Mangelnde Bescheidenheit ist Martin Walsers Problem nicht. Wie viele andere Schriftsteller auch hält er sich für eine moralische Autorität und möchte Politikberatung betreiben. Wer Literaturpreise gewinnt, ist jedoch nicht automatisch auch für diese Aufgabe qualifziert.
“Soldatenglück” zitiert ihn aktuell mit der Forderung, Deutschland solle in Afghanistan “Frieden erklären” und sich zurückziehen.
Nun gibt es tatsächlich gute Argumente für eine Revision des bisherigen Engagements. “Frieden” wäre allerdings nicht die Folge eines Endes des Einsatzes. Der Süden und Osten würden wahrscheinlich bald von Taliban kontrolliert werden und einen Bürgerkrieg gegen den Norden führen, der 2001 so aussah:
Thousands of Taliban fighters surrendered to General Dostum’s forces, which were part of the American-backed Northern Alliance, in the city of Kunduz. They were then transported to a prison run by the general’s forces near the town of Shibarghan.Survivors and witnesses told The New York Times and Newsweek in 2002 that, over a three-day period, Taliban prisoners were stuffed into closed metal shipping containers and given no food or water; many suffocated while being trucked to the prison. Other prisoners were killed when guards shot into the containers. [...] A recently declassified 2002 State Department intelligence report states that one source, whose identity is redacted, concluded that about 1,500 Taliban prisoners died. Estimates from other witnesses or human rights groups range from several hundred to several thousand. The report also said that several Afghan witnesses were later tortured or killed.
Die massenhafte Tötung gefangener Talibankämpfer 2001 ist einer der Gründe dafür, dass es in den vergangenen Jahren im Norden relativ ruhig war. Führer wie Dostum haben damals bewiesen, dass sie für das Talibanproblem nachhaltige Lösungen anzubieten haben, und sie wären dazu vermutlich auch nach einem Ende des gegenwärtigen Einsatzes mit minimaler internationaler Unterstützung wieder dazu in der Lage. Nur ein Narr würde jedoch das, was sie dann tun würden, als “Frieden erklären” bezeichnen.
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