der Bevölkerung durch Einschüchterung als Erfolgsfaktor der Aufstandsbewegung

In der Counterinsurgency-Diskussion wird der “Schutz der Bevölkerung” in Afghanistan inklusive der Minimierung von Opfern in dieser Bevölkerung als Voraussetzung für militärische Erfolge verstanden.

Wir halten die Formulierung des “Schutzes der Bevölkerung” jedoch für einen irreführenden Euphemismus. In der Praxis geht es weniger um “Schutz der Bevölkerung” als um die Kontrolle derselben. Wir halten französische COIN-Ansätze in diesem Zusammenhang für realiätsgerechter als amerikanische. Kritik an der amerikanischen COIN-Doktrin und ihrem Schwerpunkt auf Vermeidung von Opfern etc. betont, dass die amerikanischen Erfolge in den sunnitischen Teilen des Iraks 2006 im Wesentlichen eine Folge der Wahrnehmung amerikanischer Kräfte als “stärkster Stamm” waren und mit einem Anstieg an zivilen Kollateralschäden einhergingen.

Wichtiger als Beliebtheit ist die glaubwürdig demonstrierte Fähigkeit, den eigenen Willen gegen Herausforderer konsequent durchsetzen zu können, Abweichler zu bestrafen sowie Verbündete zu belohnen. Der rasche Zusammenbruch der Taliban Ende 2001 hatte auch damit zu tun, dass die afghanische Bevölkerung die Erwartung hatte, dass die USA so handeln würden wie oben beschrieben.

Wenn die Vermeidung von Opfern unter der Bevölkerung ein wesentlicher Faktor für militärischen Erfolg in Afghanistan/Pakistan wäre, hätten die Aufständischen längst verloren. In Afghanistan töten die Aufständischen weit mehr Zivilisten als westliche Kräfte es tun. Dies schadet den Aufständischen jedoch nicht, sondern ist eine der Ursachen ihres relativen Erfolges. Die Aufständischen sind nicht deshalb erfolgreicher als westliche Kräfte, weil sie beliebter sind und die Zivilbevölkerung stärker schonen würden, sondern weil sie brutaler sind und von den Menschen stärker gefürchtet werden.

Während der operative Erfolg der Reduzierung ziviler Kollateralschäden durch ISAF weiterhin auf sich warten lässt, demonstrieren die Aufständischen in Afghanistan und Pakistan täglich ihr überlegenes Verständnis der Bedeutung der Kontrolle der Bevölkerung.  Sowohl in Afghanistan als auch in Pakistan scheiterten zahlreiche Versuche des Widerstands gegen die Aufständischen nur an der raschen und harten Reaktion der Aufständischen und nicht etwa an der größeren Beliebtheit der Aufständischen.

Der heutige Anschlag der pakistanischen Taliban auf eine Versammlung von zum Widerstand bereiten Stammesführern in Mohmand im Nordwesten Pakistans ist nur ein Beispiel von vielen für die konsequente Ausübung von Kontrolle über Bevölkerungen durch die Aufständischen. Auch wenn bei aktuellen Anschlag rund 60 Zivilisten getötet wurden, so kann man sich sicher sein, dass es dagegen keine Demonstrationen und nur wenig offen geäußerte Empörung geben wird. Die Aufständischen demonstrieren mit solchen Aktionen glaubwürdig, dass sie stärker und entschlossener sind als ihre Gegner. Das ist für die Gewinnung von “Hearts and Minds” viel wichtiger als der Bau von Mädchenschulen, die man inklusive der Schülerinnen mangels Präsenz in der Fläche ohnehin nicht sichern kann.

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Guttenberg: "Nachsorgeoperationen" und strategische Alternativen zum Afghanistan-Einsatz

Leser “politisch inkorrekt” wies uns auf eine aktuelle Aussage von Verteidigungsminister zu Guttenberg hin, welche wir für bemerkenswert halten:

Ein weiteres Fass, das der Minister in seiner Hamburger Rede aufmachte, enthält Spezialkräfte-Operationen in Zusammenarbeit mit Geheimdiensten. Diese konkreten Reizworte mied er allerdings, obwohl er sagte, diese Debatte fehle „in unserem Lande noch völlig und treibt einigen sofort die Schweißtropfen auf die Stirn“. Man müsse diese Debatte dennoch „proaktiv“ führen. In der Diktion des Ministers klang das so: „Wie gehen wir künftig mit Nachsorgeoptionen um? Stichwort Afghanistan.“ Wenn dort „aus welchen Gründen auch immer ein Abzugsszenario entstehen mag“, würden diese Optionen formuliert werden müssen. Nicht nur für Afghanistan werde man künftig womöglich „auf ein Optimum an nachrichtendienstlichem Austausch international zurückgreifen“ müssen, aber auch auf die Möglichkeit, „gezielt punktuell eingreifen zu können“.

Seit einiger Zeit werden international Alternativen zur gegenwärtigen Strategie in Afghanistan diskutiert, vor allem in den USA. Es setzt sich dort die Erkenntnis durch, dass Counterinsurgency eine zu aufwendige Antwort auf die Bedrohung durch zahlenmäßig sehr begrenzte Zahlen feindlicher Kämpfer ist. In Afghanistan hätte es 2001 ausgereicht, eine niedrige vierstellige Zahl von Personen aus dem Umfeld internationaler militant-islamistischer Netzwerke (sowie einige sie unterstützende Mitarbeiter pakistanischer Behörden) zu töten oder festzunehmen. Statt dessen weitete man den Einsatz auf die möglicherweise mit realistischem Aufwand nicht lösbare Aufgabe aus, Afghanistan zu demokratisieren und dort staatliche Strukturen aufzubauen. Der eigentliche Feind wich unterdessen nach Pakistan aus und ist auch im Jemen oder Somalia seitdem verstärkt aktiv geworden. Westliche Staaten haben ihre Kräfte im Irak und in Afghanistan bereits überdehnt, und der COIN-Ansatz ist kaum auf andere Regionen übertragbar. Es stellt sich daher die Frage nach strategischen Alternativen (Charles Krulak, Ralph Peters, George F. Will).

Diese Alternativen werden begrenzt bereits im Sahel, auf den Philippinen, im Jemen, in Somalia und anderswo praktiziert. Sie bestehen in der mit niedrigem Profil erfolgenden Unterstützung lokaler Partner in bestimmten taktischen Bereichen sowie in der Tötung und Gefangennahme feindlicher Kämpfer. Die USA erklärten jüngst, diese Alternativen stärker als bisher im Nahen Osten zu verfolgen zu wollen. Guttenbergs Worte hören sich für uns so an, als plane man auch auf deutscher Seite solche Alternativen (vermutlich in Abstimmung mit Verbündeten) bezüglich Afghanistan.

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Counterinsurgency: Falsche Lehren aus dem Irak?

Zunehmend hören wir Kritik aus den amerikanischen Streitkräften an der aktuellen Counterinsurgency-Strategie, die als angebliche Lehre aus dem Irak

Das “Captain’s Journal” formuliert diese Kritik so:

[T]he popular myth has grown up around Western Iraq that makes it all about drinking chai, siding with the tribes, going softer in our approach, and finally listening to them as they communicated to us.  And the leader of this revolution in counterinsurgency warfare was none other than General Petraeus.  We were losing until he appeared on the scene, and when he did things turned around.

Wir hörten von Personen, die während der Ereignisse in Anbar vor Ort eingesetzt waren, dass im Vorfeld nicht weniger gekämpft wurde, sondern mehr, und dass dabei auch die Zahl ziviler Kollateralschäden zugenommen hätte. Es habe Spannungen zwischen internationalen Kämpfern und der sunnitischen Bevölkerung gegeben. Sunnitische Führer seien erfolgreich eingeschüchtert worden, und wo sie nicht zu den Bedingungen der internationalen Kämpfer kooperierten, seien sie häufig auf abschreckend grausame Weise getötet worden. Ähnliches ist ja auch in Afghanistan und Pakistan zu beobachten, auch im Raum Kunduz.

Das amerikanische Vorgehen hätte “Al-Qaida im Irak” (AQI) jedoch punktuell so tiefe Wunden geschlagen, dass sich einzelne sunnitische Führer zur Herausforderung von AQI entschlossen hätten. AQI war zu schwach, abschreckend Vergeltung zu üben, und darauf hin hätten auch andere sunnitische Führer sich zum Widerstand entschlossen. Deren Willen zu einer ausgedehnten Konfrontation mit den USA sei schon zuvor größtenteils gebrochen worden, v.a. durch den Druck militanter Schiiten.

Viele Vorgehensweisen der Amerikaner werden gegenwärtig als Schlußfolgerungen aus den Erfahrungen im begründet. Offenbar kann man aus den relativen Erfolgen im Irak ab ca. 2006 aber unterschiedliche Schlußfolgerungen ziehen. Trifft die Darstellung u.a. unserer Bekannten zu, dann war die Ursache dieser Erfolge nicht eine Schwerpunktsetzung auf zivilen Maßnahmen etc., sondern die vorwiegend kinetisch herbeigeführte Beeindigung der Fähigkeit wichtiger Teile der Aufstandsbewegung, die Bevölkerung einzuschüchtern.

Wir halten allgemein nicht viel davon, die Bedeutung von Schlußfolgerungen aus der amerikanischen Irak-Erfahrung für den Einsatz in Afghanistan zu übertreiben. Die Zerschlagung von aufständischen Netzwerken bei gleichzeitig starker Präsenz eigener Kräfte in der Bevölkerung ist jedoch ein Grundelement der meisten erfolgreichen Einsätze gegen Aufstandsbewegungen. Es gibt vermutlich auch in Afghanistan keinen magischen Ausweg, der es einem erlauben würde, ohne kinetisches Vorgehen und ohne starke Präsenz eigener Kräfte erfolgreich zu sein.

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Kunduz: Meldungen über positive Wirkung des Vorgehens von Milizen

Ein aktueller Beitrag in der “New York Times” beleuchtet die gegenwärtige Lage in der Provinz Kunduz und spricht von einer positiven Wirkung des Vorgehens afghanischer Milizen:

Not long ago even police cars could not drive down the eastern approaches to the city of Kunduz, for fear of rocket attacks from Taliban insurgents. No more.

Wichtig ist, dass das Vorgehen der Milizen bislang von der Bevölkerung akzeptiert wird, einer gewissen politischen Kontrolle unterliegt und auch von paschtunischen Führern unterstützt werde, die sich  z.T. durch die von internationalen militanten Islamisten unterstützten Taliban bedroht sähen. Die Einschüchterungsstrategie der Taliban sei hier kontraproduktiv gewesen. Die in der afghanischen Bevölkerung (auch unter Paschtunen) u.a. aufgrund dieser Einschüchterung vorhandene Ablehnung der Taliban geht in der deutschen Diskussion leider weitgehend unter bzw. wird in der allgemeinen Aufregung über von ISAF verursachte zivile Kollateralschäden fast nicht wahrgenommen.

Eine der wichtigsten sicherheitsrelevanten Entwicklungen in der Provinz Kunduz in den letzten Wochen und Monaten war die Aufstellung von Milizen, die mit Unterstützung des afghanischen Nachrichtendienstes NDS und amerikanischer Spezialkräfte gegen Aufständische in einigen Distrikten vorgingen. Soweit dies offen bekannt ist, ist die Bundeswehr nicht an dieser Initiative beteiligt, und mit Ausnahme eines Beitrags von Friederike Böge wurde das Geschehen von deutschen Medien weitgehend ignoriert.

Wir hatten das Thema in mehreren Beiträgen angesprochen und u.a. auf die potentiellen Probleme hingewiesen. Landesweit laufen derzeit mehrere Initiativen zur Aufstellung und Unterstützung von Milizen, etwa die “Community Defence Initiative“, wobei unklar bleibt, in wiefern die Milizen im Norden darin eingebunden sind.

Aus Mullah Omars jährlicher Eid al-Adha-Botschaft ging hervor, dass die Taliban das Vorgehen der Milizen durchaus mit Sorge betrachten, und die Taliban im Raum Kunduz versuchen, ihre übliche Einschüchterungsstrategie anzupassen und Milizenführer zu töten.

Die Bundesregierung vergibt derzeit die Chance, das Vorgehen der Milizen so zu unterstützen, dass es nachhaltige Wirkung erzielen kann und gleichzeitig die bekannten Risiken minimiert werden. Der Bundeswehr fehlen die Kräfte und der Auftrag dazu, und zivile Hilfsorganisationen wehren sich beharrlich dagegen, ihr Vorgehen im Rahmen einer Stabilisierungsstrategie zu koordnieren. Das bedeutet nicht, dass die Milizen scheitern werden oder ihr Vorgehen zu Anarchie führen wird, aber aufgrund der deutschen Versäumnisse wird solch ein Ausgang wahrscheinlicher.

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Kunduz: Warum die Aufständischen erstarkten

Die politische Führung und Vertreter fast aller Parteien behaupten gerne, dass der Einsatz der Bundeswehr im Norden Afghanistans eigentlich ein Erfolg sei, und dass die zu beobachtende Verschlechterung der Bedrohungslage und das Erstarken der Aufständischen primär eine Folge des angeblich unangemessen kinetischen Vorgehens der USA oder der Briten im Süden und Osten des Landes sowie ziviler Kollateralschäden sei. Diese Darstellung gehörte zu den durch den ehemaligen Verteidigungsminister verbreiteten Unwahrheiten, für die er praktisch nie kritisiert wurde. Andere meinen, dass zuwenig zivile Aufbauhilfe oder andere Faktoren die primäre Ursache dieser Entwicklung seien.

Wir meinen hingegen, dass das zentrale Problem im Norden mangelnde Präsenz der Bundeswehr in der paschtunischen Bevölkerung in Verbindung mit militärischer Passivität ist. Carlotta Gall beschreibt in der “New York Times”, wie die Passivität der Bundeswehr den Aufständischen ermöglichte, im Raum Kunduz zu erstarken:

Kunduz, a fertile farming region interspersed with desert, has had a trajectory similar to that of many other provinces, as the insurgents extended their hold through calculated intimidation and exploitation of tribal ties. By the spring of 2008, militants started appearing in groups of as many as 100, with some foreign fighters among them, local residents and officials said. They assassinated local leaders, including a Pashtun Koran reader who was beheaded, and quickly took control of several Pashtun areas, forcing ethnic Uzbeks from their homes in some districts, said Wakil Qara Qushlik, a local leader who had to flee his village last year. The Taliban were at first more subtle with their fellow Pashtuns. A group of them came last spring without guns to introduce themselves to one prominent Pashtun family in Chahardara, and asked for support. They were worried about their own safety then, one family member said, asking not to be named. “They were behaving very well with the people,” he said. “They stopped thieves, and brought law and order to the area.” But as elsewhere, that changed as the Taliban gained power and confidence, he said. This year the Taliban arrived with “lots of cash, new dollars and guns,” and began collecting ushr, an Islamic tax, from farmers. Now, he said, they come to his home and demand to be fed, and have begun an intimidation campaign against his family for not supporting them at the beginning.

Alle diese Entwicklungen hätten militärisch verhindert werden können. Dies geschah nicht, weil die Bundesregierung dies ausdrücklich nicht wollte. Nicht nur Minister Jung hat über die Lage im Norden die Unwahrheit gesagt und damit dazu beigetragen, dass eine Diskussion über die Erfordernisse der Lage bis heute in Deutschland nur sehr unzureichend stattfindet.

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Afghanistan: Nutzung traditioneller Strukturen im Rahmen von COIN

Die gegenwärtige Afghanistan-Diskussion ist auf fachlicher Ebene u.a. von der Suche nach Alternativen und Ergänzungen zur Zusammenarbeit mit der Zentralregierung sowie der Suche nach Möglichkeiten zur Abspaltung von Kämpfern und mittleren Führern der Aufstandsbewegung und der stärkeren Abstützung auf traditionelle Strukturen geprägt.

Ein vielbeachteter Text in diesem Zusammenhang (erschienen unter dem Titel “One Tribe at a Time”) stammt von Jim Gant, der als Major im Rahmen von Einsätzen amerikanischer Spezialkräfte über praktische Erfahrungen u.a. in der Zusammenarbeit mit traditionellen Strukturen verfügt. Er entwickelt auf der Grundlage seiner Erfahrungen Vorschläge für eine “Tribal Engagement Strategy”. Die Diskussion erweckt den Eindruck, dass man da weitermachen möchte, wo man 2001 oder 2002 aufgehört hat und sich für die wenig erfolgreiche aktuelle Strategie entschieden hat.

Friederike Böge, die zur Zeit wichtigste deutsche Journalistin mit Afghanistan-Bezug, schreibt in einem aktuellen Beitrag: “Und Richter Sayed Faruq Omar wird wohl sagen, das mit der Demokratie und der Idee von einem modernen Staatswesen, das war damals so.”

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Kunduz: Aufständische töten Milizenführer

Sayyid Rahman, einer der Anti-TB Kommandeure in Khan Abad, ist durch ein Roadside-IED getötet und ein anderer (Qazi Shamsuddin) und dessen Bruder Berichten zufolge verwundet worden.

Ich bin (wie auch beim targetting von INS) geneigt, dem Tod von Einzelpersonen zunächst keine allzugroße Bedeutung beizumessen, solange die dahinterstehende Dynamik weiterbesteht. Extrem problematisch ist trotzdem, dass die Bundeswehr trotz ihrer (aus afghanischer Sicht noch viel gewaltigeren) Kampfkraft nicht in der Lage / nicht willens ist, ihre Präsenz in ein Mehr an Sicherheit sogar für ihre Verbündeten und Mitstreiter umzusetzen. Sie hätte die Anschläge nicht verhindern können, wenn sie sich aber noch nicht einmal bemüht (weitere Anschläge und Re-Infilitration von TB werden folgen) sondern unter “Sicherheit” weiterhin die eigene Sicherheit versteht ist sie bestenfalls ein Störfaktor, der durch die für Afghanen dann unerklärliche Präsenz die Mobilisierungsrhetorik der Aufständischen (”AFG ist von bewaffneten Ungläubigen mit finsteren Absichten besetzt, aber wir können sie schlagen, weil sie feige sind”) unterstreicht.

Bürokratien reagieren langsam und gehorchen ihren eigenen Gesetzen, aber wir riskieren, dass wir die Lage in naher Zukunft gar nicht mehr beeinflussen können. Bei allem Verständnis für kurzfristige innenpolitische Sachzwänge; wir marschieren sehenden Auges in den Abgrund. die Politik dürfte sich auch aus Eigeninteresse nicht nur an deutschen Wahlterminen sondern müsste sich zumindest ein bisschen an der Lage vor Ort orientieren. Denn das große Scheitern in Afghanistan kann durchaus noch vor dem Ende der Legislaturperiode unübersehbar werden, insofern wird das Problem nur aufgeschoben.

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Counterinsurgency in Afghanistan: Mangelndes Vertrauen der Bevölkerung in politischen Willen des Westens behindert Anstrengungen

Wir haben schon häufig darauf hingewiesen, wie öffentliche Bekundungen von Schwäche und Mangel an Entschlossenheit das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in die Ernsthaftigkeit des Einsatzes untergraben und damit Anstrengungen behindern, die Unterstützung der afghanischen Bevölkerung zu gewinnen. Wie soll z.B. ein deutscher Soldat die Unterstützung eines Dorfes im Kampf gegen die Aufständischen gewinnen, wenn seine militärische Führung ihm keine dauerhafte Präsenz dort gestattet und die Politiker in der Heimat nur über “Exitstrategien” diskutieren? Viele Afghanen glauben unter diesen Bedingungen nicht, dass internationale Kräfte sie wirklich vor den Aufständischen beschützen werden, wenn sie sich offen gegen diese stellen.

Die Aufständischen agieren hier viel kompenter. Sie sind in der Bevölkerung zwar allgemein unbeliebt, aber sie sind scheinbar stets präsent, kommunizieren niemals Schwäche und setzen jeden glaubwürdig unter Druck, der sich gegen sie stellt. Die Aufständischen werden gewinnen wenn es ihnen gelingt, nicht zu verlieren und den Aufbau des afghanischen Staates durch Einschüchterung der Bevölkerung so lange zu sabotieren, bis der Westen abzieht.

Angesichts des inkonsistenten Auftretens ihrer politischen Führung haben auch die amerikanischen Marines in Helmand Schwierigkeiten, die Unterstützung der potentiell kooperativen Bevölkerung zu gewinnen:

“The No. 1 question the Marines get is: ‘When are you going home?’ ” said Brig. Gen. Larry Nicholson, an Iraq combat veteran and now the top Marine in Afghanistan. “They can’t believe we’re staying.” [...] After 10 days of intense fighting, the Marines pushed Taliban fighters out of several small villages. The troops fanned out and announced to startled villagers that they had arrived to protect the population from the Taliban. But a whisper campaign, which Marines blame on the Taliban, suggested that the Americans would leave as soon as President Hamid Karzai was reelected. The message was clear: Anyone who cooperates with the Americans is marked for death.

Counterinsurgency kann funktionieren, wenn die notwenigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden und der politische Wille vorhanden ist, diese in der Bevölkerung zur Kontrolle der Bevölkerung (freundlich ausgedrückt “zu ihrem Schutz”) einzusetzen. Wo dieser Wille nicht vorhanden ist, funktioniert der Ansatz nicht.

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Gazastreifen: Strategische Wirkung der “Operation Gegossenes Blei”

Jene Friedensforscher, die entgegen aller empirischen Fakten bzgl. des israelisch-palästinensischen Konflikts von “Gewaltspiralen” sprechen und militärischem Handeln in Konfrontationen mit irregulären Akteuren grundsätzlich jede positive strategische Wirkung absprechen sind erneut widerlegt worden: Es steht mittlerweile empirisch fest, dass die israelische “Operation Gegossenes Blei” die Motivation der Hamas zur Fortsetzung der bewaffneten Strategie zumindest vorläufig gebrochen hat.

Between April 2001 and the end of 2008, 4,246 rockets and 4,180 mortar shells were fired into Israel from Gaza, killing 14 Israelis, wounding more than 400 and making life in southern Israel intolerable. During what was supposed to be a cease-fire during the last half of 2008, 362 rockets and shells landed. Meanwhile, between late 2000 and the end of 2008, Israeli forces killed some 3,000 Gazans. Since April there have been just over two dozen rocket and mortar strikes — or less than on many single days before the war. No one has been seriously injured, and life in the Israeli town of Sderot and the area around it has returned almost to normal.

Die Operation war schon unmittelbar nach ihrer Durchführung allgemein als militärischer Erfolg bewertet worden. Die israelische Seite setzte zahlreiche neue Fähigkeiten und Taktiken erfolgreich ein, während die Taktiken der Hamas (die sich an denen der Hizbollah anlehnten) als überschätzt herausstellten. Der Erfolg lag aber noch mehr in seiner psychologischen Wirkung als in seiner taktischen.

Ariel Siegelman, ein israelischer Spezialist für Taktiken der Bekämpfung irregulärer Kräfte, wies darauf hin, dass militärisches Handeln trotz seiner erwiesenen Wirksamkeit unter den lokalen Bedingungen keine strategischen Endzustände herbeiführen würde:

There is no such thing as winning in this new kind of war. The war is ongoing, with periods of more violence and periods of less violence, during which the enemy regroups and plans his next attack. When we feel the enemy is getting strong, we must be prepared to make preemptive strikes, hard and fast at key targets, with viciousness, as the enemy would do to us. Only then can we acquire, not peace, but sustained periods of relative calm.

Die jüngste israelische Operation im Gazastreifen sei Ausdruck dieser Erkenntnis gewesen:

The IDF entered Gaza with realistic goals-significantly reduce Hamas’ ability to inflict damage on Israel and Israeli targets. We were told specifically that our goal was NOT to topple Hamas and was NOT to destroy all of its capabilities. Those goals would have been too difficult to achieve and would have set us up for defeat and a blow to the morale of the army and the nation. [...] We were to frustrate and attack at the morale of the enemy, fighting much like he would fight us. The only rule was, don’t fight by the rules. The IDF went in, simply to wreak havoc on Hamas [...].

Von israelischer Seite war das Vorgehen gegen irreguläre Kräfte in der Vergangenheit mit dem Mähen eines Rasens verglichen worden: Wenn die Fähigkeiten des Gegners eine kritische Schwelle überschreiten, interveniere man zeitlich begrenzt, um diese wieder auf ein tolerierbares Maß zu reduzieren. Dieses Konzept unterscheidet sich deutlich sowohl von optimistischen Annahmen über “Regime Change” als auch von Counterinsurgency-Konzepten, die dauerhafte Sicherheit durch Stärkung von Verbündeten auf der Gegenseite erreichen wollen.

Ähnlich argumentiert Colin S. Gray (ein führender Vertreter der in Deutschland praktisch nichtexistenten “Strategic Studies”):

It is easy to forget, for example, that the dominant British imperial ap­proach to COIN was known, for excellent reasons, as “burn and scuttle.” A punitive expedition, small or large, would teach the locals the errors of antisocial insurgent behavior. It is not politically correct to admit this in polite Western circles, but from the bad old days of colonial “policing” through today in Afghanistan and Iraq, there are times when it is strate­gically highly desirable to damage property and kill people. I should not need to add that the violence should never be other than strictly instrumental.

Die psychologische Wirkung der vergleichsweise moderaten Umsetzung dieses Ansatzes durch Israel auf die Hamas und ihre Unterstützer hat Jörg Bremer (FAZ) beschrieben:

Aus Angst vor den Israelis hätten sich die meisten Islamisten den Bart abrasiert. „Anstatt den prophezeiten Endkampf gegen die israelischen Aggressoren zu führen, zogen sie ihre Uniformen aus, warfen ihre Waffen auf die Straße und versteckten sich bei Mutti“, sagt der Arzt weiter. … „Jetzt sollte Hamas vielmehr die Frage beantworten, warum 1400 Menschen sterben mussten, vor allem Frauen und Kinder, ohne dass Hamas etwas für ihre Verteidigung tat.“

Wenn die Abnutzungsrate ein bestimmtes Maß übersteigt, scheint die Märtyrer-Propaganda militanter Islamisten nicht mehr zu greifen, ebenso wie die Progaganda vom dekadenten Israel, das den Willen zum Kampf verloren habe. Mit den Worten Caligulas ausgedrückt: “Oderint, dum metuant.”

Die Erfahrungen der Israelis haben möglicherweise Implikationen für die Diskussion über das “Offshoring” der Bekämpfung militanter Islamisten in Zentralasien und sollten auch in Deutschland zur Kenntnis genommen werden.

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Afghanistan: “Die deutschen Truppen handeln nicht offensiv genug”

Der wichtigste Grund für die Verschlechterung der Bedrohungslage im Raum und Kunduz und in anderen Teilen des Landes ist mangelnde Präsenz von Sicherheitskräften im Raum. Wie sprechen dies hier fast täglich an und haben mittlerweile vermutlich eine dreistellige Zahl von Beispielen dafür genannt. Nun wird es speziell für Chahar Darreh/Kunduz von kompetenten Beobachtern noch einmal ausdrücklich wiederholt:

„Es hat zwar Operationen gegeben. Sie haben auch vorübergehend positive Ergebnisse gebracht. Aber dann sind die Regierungskräfte wieder zurückgewichen und die Taliban kamen sofort zurück nach Char Dara“, erzählt Habib, ein unabhängiger Wahlbeobachter in den Distrikten. Die deutschen Truppen, sagt er, handelten nicht offensiv genug, hielten sich eher zurück. Dies bestätigt ein hoher Offizier der Bundeswehr: „Unsere Aktionen verpuffen. Wir fahren in ein Gebiet rein – und so schnell wie möglich wieder raus. Aber wenn wir das Vertrauen der Menschen gewinnen und mit unseren Projekten helfen wollen, müssen wir ihnen Sicherheit bieten. Das heißt, wir müssen dann auch in der Fläche bleiben.“

Wie sich die Lage bei fortgesetzter deutscher Passivität entwickeln wird, ist absehbar:

Der deutsche Offizier fürchtet das Schlimmste für die Lage in Nordafghanistan – und für das sowieso ramponierte Ansehen der Bundeswehr unter den Nato-Partnern. „Wir müssen das so bald wie möglich in den Griff bekommen in Kundus und Umgebung, sonst fährt das gegen die Wand.“ Und die Amerikaner, da ist er sich sicher, werden nicht zulassen, dass auch der Norden den Alliierten völlig entgleitet. „Wenn sich nach der Bundestagswahl nicht entscheidend etwas ändert, machen die Amis das selbst. So schnell können wir gar nicht gucken.“

Was zu tun ist, ist bekannt. Die Politik hätte seit Jahren handeln müssen und bleibt trotz eindeutiger Lage passiv. Es wird sogar noch behauptet, dass die eigene Entscheidungsschwäche und Passivität eigentlich Stärken seien, welche den deutschen Ansatz angeblich erfolgreich machen würden. Insbesondere Verteidigungsminister Jung verbreitet in seinen öffentlichen Äußerungen offensichtliche Unwahrheiten, zum Schaden Deutschlands und der Erfüllung des Auftrags in Afghanistan.

Vertrauen in diese politische Führung ist unter solchen Umständen kaum noch möglich. Leider sieht es nicht danach aus, als würde der Wähler eine ernsthafte Debatte über Afghanistan wünschen oder diese Führung bei den bevorstehenden Wahlen durch eine kompetentere austauschen.

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Afghanistan: Sowjetischer Ansatz und ISAF im Vergleich

Wir haben die z.T. exzessiv betriebene Konstruktion von Parallelen zwischen dem sowjetischen Einsatz und dem laufenden Einsatz aus verschiedenen Gründen kritisiert. Ein Beitrag im “National Review” spricht unter Zitierung von Gregory Feifers “The Great Gamble” die vollkommen unterschiedlichen Ansätze im Umgang mit der Zivilbevölkerung an:

Unable to neutralize the mujadhideen, the troops unleashed their firepower against civilians. Polyakov’s men and other war Soviet soldiers were now beginning their searchs of mud-walled kishlaks, or villages, by throwing grenades. [...] The crowd included elderly, women, and children, as well as rebel fighters. The soldiers began slaughtering the Afghans. [...] Another time the soldiers captured a small boy who shot at them with an old musket, then brought the prisoner to a company commander. “He split the boy’s skull with his rifle butt, killed the boy with one blow, without even getting up from his place.”

Uns so handeln westliche Kräfte gegenwärtig in Afghanistan:

The British jet called in by the U.S. Marines had the Taliban position in sight, but the pilot refused to fire, a decision that frustrated Marines on the ground but one in line with new orders by the top U.S. commander to protect civilians. [...] The Marines themselves didn’t attack militants shooting at them Wednesday because women and children were in the compound, an approach meant to avoid civilian casualties at all costs.

Wo dennoch Zivilisten getötet werden, handelt es sich nachgewiesenermaßen um Unfälle, und die enormen Anstrengungen von ISAF und USFOR-A zur Reduzierung ziviler Kollateralschäden wirken sich mittlerweile positiv in Form sinkender ziviler Verluste aus. Die Aufständischen hingegen verstümmeln gezielt Zivilisten und verüben laufend Massaker an afghanischen Zivilisten. Umfragen bestätigen, dass ISAF auch deshalb in der Bevölkerung mehr Unterstützung geniesst als die terroristischen Aufständischen. Wenn ISAF in Afghanistan scheitern sollte, dann aus anderen Gründen als es die Sowjetunion tat.

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Afghanistan: Neue Counterinsurgency-Weisung General McChrystals

Die Weisung des ISAF/USFOR-A-Kommandeurs General Stanley McChrystal zum Kampf gegen irreguläre Kräfte (“Counterinsurgency Guidance”) ist schon ein paar Wochen alt, aber erst jetzt offen verfügbar. Sie ergänzt andere Weisungen wie die “Tactical Directive”, mit denen die neue amerikanische Strategie im Rahmen von ISAF in Handeln umgesetzt werden soll. Den Kern dieser Dokumente bildet die Schwerpunktsetzung auf der Kontrolle der Bevölkerung.

Mehrere Kritikpunkte bringt Joshua Foust vor, u.a. die mangelnde Konkretisierung der Zusammenarbeit mit zivilen Akteuren.

Kritik kommt auch vom “Captain’s Journal”.

Zum Thema “an insurgency cannot be defeated by attrition” merkt der Autor auf der Grundlage seiner Irak-Erfahrung an:

To claim that the U.S. Marines bifurcated and set in opposition the notions of protecting the population and killing the enemy is worse than just dense.  It’s dishonest.  Tens of thousands of insurgents were killed, Anbar was pacified before the balance of Iraq, and the supply of insurgents wasn’t endless.  I just don’t know how to be clearer.  This claim is simply false.

Möglicherweise unterscheiden sich der Irak und Afghanistan in diesem Punkt. Abnutzungseffekte waren zwar auch in Afghanistan zu beobachten (u.a. 2001), aber hier waren diese vor allem auf der Wahrnehmungsebene zu beobachten. Die Aufständischen verloren nicht nur tausende Kämpfer, sondern hatten angesichts des überwältigenden Einsatzes von Gewalt durch die USA und ihre Verbündeten sowie des Zusammenbruchs ihrer einheimischen Unterstützung zeitweise auch die Hoffnung auf einen späteren Erfolg verloren. Dauerhafte Abnutzungseffekte hätten jedoch aggressive Folgeoperationen innerhalb Afghanistans sowie gegen Ziele in Pakistan erfordert. Weil dies versäumt wurde scheint nun ein Punkt erreicht zu sein, an dem Abnutzungseffekte vorläufig nicht mehr erzielt werden können. Die Aufständischen und ihre mehr oder weniger freiwilligen Unterstützer sind der Ansicht, dass sie sich trotz der Verluste durchsetzen werden. Die Aufstandsbewegung verliert jedes Jahr tausende an Kämpfern, ohne dass dies ihre Handlungsfähigkeit erkennbar beeinträchtigt hat. Kinetisches Vorgehen ist zwar aus zahlreichen Gründen notwendig, aber es kann keine Entscheidung herbeiführen.

Bezüglich der Zusammenarbeit mit der ANA fordert das Dokument: “Put them in the lead and support them, even before they think they are ready.  Coach them to excellence, and they will amaze you with how quickly they take charge.” Der Kritiker kommentiert:

This sounds more like a football coach pep talk than a General advising his troops.  It will likely have little traction with U.S. forces who have watched the ANA engage in drug abuse, smoke hashish before patrols, collude with Taliban fighters to kill U.S. troops, themselves claim that they cannot hold Helmand without Marines and fear being killed if they even go out into the streets, be relatively ineffective against Taliban fighters, sleep on their watch, and claim to be on vacation in the Helmand Province.

Dieser Kritikpunkt scheint berechtigter zu sein. Allerdings dürften die Autoren der COIN-Weisung wohl kaum davon ausgegangen sein, dass die ANA kurzfristig ohne Fehler agieren wird. Es reicht, wenn sie trotz ihrer Schwächen kompetenter handelt als die Aufständischen. Angesichts des zunehmenden Drucks der Öffentlichkeiten der truppenstellenden Staaten müssen rasche Erfolge bei der Übergabe von Sicherheitsaufgaben an afghanische Sicherheitskräfte erzielt werden, und unfreundlich formuliert sagt der kritisierte Teil der COIN-Weisung nichts anderes, als dass “Lernen durch Schmerz” den Lernprozess innerhalb der ANA beschleunigen soll.

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Afghanistan: Vietnam-Vergleiche

Die große Masse der Vergleiche zwischen den Herausforderungen in Afghanistan und denen im amerikanischen Vietnam-Einsatz werden aufgrund des beabsichtigten rhetorischen Effekts aufstellt. Man behauptet meist, dass der Einsatz der USA in Vietnam aussichtslos und illegitim gewesen sei und unterstellt, dass dies in Afghanistan genauso der Fall sei.

In der SPD gab es z.B. offenbar Überlegungen, solche unsachgemäßen Vietnam-Vergleiche als rhetorische Munition in einem “Friedenswahlkampf” zu nutzen:

Ein ehemals führender Sozialdemokrat sieht den Einsatz zwischen Masar-i-Sharif und Kandahar als Chance für die SPD, die Wahlschlacht noch zu ihren Gunsten zu wenden. Sein Planspiel: Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerkandidat der SPD, fordert einen schnellen Abzug der Bundeswehr [...]. Sonst drohe der Einsatz zum „Vietnam“ der Nato zu werden.

Unabhängig von dieser Rhetorik gibt es deutliche Parallelen zwischen der jeweiligen Lage und den damit verbundenen Herausforderungen. Ein aktueller Beitrag bei “Foreign Policy” analysiert diese Parallelen aus strategischer Sicht:

  • Schwäche der einheimischen Regierung und der einheimischen Sicherheitskräfte
  • Sichere Rückzugsräume der Aufstandsbewegung außerhalb der Landesgrenzen
  • Schwerpunkt des eigenen Vorgehens auf der Bekämpfung der Aufständischen (statt auf der Kontrolle der Bevölkerung)

Bezüglich des Kampfes gegen Irreguläre Kräfte wurden aufgrund der in vieler Hinsicht ähnlichen Herausforderungen schon mehrfach relevante Konsequenzen aus Vietnam für den Afghanistan-Einsatz formuliert. Die USA hatten bis ca. 1968 in Vietnam einen ähnlichen Lernprozess vollzogen wie bis 2006 im Irak. Mit dem Wandel ihrer Strategie vom gegnerzentrierten zum bevölkerungszentrierten Vorgehen erzielten sie und ihre Verbündeten zunehmend taktische und operative Erfolge.

Relevant ist auch der Hinweis darauf,  dass die USA trotz ihrer taktischen Erfolge  den Krieg in Vietnam verloren. Nordvietnam hat den Konflikt auf der Ebene der Wahrnehmungen für sich entschieden, nicht auf taktischer oder operativer Ebene. In Vietnam verloren die USA, weil der Willen ihrer politischen Führer und der Bevölkerungsmehrheit gebrochen war, während der Einsatz ab 1968 zunehmend erfolgreich war. Die Lehre aus den amerikanischen Erfahrung in Vietnam (und im Irak) ist es nicht, Rückzugswahlkämpfe zu führen und den Einsatz für aussichtslos zu erklären, sondern der Bevölkerung die Notwendigkeit langfristigen Engagements in COIN-Szenaren zu vermitteln.

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Afghanistan: Chancen zur Abspaltung der “10-Dollar-Taliban” von ihrer Führung

Die Aufstandsbewegung in Afghanistan ist bekanntermaßen nicht homogen. Sie gliedert sich in mindestens drei größere Netzwerke, von denen die Taliban der Quetta-Schura das wichtigste sind. Während die Führer dieser Netzwerke vor allem weltanschaulich motiviert sind, handelt es sich bei den Kämpfern häufig um das, was David Kilcullen als “Accidental Guerillas” bezeichnete. Der Begriff der “1o-Dollar-Taliban” ist ebenfalls geläufig für jene Kämpfer der unteren Ebene, die vor allem aus wirtschaftlicher Motivation oder anderen nichtideologischen Motiven kämpfen. Nur für diese Kämpfer und aus pragmatischen Gründen handelnde Führer der mittleren Ebene ist die Verwendung des Begriffs des “moderaten Taliban” annähernd sinnvoll, auch wenn der Begriff irreführend bleibt.

Während gegenüber den Führern der Netzwerke die Tötung (und innerhalb Afghanistans eventuell die Gefangennahme) die naheliegendste Option ist, besteht eine realistische Aussicht darauf, die Kämpfer unf Führer der unteren Ebene (bei Führern bis zur mittleren Ebene) von den Führern in Pakistan abzuspalten.  Es handelt sich hierbei um ca. 10.000 vorwiegend paschtunische Kämpfer, welche für den Großteil der von der Aufstandsbewegung u.a. in Form von IEDs oder Einschüchterung der Bevölkerung erzielten Wirkung verantwortlich sind. Diese Kämpfer berichten, dass sie zwischen 10 und 20 USD pro Tag erhalten würden, also bis zu 300-600 USD pro Monat. Zum Vergleich: Ein afghanischer Soldat erhält als Einstiegsgehalt aktuell 120 USD. Allerdings kämpft nur ein Teil der Aufständischen aus finanziellen Motiven. Anderen Meldungen zufolge zwingen die Aufständischen in Teilen des Landes Familienvorstände, Söhne als Kämpfer abzustellen, während andere Kämpfer ideologisch motiviert sind oder aus ethnischen und tribalen Motiven sowie in Erwartung eines Erfolgs der Aufständischen kämpfen.

Die bloße Bereitschaft zu Finanzierung der potentiell abspaltbaren Kämpfer oder die auch in der deutschen Diskussion immer wieder geforderte Bereitschaft zu Verhandlungen reichen nicht aus, um eine Abspaltung zu erreichen. Die Masse der entsprechenden Führer und Kämpfer ist sehr sensibel für vorliegende Machtverhältnisse, und wird sich nur dann zu einer Abspaltung vom Kern der Bewegung entschließen, wenn sie zu der Wahrnehmung gelangt, dass die Aufstandsbewegung den Konflikt nicht für sich entscheiden wird und sie selbst zudem physisch sicher sein wird, wenn sie ihr nicht weiter folgt.

Wo diese physische Sicherheit nicht gewährleistet wird, geschieht folgendes:

But when a Taliban commander in Wardak province accepted an offer of reconciliation last month from the government, which is trying to persuade “moderate Taliban” fighters to lay down their weapons and participate in the elections, he was shot dead three days later. Officials said the order to kill him came from Taliban authorities.

Trotz der genannten Einschränkungen besteht eine reale Chance, die Aufstandsbewegung in Afghanistan so zu schwächen, wie es im Fall der sunnitischen Aufständischen im Irak gelungen ist. Solche Anstrengungen laufen aktuell u.a. in Helmand/RC-South:

Local Afghan leaders told a top U.S. Marine commander Monday that they plan to step up efforts to reconcile with midlevel Taliban in the extremists’ southern Helmand province stronghold, where U.S. forces launched a major offensive in recent weeks.

Der Schlüssel zum Erfolg der Abspaltungsanstrengungen ist die Erzeugung der Wahrnehmung eigener Stärke in der afghanischen Bevölkerung. Die aktuelle Rückzugsdiskussion in Deutschland hat leider gegenteilige Wirkung. Wenn die truppenstellenden Staaten in den nächsten Monaten insgesamt Stärke (u.a. durch Aufwuchs ihrer Kontingente und nachhaltige Präsenz in der Bevölkerung) zeigen, dann gelingt es vielleicht noch, pragmatische Teile der Aufstandsbewegung abzuspalten. Wenn hingegen weiterhin Schwäche kommuniziert wird, dann wird diese Abspaltung nicht gelingen, und der Negativtrend wird sich fortsetzen.

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Afghanistan: Gouverneur von Kunduz kritisiert “übervorsichtige” Bundeswehr

Mohammed Omar, der Gouverneur der Provinz Kunduz, kritisiert die Bundeswehr:

They are overly cautious, and they don’t even get out of their vehicles. They should leave, and the Americans should replace them. The Americans would finally provide security.

Omars eigene Rolle in der Provinz ist durchaus fragwürdig, aber mit seiner Kritik an der Bundeswehr steht er auch unter Afghanen nicht alleine dar. Auch eine optimal ausgerüstete und ausgebildete Armee ist nutzlos, wenn sie nicht handelt.

Die verbreitete deutsche Selbsttäuschung, die Passivität und demonstrative Schwäche als erfolgreichen zivilen Ansatz verklärt, hatte schon Susanne Koelbl kritisiert:

Nichts machen die Deutschen besser, jedoch halten sie sich konsequent von allem fern, was Gefahr und Risiko bedeutet.

Nachdem die Aufständischen in Kunduz ab dem Frühjahr 2007 ihre Aktivitäten ausgeweitet hatten, hat die Bundeswehr in Kunduz gravierende Fehler gemacht. Anstatt in der Bevölkerung noch stärkere Präsenz zu zeigen, hat man diese Präsenz auf das Minimum reduziert. In der Folge gewannen die Aufständischen an Bewegungsfreiheit und an Möglichkeiten zur Einschüchterung der Bevölkerung:

A prominent political leader from the north, speaking on condition of anonymity, put it this way: ‘The Taliban are coming toward us. What should we do? Who will defend us? Who will protect us? This is in the minds of the people in the north.

Die Bundeswehr hat durch Reduzierung ihrer Präsenz zwar wahrscheinlich kurzfristig das Risiko eigener Verluste reduziert, aber dies kann nicht das wichtigste Ziel in einem militärischen Einsatz sein. General Lutz Niemann sagte dazu einst treffend:

Gesunde Rückkehr ist nicht unser Hauptauftrag. Unser Auftrag ist die Stabilisierung [...] in Afghanistan [...] mit militärischen Mitteln. Dies ist mit Risiken verbunden. Risiken für Leib und Leben sind Teil soldatischer Berufserfüllung.

Die USA machten im Irak zudem die Erfahrung, dass der gegenwärtig von der Bundeswehr praktizierte Ansatz nur kurzfristig das eigene Risiko reduziert.

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Counterinsurgency: Lehren aus Afghanistan und Irak

Anthony Cordesman vom CSIS hat erneut eine interessante Präsentation vorgelegt, für deren Lektüre man etwas Zeit mitbringen sollte. In der aktuellen Präsentation werten er bzw. seine Mannschaft COIN-Erfahrungen aus dem Irak und Afghanistan aus und geht vor diesem Hintergrund insbesondere auf das “Shape, Clear, Hold, Build, Transfer”-Konzept ein.

Von den formulierten Schlußfolgerungen sind unserer Ansicht nach drei von besonderer Relevanz für die deutsche Diskussion:

Inadequate resources lose in Afghanistan.

Incrementalism and denial cede the initiative.

Political correctness loses the peace.

In Deutschland gibt es auch fast acht Jahre nach Beginn des Afghanistaneinsatzes keine vergleichbare universitäre oder außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die einen ihrer Schwerpunkte auf COIN-Fragestellungen setzt.

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