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Afghanistan: Justiz der Taliban in Kunduz und Badghis

Die aktuell bekannt gewordenen Vorfälle der Ausübung von Justizfunktionen durch die Taliban in Kunduz und Badghis werden in deutschen Medien vor allem als Menschenrechtsproblem wahrgenommen. Tatsächlich stellen sie vor allem ein sicherheitspolitisches Problem dar, denn die Tatsache, dass die Aufständischen derart sichtbar und öffentlich staatliche Funktionen ausüben unterstreicht die Schwäche der afghanischen Regierung sowie internationaler und afghanischer Sicherheitskräfte.

Da die Aufständischen vergleichsweise effektiv ihre Form von Justiz ungehindert durchsetzen können, ist es unwahrscheinlich, dass in den betroffenen Distrikten die Bevölkerung zur Unterstützung der Regierung motiviert ist. Einige Afghanen betrachten diese Form der Justiz als kleineres Übel und befürworten das Minimum an Stabilität, dass sie herstellt, während andere Afghanen dadurch vor Widerstand gegen die Taliban abgeschreckt werden.

Die “Washington Post” beschreibt die Taliban-Justiz als eine der Ursachen für die deutliche Ausweitung des Einflusses der Aufständischen im Norden seit 2007:

Some local officials said the Taliban was performing well as a surrogate government in the absence of any Afghan official presence, was dispensing a brand of justice that seemed swift and fair, and had tempered some of the more extreme behavior it had shown during its 5 1/2 -year rule in Afghanistan.

“Moderate” Taliban dieser Art stellen wegen ihrer höheren Akzeptanz in der Bevölkerung eine größere Bedrohung dar als extremere Taliban und sollten daher nicht als Dialogpartner, sondern als prioritär anzusprechende Ziele betrachtet werden.

Ohne die Präsenz von Sicherheitskräften in der Fläche der betroffenen Distrikte werden diese Aktivitäten der Taliban nicht zu unterbinden sein, und alle anderen Initiativen zum Aufbau der Regierung oder im Bereich Wiederaufbau und Entwicklung werden nicht greifen können. Wenn “Nation Building” und “Counterinsurgency” funktionieren sollen, dann gibt es keine Alternative zu militärischen Erfolgen am Boden als erstem Schritt.

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Kunduz: “Die Menschen wünschen sich einen starken Beschützer”

Andrea Spalinger berichtet für die NZZ aus Kunduz und beschreibt die zunehmende Einschüchterung der Bevölkerung dort durch die Aufständischen. Die Bundeswehr kommt bei ihren afghanischen Gesprächspartnern nicht gut weg:

Wie viele Regierungsvertreter in Kunduz hat Omarkhel kein gutes Wort für die Bundeswehr übrig. Die deutschen Soldaten seien gut ausgebildet und verfügten über modernste Waffen. Er verstehe nicht, wieso sie die Taliban nicht entschieden bekämpften, sagt er. Der NDS-Chef sieht es ebenso. General Daoud hofft aber, dass die Amerikaner das Steuer noch herumzureissen vermögen. In wenigen Wochen hätten die vor kurzem in die Provinz entsandten amerikanischen Soldaten hier viel mehr erreicht als die deutschen in mehreren Jahren, sagt er. Auch Zabi, ein junger Lokaljournalist, meint, die Amerikaner seien präsenter als die Deutschen und vermittelten ein Gefühl der Sicherheit. Die Menschen in Kunduz hätten Angst und wünschten sich deshalb einen starken Beschützer.

Die Bewertung der Afghanen beschränkt sich nicht auf Regierungsvertreter steht in scharfem Kontrast zur in Deutschland verbreiteten Wahrnehmung, dass die amerikanischen Kräfte die von der Bundeswehr erreichten mutmaßlichen Fortschritte gefährden würden. Bereits nach dem Luftangriff vom 04.09.2009 reagierte insbesondere die nichtpaschtunische Bevölkerung mit Masse positiv darauf, dass nach Jahren weitgehender Passivität gehandelt wurde.

In Deutschland vorhandene Ängste, das Auftreten der Bundeswehr könne als “zu martialisch” wahrgenommen werden, orientierten sich zudem eher an emotionalen Bedürfnissen deutscher Wähler als denen der Afghanen.

Interessant ist auch diese Bewertung der CIVCAS-Problematik durch einen anonymen deutschen Soldaten:

Die Afghanen würfen den Deutschen vor, wegen zurückhaltender Einsatzregeln nicht entschieden genug zu kämpfen, klagt ein Soldat. Doch zu Hause führe jedes Opfer – in den eigenen Reihen oder in der Zivilbevölkerung – zu einem empörten Aufschrei.

Wir weisen auf der Grundlage unserer eigenen Eindrücke vor Ort seit Jahren darauf hin, dass das CIVCAS-Problem in Deutschland überbewertet wird. In der afghanischen Bevölkerung des Nordens wird der allgemeine Mangel an Sicherheit als weit größeres Problem wahrgenommen. Die politische Führung Deutschlands ist jedoch weiterhin nicht in der willens, den Herausforderungen entsprechend zu handeln. Anstatt über mehr Infanterie und Präsenz in der Fläche zu diskutieren, kämpft man immer noch mit der inneren Bewältigung des Tanklaster-Vorfalls.

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Afghanistan: Ehem. Kommandeur des PRT Kunduz für Einsatz von Kampfpanzern

Die Frage der Verlegung von Kampfpanzern ist angesichts der Probleme des Afghanistan-Einsatzes eher von nachrangiger Bedeutung. Dennoch störte uns die Art und Weise, auf die die politische Führung die Diskussion darüber bereits im Ansatz abwürgte. In diesem Zusammenhang freut es uns, dass aus dem Einsatz heraus diese Diskussion dennoch weitergeführt wird.

Beim “Afghanistan-Blog” zitiert Leser “Politikverdruss” einen ehemaligen Kommandeur des PRT Kunduz, Oberst i. G. Rohrschneider (Nachfolger von Oberst Klein), mit einem in “Das Schwarze Barett” (Ausgabe Juli 2010) erschienenen Plädoyer für den Einsatz von Kampfpanzern:

Es ist aber meine Erfahrung gewesen, daß in jeder Krisensituation ein Mangel an wirksamem Feuer das Kernproblem war. Hier erwies sich der Einsatz des SPz Marder als entscheidend. Durchsetzungsfähigkeit, Wirkung und Schutz waren die Voraussetzungen für den Erfolg, wobei wir den SPz mehr wie leichte KPz eingesetzt haben. Nach meiner Bewertung sind KPz durchaus in diesem Szenar vorstellbar, weil überall dort, wo SPz eingesetzt wurden auch KPz ihre Wirkung entfalten können und dazu mit besseren Beobachtungsmöglichkeiten und präziserer Wirkung. Letzteres ist das Handicap bei allem indirekten Feuer. SPz und KPz sollten nicht unterschätzt werden. Die Bevölkerung nimmt sichtbares militärisches Engagement in der Regel als positives Zeichen der Stärke wahr. Und auch die afghanischen Sicherheitskräfte, insbesondere die Polizei steigert ihre Leistung deutlich, wenn solche „Korsettstangen“ alleine nur sichtbar waren.

Der Originalbeitrag ist in der aktuellen Ausgabe von “Das schwarze Barett” (leider noch nicht im Netz) erschienen. Oberst Rohrschneider stützt die Darstellung von Verbündeten, die Kampfpanzer ebenfalls mit positiver Wirkung einsetzten:

Dänische und kanadische Kräfte setzen Kampfpanzer mit positiven Erfahrungen ein, allerdings vorwiegend zur Unterstützung offensiver Aufgaben, welche die Bundeswehr (noch) nicht durchführt. Ein Artikel im “Canadian Army Journal” berichtet über kanadische Erfahrungen beim Einsatz der kanadischen Version des Leopard 1 A5 (”Leopard C2″) im Kampf gegen irreguläre Kräfte in der Provinz Kandahar. Dieser habe sich in zahlreichen Funktionen als nützlich erwiesen, insbesondere im Zusammenwirken mit Infanterie: Er habe auf große Entfernungen gegen erkannten Feind wirken können, habe mit Zusatzausstattung IEDs räumen können und abgesessener Infanterie zusätzliche Stoßkraft und Deckung im Kampf gegen Stellungen der Aufständischen verliehen. Die psychologische Wirkung des Einsatzes von Kampfpanzern ist zudem enorm,und in der afghanischen Bevölkerung stärkt der Einsatz von Kampfpanzer  das Vertrauen in die Durchsetzungfähigkeit von ISAF.

Die grundsätzliche Ablehnung der Verlegung solcher Waffensysteme durch die Politik war wohl eher der Angst vor Diskussion in Deutschland geschuldet als der Anstrengung zur Verbesserung der Ausrüstung der Soldaten im Einsatz.

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Afghanistan: Eric Chauvistré berichtet aus Kunduz

Vom “Freitag” halten wir allgemein wenig, aber Eric Chauvistré schafft es dieses Woche, dem Blatt einen Hauch von Qualität zu verleihen. Chauvinestré kommt zwar aus dem Umfeld der Friedensbewegung, zeichnet sich aber durch einen offenen und kritischen Verstand aus und genießt seit längerem unseren Respekt. Sein Weblog war leider sehr kurzlebig.

In einem aktuellen Beitrag berichtet er aus Kunduz und gibt dabei die Situation und die Einstellung vieler Soldaten (wie wir sie erlebt haben) gut wider.

Er berichtet über die Folgen politischer Fehlentscheidungen:

Solange sie hier sind, würden die Soldaten lieber vorrücken. Das wäre kein Problem, sagen sie. Nur gebe es keine Truppen, um die neu eingenommenen Stellungen zu halten. „Es scheitert am hold“, sagt der junge Oberleutnant, der seit zwei Monaten auf dem Außenposten Dienst tut. [...] Wäre das „hold“ hier erledigt, so sagt es ein Soldat, dann wäre das nächste Ziel klar. Dort unten, wenige hundert Meter von Höhe 432 entfernt, würde man hin. Gerne auch mit etwas schwereren Waffen – „shape and clear“ halt. Wer den politisch befohlenen Stillstand, das perspektivlose Beobachten des Gegners, das ewige Warten eine Weile beobachtet, den kann nicht wundern, dass einige Soldaten hier über einen schnellen Angriff fantasieren.

Man widerspricht dem Klischee des Soldaten als passivem Opfer:

„Seit wir auch beschossen werden, ist es für uns in gewisser Weise leichter geworden“, sagt ein Offizier im PHQ. Jetzt sei man endlich als Infanterist gefordert. Was im politischen Berlin als Eskalation gefürchtet ist, gilt hier manchen als Ausbruch aus der passiven Rolle. Bei Gefechten kann man zurückschießen. Man fühlt sich wie ein Soldat, der handelt anstatt abzuwarten. Schüsse lenken von der Ohnmacht ab.

Wir würden gerne häufiger Beiträge von Herrn Chauvinestré lesen.

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Afghanistan: "Die Aufständischen haben Angst vor den US-Truppen – anders als vor der Bundeswehr"

Beim Afghanistan-Blog haben wir einen interessanten Hinweis auf einen Artikel über den amerikanischen Einsatz in der Provinz Kunduz gefunden. Autor ist der von uns geschätzte und in Deutschland zu wenig wahrgenommene Can Merey:

Seit die Amerikaner in Kundus sind, tritt die Polizei viel selbstbewusster auf als früher. «Die Menschen vertrauen jetzt darauf, dass die Amerikaner und die ANP die Taliban besiegen können», sagt etwa der Polizeichef des Distrikts Imam Sahib, Kadschum Ibrahimi. «Das haben auch die Taliban gemerkt.» Überall in der Provinz ist zu hören, die Aufständischen hätten Angst vor den US-Truppen – anders als vor der Bundeswehr.

Wir haben über Jahre auf die Schwächen des deutschen Einsatzes vor allem in der Provinz Kunduz hingewiesen. Es war nicht schwer, die unter völlig unangemessenen politischen Vorgaben operierende Bundeswehr dort an militärischer Wirkung zu übertreffen, weshalb uns solche Meldungen auch nicht überraschen.

In der deutschen Diskussion wird vermutlich negativ aufgenommen werden, dass die Amerikaner Angst erzeugen. Angst ist jedoch ein wichtiger Faktor im Kampf um die Kontrolle der afghanischen Bevölkerung. Je größer die Angst unter den Aufständischen ist, desto weniger Risiken werden sie bei ihrem Vorgehen auf sich nehmen. Gleichzeitig wird diese Angst der Bevölkerung nicht verborgen bleiben, die diese als Indikator geringeren Vertrauens der Aufständischen in deren Sieg versteht und dadurch eher bereit wird, die Regierung zu unterstützen. Je mehr Angst und Schrecken man in den Herzen der Aufständischen sät, desto besser für den Einsatz.

Trotz der amerikanischen Erfolge ist die Aufstandsbewegung in der Provinz zuletzt jedoch wieder verstärkt aktiv gewesen. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich mittelfristig eine positive Wirkung des amerikanischen Vorgehens zeigen wird. Die Ausganglage in der Provinz Kunduz ist jedoch im Vergleich zum Rest Afghanistans auch nicht besonders schwierig. Die Provinz Kunduz ist trotz ihrer gewachsenen Bedeutung weiterhin nur ein Nebenschauplatz des Konflikts.

Nicht bestätigen können wir die folgende Darstellung:

Was den US-Soldaten fehlt, ist das Wissen über die Region und ihre komplexen sozialen Strukturen, das bei der Bundeswehr von Kontingent zu Kontingent gewachsen ist.

Leider wird von Kontingent zu Kontingent in der Bundeswehr kaum Wissen weitergegeben, und der Aufwand, den die Amerikaner (im Vergleich zu Bundeswehr) in “Cultural Intelligence” bzw. “Human Terrain Teams” (mittlerweile auch im Norden) stecken, ist wesentlich größer als auf deutscher Seite. Hier ruht man sich viel zu sehr auf der Wahrnehmung aus, dass man ja kulturell viel sensibler sei als die Amerikaner und überhaupt die Afghanen ja viel besser verstehe. In der Realität ist die Bundeswehr so wenig in der Fläche des Nordens präsent und in den genannten Bereichen so schlecht aufgestellt, dass von einer Überlegenheit der Bundeswehr keine Rede sein kann.

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Kunduz: Mullah Gai getötet

Die Aufständischen in Afghanistan verweigern sich beständig der Käßmannschen Logik des “Vorrangs vor Zivil”. Der optimale Umgang mit ihnen muß daher zu großen Teilen von einer anderen Logik geprägt sein.

Amerikanische Spezialkräfte der “Task Force 310″ haben nun im Raum Kunduz Mullah Gai getötet, der als Führer u.a. für den Anschlag auf deutsche Soldaten am 02.05.2010 verantwortlich war, bei dem drei Soldaten gefallen waren.

Festnahme und Tötung feindlicher Anführer können erfahrungsgemäß ohne Präsenz eigener Kräfte in der Bevölkerung irreguläre Gegner nur dann schwächen, wenn sie mit hoher Frequenz über längere Zeiträume durchgeführt werden. Sind Festnahme und Tötung jedoch Teil einer umfassenderen Strategie der Kontrolle der Bevölkerung können sie zu einer nachhaltigen Schwächung von Aufstandsbewegungen beitragen.

Die Bundeswehr führt weder Festnahmen noch Tötungen durch, noch ist sie nennenswert in der Bevölkerung präsent. Man hat diese Aufgaben fast vollständig an die USA delegiert (bzw. die USA handelten, nachdem die Bundeswehr zu lange passiv geblieben war), die ihr mit afghanischer Unterstützung zunehmend effektiv nachkommen und in den letzten Wochen neben zahlreichen Kämpfern auch eine Reihe von Führern der Aufständischen im Raum Kunduz vernichtet haben.  Es stellt sich vor diesem Hintergrund der Frage, ob das ohnehin vorwiegend auf symbolischer Ebene stattfindendete militärische Engagement Deutschlands in großen Teilen nicht entbehrlich ist. Es wäre nun interessant zu erfahren, wie sich die Aktivitäten der Aufständischen statistisch parallel zu dem verstärkten Engagement der USA entwickelt haben.

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Drei Gefallene bei Kunduz: Fragen

Zum aktuellen Vorfall bei Kunduz einige Fragen von unserer Seite:

1. Warum wird bei Meldungen  über Gefallene stets nur der Opferaspekt in den Vordergrund gestellt? Warum demütigt und beleidigt die politische Führung die Gefallenen, indem sie sie als wehrlose Opfer darstellt und über sie spricht, als wären sie bei einem Unfall passiv gestorben? Warum wird nicht in den Vordergrund gestellt, dass die Soldaten,  die in den Hinterhalt gerieten, tapfer gekämpft haben und einer Übermacht von 200 feindlichen Kämpfern standhielten? Wäre so eine Anerkennung für die Soldaten und ihre Angehörigen nicht wertvoller als jede routinemäßig geäußerte oberflächliche Trauer oder die übliche “tiefe Betroffenheit”?

2. Statt “tiefer Betroffenheit” , “Entsetzen” und “Bestürzung” würden wir uns von der politischen Führung feste Entschlossenheit oder ein anderes Zeichen von Stärke wünschen. Wie will die Bundesregierung mit demonstrativem Defätismus Vertrauen und Rückhalt unter deutschen Soldaten, deutschen Wählern und afghanischen Verbündeten gewinnen?

3. Wer trägt die Verantwortung dafür, dass der Feind 200 Kämpfer nahe Kunduz konzentrieren konnte? Warum verfügt die Bundeswehr immer noch nicht über Mandat und Fähigkeiten (ausreichend Infanterie, Artillerie, Kampfhubschrauber), um entsprechend zu handeln? Warum wurde gegen die beachtliche Konzentration feindlicher Kämpfer offenbar kein Luftangriff befohlen?

4. Warum ist die Bundeswehr noch immer nicht in der Fläche bzw. in der Bevölkerung des Distrikts Chahar Darreh präsent, um Feindpräsenz dort zu unterbinden (Höhe 431 ist das Gegenteil von Präsenz in der Fläche)?

5. Warum empören sich Politik und Gesellschaft über Oberst Klein, der unter schwierigen Bedrohungen entschlossen handelte, aber nicht über jene, die durch die Anordnung von Passivität dem Feind Aktionen wie die von heute ermöglichten?

6. Der Verteidigungsminister behauptet, der Tod der Gefallenen belege die Notwendigkeit des deutschen Einsatzes und impliziert damit, dass die Politik der Bundesregierung richtig sei. Diese Instrumentalisierung der Gefallenen lehnen wir ab. Hat der Minster es nötig, sich bzw. die strategische Konzeptlosigkeit der Bundesregierung hinter den Gefallenen zu verstecken?

7.  Renate Künast und Jürgen Trittin (Bündnis90/Die Grünen) versuchen ebenfalls, die Gefallenen für ihre Forderung nach einer “Abzugsperspektive für Afghanistan” zu instrumentalisieren. Meinen die Grünen, dass der Tod einer relativ geringen Zahl von Soldaten ein ausreichender Grund für den Abbruch eines militärischen Einsatzes ist? Falls ja: Wie will man unter diesen Bedingungen jemals einen Einsatz erfolgreich zu Ende bringen?

8. Welchen Sinn hat der Tod deutscher Soldaten angesichts einer deutschen Strategie, von der keine uns bekannte Person mit Kenntnis der Lage vor Ort erwartet, dass sie zur Bewältigung der Herausforderungen einen Beitrag leisten wird?

9. Würde die deutsche Öffentlichkeit den Tod einer noch größeren Zahl deutscher Soldaten und vieler Afghananen (nicht alle davon als Aufständische identifizierbar) verkraften, wenn das Vorgehen der Bundeswehr einiges Tages doch noch an den Erfordernissen der Lage ausgerichet würde? Und welche deutschen Interessen würden den für einen erfolgreichen Abschluss des Einsatzes erforderlichen Aufwand rechtfertigen?

10. Wird die Friedensbewegung wie angekündigt den Tod der Gefallenen feiern?

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Tanklaster-Vorfall: Bundeswehr arbeitet weiterhin mit Karim Popal zusammen

Der in Bremen lebende und aus Afghanistan stammende Rechtsanwalt Karim Popal behauptet, Hinterbliebene des Luftangriffes auf die entführten Tanklastwagen vom 04.09.2009 zu vertreten und fordert (angeblich in deren Namen) Entschädigungszahlungen.

Popals Vorgehen hat für uns von Beginn an Fragen aufgeworfen. Die von ihm angegebene Zahl von 137 Opfern ist mit fragwürdgen Methoden recherchiert worden und erscheint uns als viel zu hoch. Belastbare Recherchen deuten darauf hin, dass die maximale Zahl der Opfer um die 90 gelegen hat. Popals Verbindungen zu islamistischen Organisationen wurden als mögliches Motiv für überhöhte Zahlenangaben offenbar nicht geprüft, und auch seine manchmal widersprüchlichen Angaben wurden akzeptiert. Ebenfalls akzeptiert wurde seine Behauptung, dass sich die Bevölkerung bei Ausbleiben von Entschädigungszahlungen gegen die Bundeswehr wenden würde. Die tatsächliche Lage vor Ort stützt diese Behauptung jedoch nicht.

Matthias Gebauer vom “Spiegel”, den wir schon häufig kritisiert haben, hat gute Arbeit geleistet und weitere Kritikpunkte an Popals Arbeit recherchiert:

Zwei deutsche Experten für internationale Schadensersatzfragen trennten sich nach kurzer Kooperation von Popal, der in Bremen eine kleine Kanzlei betreibt. Hinter den Kulissen soll es zwischen Popal und den Fachleuten bei den diffizilen außergerichtlichen Entschädigungsverhandlungen zu Streit über die wechselnden Aussagen Popals und die Finanzierung seiner Reisen nach Afghanistan gekommen sein. In Kunduz hatte Gouverneur Mohammed Omar dem Juristen vorgeworfen, er wolle aus Eigennutz hohe Geldsummen aushandeln, die letztlich bei den Taliban landen würden. Zudem erhob Omar Anschuldigungen, Popal stehe den Islamisten in Afghanistan nahe und sei gar ein enger Vertrauter des Warlords und Islamisten Gulbuddin Hekmatjar. Die Vorwürfe sind kaum nachzuprüfen, gleichwohl ist auch bei der Bundeswehr bekannt, dass Popal durchaus als schillernde Figur gilt.

Wir würden es begrüßen, wenn von Seiten der Medien weiter auf so kritische Weise mit Popals Aktivitäten und der Zusammenarbeit mit ihm umgegangen würde.

Popal hat sich und seine Vorwürfe medial geschickt in Szene gesetzt, und wir haben den Eindruck, dass es dem BMVg bei der Zusammenarbeit mit ihm weniger um die Bewältigung von Herausforderungen in Afghanistan geht als um die Beruhigung von Kritik in Deutschland.

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Kunduz: Meldungen über positive Wirkung des Vorgehens von Milizen

Ein aktueller Beitrag in der “New York Times” beleuchtet die gegenwärtige Lage in der Provinz Kunduz und spricht von einer positiven Wirkung des Vorgehens afghanischer Milizen:

Not long ago even police cars could not drive down the eastern approaches to the city of Kunduz, for fear of rocket attacks from Taliban insurgents. No more.

Wichtig ist, dass das Vorgehen der Milizen bislang von der Bevölkerung akzeptiert wird, einer gewissen politischen Kontrolle unterliegt und auch von paschtunischen Führern unterstützt werde, die sich  z.T. durch die von internationalen militanten Islamisten unterstützten Taliban bedroht sähen. Die Einschüchterungsstrategie der Taliban sei hier kontraproduktiv gewesen. Die in der afghanischen Bevölkerung (auch unter Paschtunen) u.a. aufgrund dieser Einschüchterung vorhandene Ablehnung der Taliban geht in der deutschen Diskussion leider weitgehend unter bzw. wird in der allgemeinen Aufregung über von ISAF verursachte zivile Kollateralschäden fast nicht wahrgenommen.

Eine der wichtigsten sicherheitsrelevanten Entwicklungen in der Provinz Kunduz in den letzten Wochen und Monaten war die Aufstellung von Milizen, die mit Unterstützung des afghanischen Nachrichtendienstes NDS und amerikanischer Spezialkräfte gegen Aufständische in einigen Distrikten vorgingen. Soweit dies offen bekannt ist, ist die Bundeswehr nicht an dieser Initiative beteiligt, und mit Ausnahme eines Beitrags von Friederike Böge wurde das Geschehen von deutschen Medien weitgehend ignoriert.

Wir hatten das Thema in mehreren Beiträgen angesprochen und u.a. auf die potentiellen Probleme hingewiesen. Landesweit laufen derzeit mehrere Initiativen zur Aufstellung und Unterstützung von Milizen, etwa die “Community Defence Initiative“, wobei unklar bleibt, in wiefern die Milizen im Norden darin eingebunden sind.

Aus Mullah Omars jährlicher Eid al-Adha-Botschaft ging hervor, dass die Taliban das Vorgehen der Milizen durchaus mit Sorge betrachten, und die Taliban im Raum Kunduz versuchen, ihre übliche Einschüchterungsstrategie anzupassen und Milizenführer zu töten.

Die Bundesregierung vergibt derzeit die Chance, das Vorgehen der Milizen so zu unterstützen, dass es nachhaltige Wirkung erzielen kann und gleichzeitig die bekannten Risiken minimiert werden. Der Bundeswehr fehlen die Kräfte und der Auftrag dazu, und zivile Hilfsorganisationen wehren sich beharrlich dagegen, ihr Vorgehen im Rahmen einer Stabilisierungsstrategie zu koordnieren. Das bedeutet nicht, dass die Milizen scheitern werden oder ihr Vorgehen zu Anarchie führen wird, aber aufgrund der deutschen Versäumnisse wird solch ein Ausgang wahrscheinlicher.

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Chahar Darreh: Meldung über den Tod von Mullah Ahsanullah

Weil es in deutschen Medien mal wieder nicht vorkommt, weisen wir nur der Vollständigkeit halber auf diese Meldung der üblicherweise gut über Ereignisse im Norden Afghanistans informierten chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua hin:

Laut Angaben der afghanischen Polizei wurde demnach im Zusammenwirken mit ungenannten “NATO-geführten” internationalen Kräften Mullah Ahsanullah (Transkription könnte auch Ihsanullah sein), ein lokaler Taliban-Führer, in Chahar Darreh getötet.

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Bevorstehende Operation in Chahar Darreh: Aus Fehlern gelernt?

Es wirkt nicht gerade professionell, dass die Bundeswehr eine bevorstehende Operation im Distrikt Chahar Darreh in der Provinz Kunduz einer Weise ankündigt, die dem Feind die Gelegenheit gibt, sich taktisch vorzubereiten. Solange der Feind durch die Meldung nicht aktiv getäuscht werden soll, ist dieses Verhalten zu verurteilen, weil es dem Feind unnötig Vorteile verschafft. Auf diese Form der Transparenz sollte man künftig verzichten.

Wichtiger ist aber die Frage, ob bei der Planung der Operation aus Fehlern vorangegangener Operationen wie “Operation Harekate Yolo II” oder “Operation Oqab” gelernt wurde. Diese Operationen beschränkten sich auf die vorübergehende Verdrängung der Aufständischen aus den jeweiligen Räumen. Sie waren nicht oder nur unzureichend in eine übergeordnete Strategie eingebunden, und es folgte keine dauerhafte Präsenz in den genommenen Räumen, welche dort die Autorität der Regierung und die Kontrolle über die Bevölkerung hätte stärken können. Die Aufständischen konnten daher zurückkehren und ihre eigene Kontrolle über die Bevölkerung noch ausbauen, weil die Bevölkerung zunehmend das Vertrauen in die Durchsetzungsfähigkeit afghanischer und internationaler Sicherheitskräfte verlor.

Chahar Darreh wird aufgrund der militärischen Fehler der Vergangenheit mittlerweile praktisch vollständig von den Aufständischen kontrolliert, wie der von den Aufständischen entführte Journalist Stephen Farell im September beschrieb:

[T]hat control appeared total. At no point did we see a single NATO soldier, Afghan policeman, soldier or any check to the Taliban’s ability to move at will. [...] There was no doubting the absolute force of their writ in the area southwest of Kunduz, which we traversed time and again [...].

[Nachtrag: Leser "turan saheb" weist darauf hin, dass die Lage sich zuletzt aufgrund von ANSF-Operationen (unterstützt vermutlich durch amerikanische Kräfte) wieder verbessert hatte.]

Die Aufständischen erstarkten nach 2007, als die Bundeswehr ihre Präsenz in der Bevölkerung nach einem Anschlag in Kunduz zunehmend reduzierte. Carlotta Gall beschreibt das mangels Präsenz von Sicherheitskräften praktisch ungehinderte Erstarken der Aufständischen:

By the spring of 2008, militants started appearing in groups of as many as 100, with some foreign fighters among them, local residents and officials said. They assassinated local leaders, including a Pashtun Koran reader who was beheaded, and quickly took control of several Pashtun areas, forcing ethnic Uzbeks from their homes in some districts [...].  This year the Taliban arrived with “lots of cash, new dollars and guns,” and began collecting ushr, an Islamic tax, from farmers. Now, he said, they come to his home and demand to be fed, and have begun an intimidation campaign against his family for not supporting them at the beginning.

Für einen Erfolg wäre es daher erforderlich, dauerhaft in der Bevölkerung und in den genommenen Räumen präsent zu bleiben:

A company of German paratroopers in the district of Chahar Darreh, where insurgent activity is particularly pronounced, fought off a series of attacks and stayed in the area, patrolling on foot and meeting with local elders for eight days and seven nights. “The longer we were out there, the better the local population responded to us,” said Capt. Thomas K., the company’s commander.

Das Problem des unzureichenden militärischen Vorgehens der Bundeswehr wird von Bevölkerung und Soldaten kritisiert:

„Es hat zwar Operationen gegeben. Sie haben auch vorübergehend positive Ergebnisse gebracht. Aber dann sind die Regierungskräfte wieder zurückgewichen und die Taliban kamen sofort zurück nach Char Dara“, erzählt Habib, ein unabhängiger Wahlbeobachter in den Distrikten. Die deutschen Truppen, sagt er, handelten nicht offensiv genug, hielten sich eher zurück. Dies bestätigt ein hoher Offizier der Bundeswehr: „Unsere Aktionen verpuffen. Wir fahren in ein Gebiet rein – und so schnell wie möglich wieder raus. Aber wenn wir das Vertrauen der Menschen gewinnen und mit unseren Projekten helfen wollen, müssen wir ihnen Sicherheit bieten. Das heißt, wir müssen dann auch in der Fläche bleiben.”

Diese dauerhafte Präsenz ist jedoch politisch nicht gewollt. Die Bundesregierungen der Vergangenheit verfolgten in Afghanistan primär das Interesse, schlechte Nachrichten über eigene Verluste zu vermeiden, welche die die innenpolitische Unterstützung für den Einsatz noch weiter untergraben könnten.

Selbst wenn der politische Willen zum Handeln diesmal vorhänden wäre, so würden der Bundeswehr aufgrund von Fehlentscheidungen der Politik in Kunduz die Kräfte fehlen, die benötigt würden, um eine der Lage angemessene Präsenz in der Bevölkerung sicherzustellen:

Die Bundeswehr dringt nicht in das Kerngebiet der Taliban vor. Das unwegsame Gelände westlich von Kundus ist mit „Dingo“ und „Fuchs“, den beiden Patrouillenwagen der Truppe, nicht zu durchqueren. Um in die Dörfer zu kommen, wären Operationen abgesessener Infanterie notwendig. In Anbetracht der Ausrüstung und der Personalschwäche der deutschen Truppen in Kundus ist das nicht möglich. [...] Wie sollen sie die Menschen dann schützen können, wie es der Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal von den Truppen fordert? „Gar nicht“, sagt ein Bundeswehrsoldat. „Wir können das nicht, weil wir viel zu wenige sind.“ Und das schon seit Jahren. Von Anfang an war die Bundeswehr in Kundus unterbesetzt.

Es ist eine vielfach fälschlich als “Besonnenheit” gelobte übervorsichtige Passivität der Bundeswehr, die neben dem Unwillen der Politik und dem Mangel an Kräften verhindert, dass den Herausforderungen im Raum Kunduz wirksam begegnet werden kann. Die Bundeswehr hat dem Druck der Aufständischen immer wieder nachgegeben und ihre Präsenz von einem geringen Ausgangsniveau nach Anschlägen immer weiter reduziert. Nach den Luftangriffen auf Tanklaster im September (die vor allem in Folge mangelnder Kräfte erst erforderlich wurden) musste man zeitweise befürchten, dass seitens der Führung nun überhaupt kein Mut mehr zum Handeln vorhanden sein könnte. Die Tatsache, dass nun doch eine Operation durchgeführt werden soll, ist zumindest ein positives Signal. Es ist aber zu befürchten, dass auch die bevorstehende Operation aus den beschriebenen Gründen keine nachhaltige Wirkung erzielen wird. Äußerungen des Verteidigungsminister, dass es “keine militärische Lösung” gebe, sind in diesem Zusammenhang beunruigend, da es in Chahar Darreh keine Lösung ohne militärische Präsenz geben wird.

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Afghanistan: Niederländer nach Kunduz?

Die Regierung der Niederlande überlegt laut “De Telegraaf”, Kräfte in die Provinz Kunduz zu verlegen. Der niederländische Einsatz in der Provinz Uruzgan endet 2010, so dass Kräfte freigesetzt werden. Auch die Amerikaner verlegen zusätzliche Kräfte in der Provinz, in der sich die Bedrohungslage u.a. aufgrund mangelnder Präsenz der Bundeswehr seit 2007 laufend verschlechtert hatte. Deutschland will 120 Soldaten zusätzlich nach Kunduz verlegen.

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Kunduz: Warum die Aufständischen erstarkten

Die politische Führung und Vertreter fast aller Parteien behaupten gerne, dass der Einsatz der Bundeswehr im Norden Afghanistans eigentlich ein Erfolg sei, und dass die zu beobachtende Verschlechterung der Bedrohungslage und das Erstarken der Aufständischen primär eine Folge des angeblich unangemessen kinetischen Vorgehens der USA oder der Briten im Süden und Osten des Landes sowie ziviler Kollateralschäden sei. Diese Darstellung gehörte zu den durch den ehemaligen Verteidigungsminister verbreiteten Unwahrheiten, für die er praktisch nie kritisiert wurde. Andere meinen, dass zuwenig zivile Aufbauhilfe oder andere Faktoren die primäre Ursache dieser Entwicklung seien.

Wir meinen hingegen, dass das zentrale Problem im Norden mangelnde Präsenz der Bundeswehr in der paschtunischen Bevölkerung in Verbindung mit militärischer Passivität ist. Carlotta Gall beschreibt in der “New York Times”, wie die Passivität der Bundeswehr den Aufständischen ermöglichte, im Raum Kunduz zu erstarken:

Kunduz, a fertile farming region interspersed with desert, has had a trajectory similar to that of many other provinces, as the insurgents extended their hold through calculated intimidation and exploitation of tribal ties. By the spring of 2008, militants started appearing in groups of as many as 100, with some foreign fighters among them, local residents and officials said. They assassinated local leaders, including a Pashtun Koran reader who was beheaded, and quickly took control of several Pashtun areas, forcing ethnic Uzbeks from their homes in some districts, said Wakil Qara Qushlik, a local leader who had to flee his village last year. The Taliban were at first more subtle with their fellow Pashtuns. A group of them came last spring without guns to introduce themselves to one prominent Pashtun family in Chahardara, and asked for support. They were worried about their own safety then, one family member said, asking not to be named. “They were behaving very well with the people,” he said. “They stopped thieves, and brought law and order to the area.” But as elsewhere, that changed as the Taliban gained power and confidence, he said. This year the Taliban arrived with “lots of cash, new dollars and guns,” and began collecting ushr, an Islamic tax, from farmers. Now, he said, they come to his home and demand to be fed, and have begun an intimidation campaign against his family for not supporting them at the beginning.

Alle diese Entwicklungen hätten militärisch verhindert werden können. Dies geschah nicht, weil die Bundesregierung dies ausdrücklich nicht wollte. Nicht nur Minister Jung hat über die Lage im Norden die Unwahrheit gesagt und damit dazu beigetragen, dass eine Diskussion über die Erfordernisse der Lage bis heute in Deutschland nur sehr unzureichend stattfindet.

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Tanklaster-Vorfall: Was tatsächlich geschah

Leser Georg weist auf einen ausgezeichneten Beitrag von Uli Gack (ZDF) hin, der den Ablauf des Tanklaster-Vorfalls recherchiert hat. Es wird folgendes klar:

  • Die Aufständischen betrieben außergewöhnlichen Aufwand zur Sicherung ihrer Ausweichroute und planten offenbar, die Tanklaster für “weitere Aktionen” (=Anschläge) vorzubereiten. Solche Anschläge hätten potentiell katastrophale Wirkung haben können.
  • Die Taliban ließen nur ihre Unterstützer zur den Tanklaswagen vor und zwangen eventuell noch einige weitere Personen, sie zu unterstützen. Die Abwesenheit von Unbeteiligten sei durch mehrere Quellen gleichlautend und bis unmittelbar vor den Luftangriffen bestätigt worden. Im Umfeld der Tanklastwagen hielten sich somit nur legitime militärische Ziele im völkerrechtlichen Sinne auf.
  • Der geheimnisvolle “dritte Aufklärungsstrang” waren offenbar Mitarbeiter des afghanischen Nachrichtendienstes NDS, die über ein detailliertes Lagebild verfügten.

Aus Gacks Recherchen geht der eigentliche Skandal hervor : Der Bundesregierung fehlt offenbar der Mut, sich gegen unberechtigte Vorwürfe bzgl. des Tods von Zivilisten zu wehren. Diese Bundesregierung ist zudem dafür verantwortlich, dass die Aufständischen aufgrund der Passivität der Bundeswehr überhaupt diese Aktion wagten:

Die Taliban wähnen sich sicher. Sie hören zwar die Flugzeuge, glauben aber nicht an einen Angriff. Das trauen sie den Deutschen nicht zu, wie aus abgehörten Handygesprächen hervorgeht.

Die Schwäche der Bundesregierung, die sich der Diskussion nicht offensiv zu stellen wagt, und die Schwäche einer Bundeskanzlerin die nicht führen will,  sind auch dafür verantwortlich, dass die Diskussion irrelevant bleibt anstatt die wirklich wichtigen Punkte anzusprechen.

Zu verurteilen ist auch das Verhalten der SPD und von Bündnis90/Die Grünen, die offenbar unbegründete Vorwürfe auf Kosten der Soldaten erheben und eine Mitverantwortung dafür tragen, dass die Bundeswehr in Afghanistan nicht über die Fähigkeiten und das Mandat verfügt, dass sie zur Erfüllung ihres Auftrags brauchen würde.

Für jene, welche den Soldaten im Einsatz aus populistischem Kalkül in den Rücken fallen, und für jene, die sich nicht so vor sie stellen wie es ihre moralische Pflicht wäre, empfinden wir Verachtung.

Wir wüssten zudem gerne, welche Maßnahmen gegen Karim Popal,  einen Afghanen mit deutschem Paß getroffen werden, der aus dem Vorfall offenbar Profit schlagen will und von Dutzenden angeblich getöteten Kindern fabuliert. Um öffentlichen Druck aufzubauen, wurde eine Internetseite eingerichtet. Er strebt eine außergerichtliche Einigung an, wohl in dem Wissen, dass er über keine Beweise verfügt, die vor Gericht Bestand hätten. Die von ihm z.T. als “Beweise” vorgelegten Wählerregistrierungskarten angeblich Verstorbener wurden im Vorfeld der Wahlen in großer Zahl mehrfach ausgestellt etc. und sind als Beweise untauglich. Zudem sagen sie nichts über die Rolle eventuell tatsächlich Verstorbener beim Vorfall aus.

Offenbar spekuliert er darauf, dass die Bundesregierung lieber zahlt als sich öffentlichen Vorwürfen bzgl. toter Kinder etc. auszusetzen. Popal soll angeblich von deutschen Soldaten aus Chahar Darreh evakuiert worden sein. Es wäre das mindeste, wenn ihm diese Aktion in Rechnung gestellt würde. Klagen wegen Verleumdung deutscher Soldaten sollten folgen.

Nachtrag:

Popal gehört nach eigenen Angaben der islamistischen “Schura Bremen” an. Der Verfassungschutz Bremen beobachtet die Gruppierung. Ob Popal bei seiner Kampagne gegen die Bundeswehr weltanschauliche Ziele verfolgt,  sollte geprüft werden.

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Kunduz: Aufständische töten Milizenführer

Sayyid Rahman, einer der Anti-TB Kommandeure in Khan Abad, ist durch ein Roadside-IED getötet und ein anderer (Qazi Shamsuddin) und dessen Bruder Berichten zufolge verwundet worden.

Ich bin (wie auch beim targetting von INS) geneigt, dem Tod von Einzelpersonen zunächst keine allzugroße Bedeutung beizumessen, solange die dahinterstehende Dynamik weiterbesteht. Extrem problematisch ist trotzdem, dass die Bundeswehr trotz ihrer (aus afghanischer Sicht noch viel gewaltigeren) Kampfkraft nicht in der Lage / nicht willens ist, ihre Präsenz in ein Mehr an Sicherheit sogar für ihre Verbündeten und Mitstreiter umzusetzen. Sie hätte die Anschläge nicht verhindern können, wenn sie sich aber noch nicht einmal bemüht (weitere Anschläge und Re-Infilitration von TB werden folgen) sondern unter “Sicherheit” weiterhin die eigene Sicherheit versteht ist sie bestenfalls ein Störfaktor, der durch die für Afghanen dann unerklärliche Präsenz die Mobilisierungsrhetorik der Aufständischen (”AFG ist von bewaffneten Ungläubigen mit finsteren Absichten besetzt, aber wir können sie schlagen, weil sie feige sind”) unterstreicht.

Bürokratien reagieren langsam und gehorchen ihren eigenen Gesetzen, aber wir riskieren, dass wir die Lage in naher Zukunft gar nicht mehr beeinflussen können. Bei allem Verständnis für kurzfristige innenpolitische Sachzwänge; wir marschieren sehenden Auges in den Abgrund. die Politik dürfte sich auch aus Eigeninteresse nicht nur an deutschen Wahlterminen sondern müsste sich zumindest ein bisschen an der Lage vor Ort orientieren. Denn das große Scheitern in Afghanistan kann durchaus noch vor dem Ende der Legislaturperiode unübersehbar werden, insofern wird das Problem nur aufgeschoben.

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Kunduz: Hohe Verluste der Aufständischen bei US/ANSF-Offensive

Voller Empörung berichtet “Spiegel Online” darüber, dass amerikanische und afghanische Sicherheitskräfte bei ihrer erfolgreichen und längst überfälligen Offensive im Raum Gul Tapa in der Provinz Kunduz den Aufständischen offenbar hohe Verluste zugefügt haben. Die Angaben von 133 getöteten Aufständischen bei minimalen eigenen Verlusten, welche die ANA veröffentlicht hatte, wurden von den Amerikanern grob bestätigt.

Das deutsche PRT ist der Meldung zufolge zu seiner gewohnten Passivität zurückgekehrt und hat sich an der Offensive nicht beteiligt. Sollten die USA ihre Kräfte im Norden demnächst wie geplant verstärken (Kunduz und Mazar-e-Sharif sollen zu den zehn Schwerpunkten im Land gehören), könnte der Einsatz der Bundeswehr in Kunduz endgültig irrelevant werden.

Matthias Gebauer steht mit seinem stark gefärbten und fachlich mangelhaften (da wird ein ANA-Kommandeur zum “Anführer” und ein TB-Bandenführer zum “Kommandeur”) Beitrag stellvertretend für den Tenor der deutschen Diskussion, die immer noch davon auszugehen scheint, dass im Norden alles gut laufen würde wenn die Amerikaner dem nicht mit ihren “brachialen” Methoden entgegenwirken würden. Gebauer scheint sich zivile Opfer und Empörung in der afghanischen Bevölkerung geradezu herbeizuwünschen. Die Wahrheit ist jedoch, dass die afghanische Bevölkerung bei aller Distanz zu den USA mit Masse froh darüber ist, dass endlich gegen die Aufständischen gehandelt wird, die nur unter der Minderheit der Paschtunen über begrenzten (meist erzwungenen) Rückhalt verfügen.

Das eigentliche Problem im Zusammenhang mit der Offensive wird von Gebauer nicht erwähnt: Es mangelt möglicherweise an Sicherheitskräften, um der “Clear”-Phase (von Gebauer mit “Reinigungsoperation” übersetzt, wohl um unpassende Assoziationen zu schaffen) die erforderliche “Hold”-Phase folgen zu lassen. Die Bundeswehr hat diese Kräfte ebensowenig wie die afghanische Seite. Aber vielleicht übernehmen ja bald die Amerikaner ganz und leisten das, wozu Deutschland nicht willens und nicht fähig war. Die Rhetorik des neuen Verteidigungsministers macht am Boden bislang keinen Unterschied.

Wir hoffen, dass sich demnächst kompetente Journalisten mit Afghanistan-Schwerpunkt wie Friederike Böge, Marco Seliger oder auch Gebauers Kollegin Susanne Koelbl des Themas annehmen werden.

Wir selbst nutzen die Gelegenheit, um uns vorübergehend in eine Pause zu verabschieden.

Nachtrag: Laut “Wall Street Journal” war die Bundeswehr doch zumindest an Teilen der Operation beteiligt.

Afghan government officials said the offensive in Kunduz started last week as Afghan army units and U.S. special operations forces surrounded known Taliban strongholds in the Chahar Dara district, while German troops sealed off the area and trapped fleeing insurgents.

Aus internationalen Medien wird man möglicherweise erneut besser über die Lage im Norden Afghanistans sowie die Aktivtäten der eigenen Soldaten informiert als von deutschen Medien und der Bundesregierung.

Nachtrag: Leser “VB” weist auf Folgendes hin:

Laut Gebauer-Artikel wurde bei der Op seitens der ANA die 2. Brigade 209. Korps in Stärke 800 Mann eingesetzt. Der Brigadestab und mehrere Kandaks müssten durch deutsche OMLT begleitet werden. Daher wäre selbst die WSJ-Darstellung unterhalb des Versprochenen.

Deutsche OMLTs mussten bei Einsätzen der von ihnen mentorierten Kräfte außerhalb des Nordens in der Vergangenheit zurückbleiben. Es gibt auf den ersten Blick nur zwei Möglichkeiten: Entweder trifft die Information nicht zu, dass keine deutschen Soldaten beteiligt waren, oder deutsche OMLTs werden mittlerweile auch innerhalb des Nordens z.T. zurückgehalten.

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US/ANSF-Operation in Kunduz: “Amerikaner schrecken vor gezielten Tötungen nicht zurück”

Matthias Gebauer ist es positiv anzurechnen, dass er bei “Spiegel Online” über das Vorgehen amerikanischer Spezialkräfte und afghanischer Sicherheitskräfte in der Provinz Kunduz (u.a. in Chahar Darreh) berichtet, die in den letzten Tagen Dutzende Aufständische getötet haben. Darunter war auch Qari Bashir, ein wichtiger Bandenführer der Taliban.

Was Gebauer positives leitet, kompensiert er leider durch seine fragwürdigen Bewertungen (nach jedem noch so mangelhaft ausgeführten Anschlag in Kabul erweckt z.B. er den Eindruck, die Stadt würde überrannt) und wenig sachkundige Äußerungen. So schreibt er diesmal:

Im Gegensatz zu den Deutschen schrecken die Amerikaner dabei vor gezielten Tötungen von Verdächtigen nicht zurück und gehen rigoros bei ihren Einsätzen vor.

Der Begriff der “gezielten Tötung” erzeugt bei Laien (zu denen man offenbar auch Gebauer rechnen muß) häufig intuitive Ablehnung, weil er Tatsachen klar zum Ausdruck bringt, die manche lieber verdrängen möchten. Es ist ja nicht so, dass bei konventionellem militärischen Vorgehen keine Menschen getötet werden, aber die Erinnerung daran, dass im Krieg der Tod des Gegners bewusst in Kauf genommen wird, ist manchen dann doch zu deutlich. In Gebauers Fall führen solche Gefühle leider immer wieder dazu, dass er unprofessionell berichtet und den Eindruck erweckt, als sei das Vorgehen irgendwie illegitim. Warum sollte man sonst davor “zurückschrecken”?

Das Vorgehen gegen militärische Ziele im Rahmen gezielter Tötungen ist rechtlich und auch ansonsten jedoch völlig unproblematisch. Das gezielt gegen militärische Ziele vorgegangen wird, sollte selbstverständlich sein. Dass Einzelpersonen militärische Ziele sind, ergibt sich aus der Kriegführung des Gegners. Auch von Medien wie “Spiegel Online” sollten acht Jahre nach Beginn des Einsatzes mit dieser Form der Kriegführung vertraut sein.

Militärisches Vorgehen soll von der Politik definierte Ziele erreichen und dazu bestimmte Wirkung erzielen. Üblicherweise besteht diese Wirkung darin, die Fähigkeiten eines Gegners so zu reduzieren, dass dieser den Kampf nicht mehr oder nur unter für ihn nicht mehr tragbarem Aufwand fortsetzen kann . In konventionellen Szenaren geschieht das durch gezielte Bekämpfung von Hauptquartieren, Brücken und anderen physischen Objekten, an denen der Gegner verwundbar ist.

In irregulären Szenaren, in denen man netzwerkartig strukturierte Gegnern gegenübersteht, sind diese Verwundbarkeiten meist nicht physische Obkekte, sondern Knotenpunkte in Netzwerken, d.h. Einzelpersonen. Abnormal ist nicht die Bekämpfung solcher Ziele, wie Gebauer impliziert, sondern eher die Tatsache, dass die Bundeswehr dies nicht tut. Der unsachgemäßen Interpretation des Völkerrechts durch die Bundesregierung nach handelt es sich nämlich nicht um militärische Ziele, sondern um zivile Straftäter, gegen die nur in Selbstverteidigung (mittlerweile im erweiterten Sinne) Gewalt eingesetzt werden darf. Den Bedingungen vor Ort entspricht diese Interpretation natürlich in keinster Weise. Streng genommen müssten nach dieser Sicht z.B. alle beim Tanklaster-Vorfall getöteten Aufständischen als zivile Opfer deklariert werden.

Es ist diese Sicht und die daraus folgende Passivität, die wir für absurd halten und vor der man im Gebauerschen Sinne zurückschrecken sollte, weil sie dazu geführt hat, dass die Situation in der Provinz Kunduz zunehmend außer Kontrolle geriet. Die Ansicht, dass bewaffnet kämpfende Aufständische militärische Ziele sind und entsprechend zu bekämpfen sind, halten wir hingegen für vernünftig, angemessen und absolut unterstützenswert. Wir würden uns wünschen, dass die Bundeswehr selbst diese Aufgabe durchführen dürfte anstatt sich darauf verlassen zu müssen, dass andere dies tun.

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Diskussion um Untersuchungsbericht zu Tanklaster-Vorfall: Falsche Schwerpunkte

Die Diskussion über den Untersuchungsbericht der NATO zu den Luftangriffen auf von Taliban entführte Tanklaster bei Kunduz im September geht in die falsche Richtung. Es ist vergleichsweise unwichtig, ob Oberst Klein sich an an die Vorgaben zur Anforderung von Luftnahunterstützung gehalten hat oder nicht. Es ist aber typisch für die deutsche Diskussion, dass sie sich in legalistischen Details verliert.

Wesentlich relevanter sind aus unserer Sicht die folgenden Fragen:

  • Welche Folgen hatten die Luftangriffe für die Bedrohungslage vor Ort? Wenn unsere Wahrnehmung zutrifft, dass die Wirkung positiv war: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Müssten solche Luftangriffe nicht häufiger befohlen werden?
  • Warum waren Kräfte der Bundeswehr entlang der strategisch wichtigen Hauptverbindungsstraße nicht ausreichend präsent, um Aufständischen den Betrieb illegaler Checkpoints zu verweigern? Wenn unsere Wahrnehmung zutrifft, dass dies an zu wenig eigenen Kräften und einem allgemein zu passiven Ansatz liegt: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Warum fordert keiner der politisch Verantwortlichen mehr Kräfte und einen aggressiveren Ansatz?
  • Wie reagierte die Bevölkerung vor Ort auf die Luftangriffe? Unsere Wahrnehmung ist, dass die Reaktionen positiv bis neutral waren. Die nichtpaschtunische Bevölkerung nimmt ISAF bzw. die Bundeswehr tendenziell als zu passiv wahr, und die von den Folgen des Luftangriffs betroffene paschtunische Bevölkerung hielt sich zurück, weil die betroffenen Familien sich schämten, dass ihre Angehörigen sich an Plünderung und Raubmord beteiligt hatten. Wer auch immer beim Luftangriff getötet wurde, war nicht unschuldig, und auch die Bevölkerung vor Ort sieht es mehrheitlich so. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Müsste man nicht stärker als bisher gegen die Aufständischen vorgehen, um das Vertrauen in der Bevölkerung zu stärken?

Eine angemessene Diskussion des Vorfalls und seiner Folgen müsste sich diesen Fragen stellen. Es wäre fatal, wenn in Folge des Vorfalls im Norden Afghanistans noch passiver und “besonnener” (deutsche Medien beschrieben dies als eine angeblich positive Eigenschaft Oberst Kleins) vorgegangen würde als bislang der Fall.

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Diskussion um Untersuchungsbericht zu Tanklaster-Vorfall: Falsche Schwerpunkte

Die Diskussion über den Untersuchungsbericht der NATO zu den Luftangriffen auf von Taliban entführte Tanklaster bei Kunduz im September geht in die falsche Richtung. Es ist vergleichsweise unwichtig, ob Oberst Klein sich an an die Vorgaben zur Anforderung von Luftnahunterstützung gehalten hat oder nicht. Es ist aber typisch für die deutsche Diskussion, dass sie sich in legalistischen Details verliert.

Wesentlich relevanter sind aus unserer Sicht die folgenden Fragen:

  • Welche Folgen hatten die Luftangriffe für die Bedrohungslage vor Ort? Wenn unsere Wahrnehmung zutrifft, dass die Wirkung positiv war: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Müssten solche Luftangriffe nicht häufiger befohlen werden?
  • Warum waren Kräfte der Bundeswehr entlang der strategisch wichtigen Hauptverbindungsstraße nicht ausreichend präsent, um Aufständischen den Betrieb illegaler Checkpoints zu verweigern? Wenn unsere Wahrnehmung zutrifft, dass dies an zu wenig eigenen Kräften und einem allgemein zu passiven Ansatz liegt: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Warum fordert keiner der politisch Verantwortlichen mehr Kräfte und einen aggressiveren Ansatz?
  • Wie reagierte die Bevölkerung vor Ort auf die Luftangriffe? Unsere Wahrnehmung ist, dass die Reaktionen positiv bis neutral waren. Die nichtpaschtunische Bevölkerung nimmt ISAF bzw. die Bundeswehr tendenziell als zu passiv wahr, und die von den Folgen des Luftangriffs betroffene paschtunische Bevölkerung hielt sich zurück, weil die betroffenen Familien sich schämten, dass ihre Angehörigen sich an Plünderung und Raubmord beteiligt hatten. Wer auch immer beim Luftangriff getötet wurde, war nicht unschuldig, und auch die Bevölkerung vor Ort sieht es mehrheitlich so. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Müsste man nicht stärker als bisher gegen die Aufständischen vorgehen, um das Vertrauen in der Bevölkerung zu stärken?

Eine angemessene Diskussion des Vorfalls und seiner Folgen müsste sich diesen Fragen stellen. Es wäre fatal, wenn in Folge des Vorfalls im Norden Afghanistans noch passiver und “besonnener” (deutsche Medien beschrieben dies als eine angeblich positive Eigenschaft Oberst Kleins) vorgegangen würde als bislang der Fall.

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Tanklaster-Vorfall: Untersuchungsbericht liegt vor

Laut dpa soll der Untersuchungsbericht der NATO zum Tanklaster-Vorfall bei Kunduz im September mittlerweile abgeschlossen sein. In den nächsten Tagen könnte es also möglicherweise Klarheit zu den vielen Vorwürfen gegen die Bundeswehr geben. Was bereits feststeht: Die Luftangriffe haben die Aufständischen im betreffenden Gebiet zumindest vorübergehend geschwächt, und zu der von ihnen angekündigten Reaktion waren sie offenbar nicht mehr in der Lage. Die afghanische Bevölkerung vor Ort reagierte entweder positiv oder neutral auf die Luftangriffe. Die voreilige Skandalisierung des Vorfalls war unbegründet. Unklar ist noch, ob der Befehl zum Luftangriff unter Einhaltung der Weisungen des ISAF-Kommandeurs und auf der Grundlage eines klaren Lagebildes erteilt wurde, und wieviele der Getöteten Personen waren, die nicht im Zusammenhang mit der Aufstandsbewegung handelten.

Nachtrag: Die Bundeswehr reagiert diesmal rasch und verhindert durch die Veröffentlichung einiger Informationen die Entstehung von Gerüchten und Spekulationen. Laut General Schneiderhan kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass das PRT Kunduz militärisch angemessen gehandelt habe, die Entscheidung Oberst Kleins richtig war und dass die Zahl der Toten nicht mehr ermittelt werden könne.

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