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Afghanistan-Diskussion: Jürgen Todenhöfer schlägt erneut zu

Wer Jürgen Todenhöfer als “Afghanistan-Experten” einlädt, ist selbst schuld und muss damit rechnen, Aussagen wie diese vorgesetzt zu bekommen:

Er habe, sagte Todenhöfer, vor kurzem “mit einem Taliban” in Afghanistan gesprochen und der habe ihm versprochen: “Wenn die USA abziehen, wird es keine Anschläge mehr geben.” Das wiederum fanden die anderen Teilnehmer nicht so überzeugend wie Todenhöfer selbst, der zuvor auch erklärt hatte, die Deutschen hätten es den Taliban zu verdanken, “dass es zu der Wiedervereinigung kam”, denn die Taliban hätten die Sowjets aus Afghanistan vertrieben und damit den Untergang des Sowjetunion angestoßen.

Zu Jürgen Todenhöfers Thesen haben wir uns bereits mehrfach geäußert. Ernst zu nehmen sind diese nur, weil sie in Deutschland offenbar auf Resonanz stoßen. Ansonsten halten sie auch der einfachsten inhaltlichen Überprüfung nicht stand:

  • Die Taliban entstanden um 1994, die Sowjetunion zog aber bereits Ende der 80er ab. Selbst wenn Todenhöfer Recht gehabt hätte, wäre dies zudem kein Argument gegen den Einsatz.
  • Der Großteil der Anschläge der Aufständischen richtet sich bereits jetzt gegen die afghanische Regierung bzw. sie unterstützende Afghanen oder einheimische Sicherheitskräfte. Todenhöfer ist naiv wenn er glaubt, dass mit einem Abzug der NATO in Afghanistan Frieden einkehren würde.

Wie oft muß man völlig daneben liegen, um den Ruf des “Experten” zu verlieren?

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Afghanistan: Jürgen Todenhöfer im Streitgespräch

Jürgen Todenhöfer liefert neben Christoph Hörstel vermutlich die unseriösesten Beiträge zur Afghanistan-Diskussion in Deutschland ab. In einem Gespräch mit Peter Struck hat Todenhöfer hat erneut kondensierten Unfug vorgetragen. Leider mangelte es Struck in diesem Gespräch an Aggressivität, sonst hätte er Todenhöfer problemlos bloßstellen können. Wir helfen gerne aus.

Todenhöfer beginnt mit einer fragwürdigen Darstellung der Motivation der Operateure transnationaler militanter Netzwerke:

Die Bilder der amerikanischen Bombenangriffe, der getöteten Zivilisten, der zerstörten Dörfer flimmern weltweit in Millionen muslimischen Haushalten über den Bildschirm. Es ist doch klar, dass es junge Menschen gibt, die sich das nicht gefallen lassen, die sich wehren wollen. Auch in unserem Land. Innenminister Schäuble jagt in Deutschland Terroristen, die sein Kollege Jung in Afghanistan heranzüchtet. Der Afghanistankrieg ist ein Terrorzuchtprogramm.

Im Fall Deutschlands bestand jedoch in keinem dokumentierten Fall bestand ein Zusammenhang zwischen den Motiven der Operateure und zivilen Kollateralschäden in Afghanistan. Todenhöfer hat sich dies schlicht ausgedacht.

Todenhöfer tritt zudem als Moralist auf, obwohl er zu moralischen Unterscheidungen nicht in der Lage zu sein scheint:

Wer gegen den Selbstmordterrorismus von al-Qaida protestiert, muss auch gegen den Bombenterror der USA protestieren.

Seine Unfähigkeit, zwischen absichtlicher Tötung von Zivilisten und Unfällen zu unterscheiden, disqualifiziert Todenhöfer moralisch. Eine seriöse Auseinandersetzung mit moralischen Fragen beruht stets auf der Unterscheidung von Handlungen und zugrundeliegenden Absichten. Sonst dürfte man auch nicht zwischen Kriminellen und Polizisten unterscheiden.

Was er über “die Afghanen” und ihre angeblichen Wünsche sagt, stimmt mit der Realität nur sehr unvollkommen überein:

Die Afghanen wollen nicht mehr amerikanische Truppen, sondern weniger. Der afghanische Präsident Karzai hat mir gesagt, dass er auf mehr deutsche Kampfeinsätze und zusätzliche amerikanische Soldaten sehr gut verzichten kann.

Mit realen Afghanen scheint er nicht gesprochen zu haben: Diese sehen das Problem meist differenziert. Sie wünschen sich mit Masse mehr Sicherheit und unterstützen die Präsenz zusätzlicher Kräfte, wenn diese als vorübergehende Garanten von Sicherheit wahrgenommen werden. Dies ist auch im Süden des Landes oder unter Paschtunen im Norden meist der Fall. Kritisch sieht man die gegenwärtige Verstärkung internationaler Kräfte, weil man befürchtet, dass diese befreite Räume nicht gehalten werden. Bekämpft werden internationale Kräfte überigens in der Regel nicht dort, wo sie in der Bevölkerung präsent sind, sondern wo sie zu wenig präsent sind.

Todenhöfers Verweis auf ein Gespräch mit Karzai ist eine seiner üblichen rhetorischen Taktiken. Ein Einheimischer hat es ihm so gesagt, also muß es wohl so stimmen. Einheimische können in Todenhöfers Denken nie irren, eigene Interessen mit ihren Darstellungen verfolgen oder über unvollständige Kenntnisse verfügen. Es sei denn, sie unterstützen den Westen. Dann sind sie irgendwie nicht authentisch.

Böswillig falsch ist seine Darstellung des Vorgehens von ISAF:

Die Nato-Truppen am Boden rufen sofort Luftunterstützung herbei, wenn in ihrer Nähe auch nur ein Schuss fällt. Dann wird gebombt. Die westlichen Truppen nehmen lieber zivile Opfer in Kauf als zu kämpfen.

Spätestens hier hätte Struck Kontra geben müssen. Es ist unverständlich, warum er Todenhöfer diese Verzerrung der Tatsachen durchgehen lässt. Man kann von jemandem wie Todenhöfer, der über keine relevanten militärischen Vorkenntnisse und keine persönliche Kenntnis der Lage verfügt, nicht verlangen, dass sich zu solchen Fragen kompetent äußern kann. Was man jedoch verlangen kann ist, dass er von Dingen schweigt, von denen er keine Ahnung hat.

Interessant ist auch Todenhöfers Definition von “Zivilist”:

Die amerikanischen Drohnenangriffe in Pakistan töten ständig Zivilisten. Erst letzte Woche wurden mehrere Dutzend Trauergäste totgebombt.

Die “Trauergäste” waren Talibanführer und -Kämpfer, welche das Begräbnis eines zuvor getöteten Anführers besucht hatten. Der u.a. getötete führende Ausbilder von Selbstmordattentätern trug zwar keine Uniform, war aber mit Sicherheit kein “Zivilist”. Todenhöfers Motto: Wenn es keine zivilen Kollateralschäden gibt, erfinde ich eben welche.

Zu Strucks Ablehnung von Verhandlungen mit der Führung der afghanischen Taliban:

Dann müssten ja auch die Afghanen, deren Angehörige im amerikanischen Bombenhagel umgekommen sind, Gespräche mit den Amerikanern ablehnen. Wenn Sie radikale Taliban von Verhandlungen ausschließen, ist das so, als hätten die Amerikaner in den Friedensverhandlungen mit Vietnam gesagt: Wir reden nur mit den gemäßigten Vietcong. Das ist doch lächerlich. Wir brauchen eine Versöhnungs-Loya-Jirga, eine Stammesversammlung, an der alle Aufständischen teilnehmen.

Es gibt z.T. gravierende Differenzen zwischen traditionellen Stammesstrukturen und den Führern der Aufstandsbewegung, von denen nur einzelne wie Haqqani auch Stammesführer sind. Ein Teil des in Pakistan immer wieder zu beobachtenden paschtunischen Widerstands gegen die Taliban geht darauf zurück, dass die Taliban diese Strukturen eben nur bedingt respektieren. In den FATA wurden seit 2002 mehrere hundert paschtunische Stammesführer getötet, weil sie sich gegen die Talibanführer gestellt hatten. Angesichts der wahrgenommenen Stärke der Aufstandsbewegung arrangieren sich viele traditionelle Führer mit den Aufständischen und versuchen, dass beste aus der Situation zu machen.

Der Großteil der Afghanen befürwortet zwar eine Aussöhnung mit den Aufständischen, jedoch nicht um den Preis der Anerkennung ihrer politischen Forderungen. Man hört in Afghanistan zunehmend die Sorge, dass der Westen möglicherweise bereit sei, die Afghanen den Taliban zu opfern, um einen raschen Rückzug zu ermöglichen. Todenhöfer stärkt diese Ängste und reduziert das Vertrauen der Afghanen in den Westen.

Zum Thema Al-Qaida:

Al-Qaida spielt in Afghanistan keine Rolle mehr. Das sagt selbst der amerikanische Oberbefehlshaber, General Petraeus. Wer behauptet, dass wir bei einem Abzug das Land al-Qaida überlassen, erzählt Märchen. Verbrecher kehren selten in die Verstecke zurück, aus denen sie gerade vertrieben worden sind.

Das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Der Kern der AQ ist in Afghanistan zwar nicht mehr präsent. Die Kooperation zwischen afghanischen und pakistanischen Taliban mit internationalen militanten Netzwerken besteht jedoch ungebrochen weiter. Diese Netzwerke operieren zur Unterstützung der Aufständischen zudem weiterhin in Afghanistan.

Die Aufstandsbewegung versteht Todenhöfer vollkommen falsch:

Wir kämpfen in Afghanistan gegen einen nationalen, antiwestlichen Aufstand.

Tatsächlich handelt es sich nicht um eine auf die Bevölkerung getützte Bewegung. Die Führer der Aufständischen handeln von Pakistan aus und handeln nicht aus nationalen Motiven, sondern auf der Grundlage islamistischer Weltanschauung und teilweise ethnischen Motiven. Unterstützung finden sie fast ausschließlich in der paschtunischen Bevölkerung, was vorwiegend an tribalen Netzwerken liegt, auf die sich die Führer abstützen. Die Masse der Kämpfer ist weder national noch antiwestlich motiviert, sondern kämpft weil ihre Stammesführer Teil entsprechender Netzwerke sind bzw. aus materiellen Gründen.

Trotz seiner offensichtlich mangelnden Kenntnisse der Lage vor Ort gibt Todenhöfer den Islamversteher:

Einer der Hauptgründe für die Fehleinschätzungen des Westens ist die Unkenntnis der muslimischen Welt.

Tatsächlich jedoch würde jemand, dem die Situation in zwischen Marokko und Indonesien auch nur halbwegs bekannt ist, Klischeebegriffe wie “muslimische Welt” erst gar nicht in den Mund nehmen.

Auf Strucks Äußerungen zur vermuteten Dauer des Einsatzes angesprochen antwortet er:

Wenn es so lange dauert, bleibt es nicht bei 35 toten deutschen Soldaten, dann werden es Hunderte sein. Und wir werden unseren Kredit in der muslimischen Welt total verspielen. Unsere Politiker müssen den Deutschen vor der Bundestagswahl eine ehrliche Exitstrategie vorlegen. Damit wir in spätestens zwei, drei Jahren aus diesem Schlamassel herauskommen.

Todenhöfer schämt sich offenbar nicht, Drohungen militanter Islamisten zur Verstärkung seiner Forderung nach Abzug zu benutzen. Er verwendet zudem wieder die islamistische Propagandafigur der “muslimischen Welt”, die es so nicht gibt. Auch wenn Todenhöfer dies nicht verstehen mag, so gibt vor allem in Afghanistan  tatsächlich Muslime, die sich wünschen, dass die Taliban nicht erneut die Macht ergreifen. In Afghanistan sind dies mehr als 90% der Bevölkerung. Todenhöfer unterschlägt seinen Zuhörern nicht nur den Willen dieser Menschen. Er unterstellt ihnen zudem pauschal, sie seien keine richtigen Muslime. Auch in diesem Punkt folgt er (vermutlich unbewusst) den Propagandadarstellungen militanter Islamisten.

Er scheitert sowohl moralisch als auch analytisch erneut auf ganzer Linie. Es ist nicht nachvollziehbar, warum er von den Medien immer wieder als “Experte” herangezogen wird, und warum Peter Struck ihm gegenüber solche Beißhemmung gezeigt hat.

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Taliban an Todenhöfer: Drohneneinsätze sind effektiv

Jürgen Todenhöfer fragte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: “Warum [werden] die Drohnen-Angriffe auf Pakistan sogar verstärkt – mit immer mehr zivilen Opfern?”

Ein pakistanischer Talib antwortet ihm nun indirekt in einem Interview in der New York Times:

The one thing that impressed him were the missile strikes by drones — virtually the only American military presence felt inside Pakistan. “The drones are very effective,” he said, acknowledging that they had thinned the top leadership of Al Qaeda and the Taliban in the area.

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Todenhöfer oder andere Stimmen in der Friedensbewegung künftig die Realität vor Ort in ihren Beiträgen berücksichtigen werden. Im Diskurs der Friedensbewegung zählen zuallererst Wunschdenken und moralische Selbstdarstellung.

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Afghanistan: Jürgen Todenhöfer über die neue Strategie der USA

Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer ist durch Texte bekannt, in denen er sich unsachgemäß zur Lage im Irak und in Afghanistan äußert. Er ist damit nicht alleine, wird aber aufgrund seines bürgerlichen Auftretens und seiner seriösen Ausstrahlung ernster genommen als die meisten Aktivisten, die ähnliches verbreiten wie er.

Nun hat er ausgerechnet in der ansonsten seriösen “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” einen neuen Aufsatz veröffentlicht, der sich schwerpunktmäßig mit der neuen Afghanistan/Pakistan-Strategie der USA auseinandersetzt. Fast keine seiner Darstellungen ist dabei fundiert. Einige Beispiele:

  • Die neue amerikanische Strategie beinhalte “leider auch erhebliche Truppenverstärkungen, um Al Qaida entscheidend zu schlagen”. Er stellt nicht nur die amerikanische Strategie unzutreffend dar (der “Troop Uplift” hat nichts mit der Bekämpfung “Al-Qaidas” zu tun). Er versteht auch nicht die gegenwärtigen Herausforderungen in Afghanistan, die dringend mehr Mentoren für Ausbildung der Sicherheitskräfte sowie Kräfte für die Sicherung der Bevölkerung erfordern, bis afghanische Sicherheitskräfte stark genug sind.
  • Er fragt: “Warum [werden] die Drohnen-Angriffe auf Pakistan sogar verstärkt – mit immer mehr zivilen Opfern?”  Nur wer völlig ignoriert, dass der Nordwesten Pakistans das physische Zentrum einer globalen Struktur militanter Islamisten bildet und Rückzugsraum für die Führung der afghanischen Aufstandsbewegung ist, kann so naive rhetorische Fragen stellen. Zivile Kollateralschäden sind für ihn nur ein billiges rhetorisches Mittel, da er keinerlei Vorschläge für ein alternatives Vorgehen unterbreitet.
  • Die von ihm behauptete Zusammenhang von mehr zivilen Kollateralschäden bei stärkerer Präsenz in der Fläche ist fragwürdig. Der Großteil der Kollateralschäden tritt bei Luftnahunterstützung auf, die erforderlich wird, wenn gegnerische Kräfte über Bewegungsfreiheit verfügen. Mehr Präsenz in der Fläche reduziert ab einem bestimmten Punkt diese Bewegungsfreiheit und damit den Bedarf an Luftnahunterstützung.

Tiefpunkt des Aufsatzes ist diese Sammlung fragwürdiger Thesen:

Terrorismus ist eine Ideologie. Man kann sie nicht erschießen, man muss sie widerlegen. Entstanden durch Ungerechtigkeit kann sie nur durch Gerechtigkeit besiegt werden. Die richtige Strategie gegen Terrorismus ist nicht Krieg, sondern gerechter Frieden – in Afghanistan, im Irak und in Palästina. Jeder führende Politiker weiß das.

Fast alles an diesen Thesen ist unzutreffend. Terrorismus ist keine Ideologie, sondern eine taktische Kategorie. Die Aufstandsbewegung in Afghanistan mit dem Begriff “Terrorismus” zu beschreiben, ist ein Fehler, den nicht nur Todenhöfer macht. Die Masse der Kämpfer ist nicht ideologisch motiviert, wie er behauptet, sondern finanziell. Die ideologische Führung ist nur insofern durch “Ungerechtigkeit” motiviert, als dass sie die Tatsache, dass sie das Land nicht beherrscht und ihre Form islamischen Rechts durchsetzen kann, als veränderungsbedürftig betrachtet. “Frieden” mit diesen Kräften funktioniert nicht, solange man sie nicht in eine Position der Schwäche bringt, wie die grundsätzlich scheiternden Waffenstillstände in Pakistan zeigen. Und bei aller Kritik an der deutschen Politik: So naiv und schlecht informiert sind die Verantwortlichen meist nicht, dass sie Todenhöfers Thesen teilen, wie er behauptet.

Seine Mangel an Fachkenntnissen versucht er durch seinen üblichen Kitsch über irakische Kinder etc. zu kompensieren, was jedoch erneut scheitert. Jürgen Todenhöfer ist eine der am wenigsten kompetenten Stimmen in der sicherheitspolitischen Diskussion in Deutschland, und es gereicht der FAS zur Schande, ihm eine Plattform zu bieten.

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Linkextremismus-Islamismus: Geteilte Freude über den Tod deutscher Soldaten

So feiert die Friedensbewegung den Tod deutscher Soldaten. Zum Vergleich: Hier feiern militante Islamisten. Beide sind sich einig, dass der Tod deutscher Soldaten in Afghanistan eine gute Sache ist.

Ist es angesichts der geteilten Verachtung für das freie Deutschland erstaunlich, dass Kader der Linkspartei ihre Sympathie für den militanten Islamismus mittlerweile offen zum Ausdruck bringen? Chris Sedlmair ist bei weitem kein Einzelfall. Ulla Jelpke, die innenpolitische Sprecherin der Partei, ruft kaum versteckt zu Gewalt gegen die Bundeswehr auf, während die Aktivisten der Partei gemeinsam mit Hamas und Hizbollah demonstrieren. Am deutlichsten wurde bislang Christine Buchholz, Mitglied im Vorstand von “Die Linke”. Sie wünscht sich eine Niederlage der NATO in Afghanistan.

Mittlerweile ist das Phänomen der Sympathie für den Gegner allerdings nicht mehr nur auf die extreme Linke beschränkt. Auch CDU-Politiker wie Jürgen Todenhöfer driften zuweilen ab. Neben seiner Übernahme islamistischer Rhetorik fiel Todenhöfer u.a. dadurch auf, dass er Hizbollah-nahen Publikationen freundliche Interviews gab.

Der Gegner kann sich in Deutschland zunehmend auf eine Sympathisantenszene stützen, die ihn vielleicht nicht immer offen unterstützt, sich aber für dessen Sache einsetzt, wenn sie eine Niederlage von NATO und Bundeswehr unterstützt. Diesen Personen geht es nicht um legitime Kritik am Einsatz oder eine bessere Sicherheitspolitik. Motiv dieser Szene ist der Haß auf die freien Gesellschaften des Westens. In diesem verblendeten Haß scheint kein Verbündeter zu niedrig zu sein, als dass man ihn nicht doch noch irgendwie zum legitimen Widerstandskämpfer erheben könnte. Afghanistan und die Menschen dort sind diesen Menschen letztlich jedoch egal. Was zählt, ist die emotionale Befriedigung, die einem die Niederlage der NATO in Afghanistan bereiten würde.

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Jürgen Todenhöfer: "Blitzkrieg gegen das afghanische Volk"

Jürgen Todenhöfer: "Blitzkrieg gegen das afghanische Volk"

Jürgen Todenhöfer, der lange Zeit Bundestagsabgeordneter für die CDU war, hat sich in der Vergangenheit durch sein Engagement gegen den Kommunismus verdient gemacht. Vor einigen Jahren begann er allerdings, von seinen freiheitlichen Idealen abzurücken, und driftete in immer extremere Parteinahme für die Aufstandsbewegungen im Irak oder in Afghanistan ab. Wir hatten uns bereits mit seinen wenig seriösen Darstellungen zur Lage im Irak beschäftigt. Dieser Beitrag untersucht seine Rhetorik und will zu einem kritischeren Umgang mit seinen Positionen anregen.

Jürgen Todenhöfer gehört dem relativ engen Spektrum konservativer Aktivisten an, die antiimperialistische Argumente aufgreifen und sie in eine konservative politische Sprache kleiden. Todenhöfer besitzt im Gegensatz zu von Linksextremisten beeinflussten Teilen der Friedensbewegung größere Glaubwürdigkeit. Die strategische Wirkung der Darstellungen Todenhöfers ist als besonders hoch einzustufen, da er aufgrund seiner Glaubwürdigkeit und seines hohen Engagements breitere Zielgruppen erreicht als andere Akteure, die ähnliche Ziele verfolgen.

Todenhöfer nimmt sich selbst als “Anwalt der Muslime” dar, wobei diejenigen, die in Ländern in Afghanistan oder im Irak zusammen mit westlichen Partnern für den Aufbau eines nichtextremistischen Staates kämpfen, für ihn offenbar keine richtigen Muslime sind. Vermutlich unabsichtlich macht Todenhöfer somit ein islamistisches Islambild zur Grundlage seines Aktivismus.

An einer Rede, die er 2008 in Teheran hielt, lassen sich die Grundzüge seiner Rhetorik besonders deutlich erkennen:

Todenhöfer verbreitet hier vor islamischen Zielgruppen stereotype Thesen wie “Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt” und zieht zur Untermauerung dieser These u.a. von irakischen Aufständischen getötete irakische Zivilisten oder von militanten Islamisten in Pakistan getötete pakistanische Zivilisten heran. Muslime hätten den Westen hingegen in den vergangenen zweihundert Jahren nicht angegriffen. Der Islam werde im Westen zudem allgemein “dämonisiert”, und Muslimen würde allgemein die Menschenwürde abgesprochen. Ähnliche Vorwürfe verbreiten militante Islamisten, die damit militante “Verteidigung” gegen angebliche Unterdrückung des Islams legitimieren wollen. Todenhöfer handelt in hohem Maße verantwortungslos, wenn er vor einem iranischen Publikum solche Propaganda stützt.

Die militärische Bekämpfung militanter Islamisten lehnt er ab. Man müsste stattdessen die “Angriffskrieger des Westens demaskieren”. Die Taliban kritisiert er, weil diese “im Blitzkrieg der USA […] das afghanische Volk […] alleine gelassen” hätten. Der Westen würde in Afghanistan Krieg gegen die afghanische Zivilbevölkerung führen und habe “Tausende afghanischer Zivilisten zu Tode gebombt”. Westliche Kräfte hätten in Afghanistan “nichts verloren”. Durch die Verwendung von Nazi-Metaphern versucht Todenhöfer offenbar, das Engagement in Afghanistan in eine Linie mit den Kriegen der Nationalsozialisten zu stellen und damit zu delegitimieren. Die afghanischen Opfer der Gewaltherrschaft der Taliban und des Terrors der Aufständischen verschweigt er hingegen.

Teilweise greift er direkt die Terminologie militanter Islamisten auf, wenn er z.B. von “Marionettenregierungen” des Westens im Nahen Osten spricht. Bezüglich Afghanistans wirft er dem Westen “Entmenschlichung im Namen der Menschenrechte” vor. Er äußert Verständnis, wenn Muslime wegen des westlichen Engagements in Afghanistan “zurückschlagen”. Er ignoriert, dass 80% der Afghanen die Aufständischen ablehnen, und eine deutliche Mehrheit das internationale Engagement befürwortet. Diese Afghanen kommen bei ihm nicht vor, bzw. scheinen für ihn keine wahren Muslime zu sein.

Während Todenhöfer ein undifferenziertes Feindbild Westen schürt, sind militante Islamisten für ihn allenfalls “islamisch getarnt”, wenn er sie denn überhaupt kritisiert. Muslime zeichnen sich für Todenhöfer im Gegensatz zum unmoralischen Westen pauschal durch Anstand aus. Selbst die muslimischen Eroberungskriege seit dem 7. Jahrhundert und die anschließende Kolonialherrschaft seien von Ritterlichkeit auf muslimischer Seite gekennzeichnet gewesen, und die muslimische Herrschaft sei für die Unterworfenen ausschließlich positiv gewesen. Wenn es dennoch Probleme im Islam der Gegenwart gebe, dann sei dies auf “vorislamischen Ballast” zurückzuführen. Muslime sollten zum Vorbild Mohammeds zurückkehren. In diesem Punkt sind die Darstellungen Todenhöfers mit denen großer Teile des islamistischen Spektrums identisch.

Durch die Konstruktion antiwestlicher Stereotype entlang der Argumentationslinien islamistischer Propaganda unterstützt Todenhöfer die Informationsoperationen islamischer Extremisten. Er vermittelt deren Weltanschauung gegenüber westlichen Zielgruppen, und dient deren Propaganda gegenüber islamischen Zielgruppen als westlicher Kronzeuge.

Gerade vor einem Publikum in Teheran, dass von Seiten der dort herrschenden Regierung und deren Staatsmedien indoktriniert wurde, hätte Todenhöfer die moralische Pflicht gehabt, von Islamisten verbreitete antiwestliche Klischees zu dekonstruieren. Er entschied sich hingegen dafür, diese Klischees noch zu verstärken. Er macht sich auf diese Weise zum Komplizen. Es handelt sich bei dem Auftritt in Teheran dabei nicht um eine einmalige Ausnahme: Auch in Deutschland trat er als Interviewpartner islamistischer Publikationen auf. Wie sehr sein Gesinnungswandel im äußerst linken Spektrum begrüßt wird, zeigen positive Erwähungen seiner Thesen u.a. im “Neuen Deutschland“. In Interviews mit Linksaußen-Publikationen versucht er aktiv, Unterstützer auch in diesem Lager zu gewinnen.

Todenhöfers Darstellungen sind faktisch meist zumindest zweifelhaft und in höchstem Maße von pauschalisierenden Stereotypen gekennzeichnet. Seine Rhetorik und eine politischen Forderungen lehnen sich eng an die extremistischer Akteure an. Was auch immer Todenhöfers Motive sein mögen: Seine Äußerungen sind zutiefst unseriös, und es bleibt zu hoffen, dass dies auch von deutschen Medien erkannt wird, die Todenhöfer immer wieder eine Plattform bieten.

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Irak: Ehemaliger CDU-Politiker unterstützt militante Islamisten

Bislang war Oskar Lafontaine der deutsche Politiker mit den fragwürdigsten sicherheitspolitischen Positionen. Er ist nun von einem Politiker der CDU an mangelnder Urteilsfähigkeit noch übertroffen worden: Jürgen Todenhöfer, der ehemalige rüstungspolitische Sprecher der CDU/CSU, hat sich offen auf die Seite militanter Islamisten im Irak gestellt.

Irakische Terroristen, die in großer Zahl sich nach Frieden sehnende Iraker (=”Kollaborateure”) oder Angehörige der jeweils anderen ethnischen Gruppe massakrierten, bezeichnet er als “legitimen Widerstand”, der für die “Freiheit des Landes” kämpfe. Wie dies in der Praxis aussieht, sieht man hier, hier, hier oder hier. Die Lobeshymnen Todenhöfers für Mörder und Terroristen sind unappetitlich.

Todenhöfer ignoriert vollkommen, dass die Masse der von ihm beklagten zivilen Opfer auf das Konto dieses “Widerstands” geht, und dass die Tötung von Zivilisten durch die von ihm so geschätzten Terroristen kein Unfall ist, sondern volle Absicht. Die Positionen Todenhöfers z.T. sind kaum noch von denen deutscher linksextremer “Antiimperialisten” oder der Sympathisanten- und Apologetenszene militanter Islamisten zu unterscheiden. Todenhöfer scheint dies gemerkt zu haben, und versucht etwas unbeholfen, sich von Al-Qaida zu distanzieren. Man fragt sich, warum die “Frankfurter Rundschau” sich zum Abdruck von Todenhöfers wirrem Unfug zur Verfügung gestellt hat.

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